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Buchtipp: Lea Singer "Der Klavierschüler" Vladimir Horowitzs verbotene Liebe

Vor sieben Jahren entdeckte die Münchner Autorin Lea Singer unveröffentlichte Briefe des Jahrhundertpianisten Vladimir Horowitz. Sie sind an den jungen Schweizer Nico Kaufmann gerichtet; Kaufmann war Horowitz' erster Klavierschüler und obendrein sein Geliebter. Auf Grundlage dieser privaten Dokumente erzählt Lea Singer in ihrem neuesten Roman "Der Klavierschüler" von einer verbotenen Liebe, mit der Horowitz nicht nur seine Karriere, sondern auch die Ehe mit Toscaninis Tochter Wanda aufs Spiel setzte.

Coverbild des Romans "Der Klavierschüler" von Lea Singer  | Bildquelle: © Kampa Verlag

Bildquelle: © Kampa Verlag

Der Buchtipp zum Anhören

Der Schweizer Jurist Robert Donati hat eigentlich mit seinem Leben abgeschlossen. In einer Bar trifft er den Pianisten Nico Kaufmann, der sich als ehemaliger Schüler und Geliebter des Jahrhundertpianisten Vladimir Horowitz entpuppt. Gemeinsam treten die beiden Männer eine Reise zu den Stätten dieser großen Liebe an, nach Zürich und zu weiteren Orten in der Schweiz.

Heimliche Homosexualität

In Rückblenden erzählt Lea Singer spannend und doch einfühlsam vom Leben des großen Pianisten Horowitz: Von seiner schwierigen Beziehung zum despotischen Schwiegervater Toscanini, mit dessen Tochter Wanda er ein Kind hatte, aber im Grunde eine Scheinehe führte; von der Freundschaft mit dem väterlichen Mentor Rachmaninow; von seiner komplizierten Liebe zu seinem Klavierschüler Nico Kaufmann.

Vladimir Horowitz mit Frau Wanda beim Lesen einer Partitur. | Bildquelle: © picture alliance / Everett Collection Vladimir Horowitz und Ehefrau Wanda beim Lesen einer Partitur. | Bildquelle: © picture alliance / Everett Collection Das reale Zusammentreffen zwischen Horowitz und dem aus gutbürgerlichem Hause stammenden Nico Kaufmann, der mit Weltgewandtheit, Charme und Schönheit ausgestattet war, fiel in die Zeit von 1937 bis 1939. Damals steckte Horowitz, als homosexueller Jude während der Nazizeit, in einer tiefen Krise und pausierte mit seinen Auftritten. Doch das Thema Depression war für ihn wie für sein Umfeld ein Tabu, Homosexualität galt als Krankheit.

Die Last der Lüge

Im Laufe seiner Karriere erlebt Vladimir Horowitz weite Krisen mit langen Auftrittspausen. Horowitz litt unter der Einsamkeit des Pianisten aber noch mehr unter dem Zwang zur Anpassung an die gesellschaftlichen Konventionen. "Volodja", wie sein Geliebter Horowitz nannte, verleugnete seine wahre Liebe.

"Liebe kommt von Müssen. Hasste Horowitz sich dafür nicht zu lieben, wie er lieben mußte? Wenn das so war, dann verstand ich, warum Volodja mich nicht sehen durfte: Ich erinnerte ihn daran, dass er sich für die Lebenslüge entschieden hatte. Ich war sein Gewissen." (Zitat aus dem Buch)

Lea Singer entwirft anhand von Briefen und Tagebucheinträgen ein facettenreiches Künstlerportrait. Sie zeigt, dass viele seiner psychischen Probleme von der unterdrückten Homosexualität herrührten. Gelungen ist ihr ein packender Roman, der Horowitz als Gefangenen seiner unterdrückten Gefühle zeigt, einen Menschen, der nur als Pianist Erfüllung fand.

INFOS ZUM BUCH

Lea Singer:  "Der Klavierschüler"
Schweizer Kampa Verlag, Zürich
Preis: 20,00 Euro

Sendung: "Piazza" am 2. März 2019 ab 08:05 Uhr auf BR-KLASSIK

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