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Buchtipp –"Nachhall einer kurzen Geschichte" von Dorotheé Albers Familienepos im Zeichen der Musik

Ein junger Mann soll den Bauernhof seiner Eltern übernehmen. Doch er kehrt dem Hof den Rücken und wird Musiker: ein später Nachhall der heimlichen Liebesaffäre seiner leiblichen Mutter, einer Konzertpianistin. Von ihrer Existenz erfährt der Sohn erst als junger Erwachsener. Mit ihrem Debütroman „Nachhall einer kurzen Geschichte“ verfolgt die niederländische Autorin Dorothée Albers die Geschichte einer Musikerfamilie über drei Generationen.

Buchcover: "Nachhall einer kurzen Geschichte" | Bildquelle: © Karl Rauch Verlag

Bildquelle: © Karl Rauch Verlag

Buchtipp

"Nachhall einer kurzen Geschichte" von Dorothée Albers

Wenn Vaters Vater Pianist gewesen wäre oder Cellist? Es wunderte sie, wie glücklich sie dieser Gedanke machte.
Zitat aus dem Buch

Dass diese Vorstellung der Wirklichkeit entspricht, wird Fine nie erfahren. Die begabte junge Cellistin hat gerade ein Vorspiel vermasselt. Nun muss sie sich entscheiden, ob sie dem Druck eines Lebens als Profimusikerin gewachsen ist und das Studium fortsetzten will. Im Gegensatz zu ihr tut sich Zwillingsbruder Jelle leicht. Der junge Pianist ist ein Naturtalent und nimmt die Dinge gelassen. Was beide nicht wissen: Ihre Großeltern, einfache Bauern, sind nicht die leiblichen Eltern ihres Vater Jurre, selbst Jazz-Saxophonist.

Am Anfang war die Liebe

Dorotheé Albers - Autorin von "Nachhall einer kurzen Geschichte" | Bildquelle: © Barbara Verbij Autorin Dorotheé Albers | Bildquelle: © Barbara Verbij Dorothée Albers schreibt in ihrem Debütroman „Nachhall einer kurzen Geschichte“ vom Schweigen zwischen den Generationen, aber auch von der verbindenden Kraft der Musik. Über drei Generationen spannt sich ihre Erzählung. Am Anfang steht eine große Liebe: Die 18-jährige Jet studiert Mitte der 1950er-Jahre Klavier in einer niederländischen Kleinstadt. Sie verliebt sich in Zev, einen jungen begabten Cellisten. Doch der ist Jude. Und das passt nicht in Jets bigott-katholisches Elternhaus. Die unvorhergesehene Schwangerschaft wird vertuscht. Jet bringt ihr Kind in einem Kloster zur Welt. Und nichts bleibt wie es ist: Der kleine Jurre wird ihr unmittelbar nach der Geburt weggenommen und zu Pflegeeltern gegeben. Kindsvater Zev wird zu Verwandten nach Amerika geschickt. Dort macht er eine Karriere als Cellist. Jet wird dagegen eine gefragte Konzertpianistin. Für beide bleibt es die Liebe ihres Lebens, doch sie durften sich nie wieder begegnen. Und so erfahren auch ihre Nachkommen nichts von ihrem Schicksal.

Kurz und bündig

Diese Buch wird lieben, wer ...
... glaubt, dass sich musikalisches Talent immer durchsetzt.

Dieses Buch liest man am besten ...
... begleitet von Klavier- und Jazzmusik

Dieses Buch ist wie geschaffen für ...
... alle, die für ihr musikalisches Talent brennen.

Zwischen Sprachlosigkeit und Leidenschaft

Dorothée Albers erzählt von Jet, ihrem Sohn Jurre und der Enkelin Fine jeweils in einem eigenen Teil. Dabei zeichnet sie die Charaktere und deren Entwicklung sehr genau und überzeugend. Vom Ursprung der Familie, der so tragischen Liebesgeschichte der Großeltern, erfährt nur der Leser. Sohn und Enkelin können das Gewesene nur erahnen, aber nie richtig aufarbeiten. Ihre Sprachlosigkeit kompensieren sie durch die Liebe zur Musik: Sie steht als Lebenselixier der Protagonisten dieser drei Generationen an erster Stelle. Sprachlich gekonnt vermittelt Dorothée Albers in ihrem Erstlingsroman ein Gefühl für diese Leidenschaft. Das Ganze liest sich so spannend, dass man das Buch nicht mehr weglegen möchte.

Infos zum Buch

Dorotheé Albers:
"Nachhall einer kurzen Geschichte"
Karl Rauch Verlag, Vogt
286 Seiten
Preis: 22 Euro

Sendung: "Allegro" am 12. Februar 2020 auf BR-KLASSIK

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