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CD - Christa Ludwig Die Edition zum 90. Geburtstag

Es ist eine Stimme, die man unter Hunderten erkennen würde, egal ob sie Bach oder Strauss, Mozart oder Wagner, Beethoven oder Mahler, Schubert oder Verdi sang. Christa Ludwig betonte gerne und ohne Koketterie, sie wäre "lieber normal gewesen". Mit ihrer Stimme war sie nicht "normal", sondern eben eine der ganz großen Mezzosopranistinnen des vergangenen Jahrhunderts.

Der CD-Tipp zum Anhören:

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Sie klagte über unerfüllte Sehnsüchte, die diese Berufung, die ihr Beruf mit sich gebracht habe. Man glaubt es ihr, umso mehr, als es bei ihr nicht larmoyant, sondern nach einem nüchternen Fazit klingt, nachvollziehbar auch für den, der sich ein Leben ohne diese Stimme, ihre dunkle Wärme und zugleich ihre Strahlkraft, ihre Ausdruckstiefe und Intensität, nicht vorstellen könnte.

Von Bach bis Bernstein

Wer den "Abschied" aus Mahlers "Lied von der Erde" mit Christa Ludwig gehört hat, der wird ihn nicht vergessen. Die zu ihrem 90. Geburtstag am 16. März veröffentlichte Edition mit 12 CDs und Musik von Bach bis Bernstein bietet noch einmal die Gelegenheit dazu. Erinnert auch an ihre phänomenale Brangäne 1966 in Bayreuth.

Ratlosigkeit und Lebensweisheit

Oder an Ihre Marschallin, 1969 in Richard Strauss‘ "Rosenkavalier" bei den Salzburger Festspielen. Wurde der berühmte Monolog über das Verstreichen der Zeit je anrührender und tiefgründiger gestaltet, eine unvergleichliche Mischung aus Ratlosigkeit und Lebensweisheit, Melancholie und nüchterner Einsicht in die Realität, im Grunde eine gesungene philosophische Betrachtung und einer jener Momente, in denen die Oper und das Bühnengeschehen mitten hineinspringen ins wahre Leben.

Volles Bewusstsein und volle Intensität

Vielleicht war nicht jeder Ton bei Christa Ludwig schön im gängigen Sinne. Man kann sich durchaus reiben an ihrer Gestaltung von Mahlers "Kindertotenliedern" etwa, sie in manchem zu dramatisch finden. Aber jeder Ton bei ihr war mit vollem Bewusstsein und voller Intensität gestaltet, im zartesten Piano wie in den wildesten Ausbrüchen. Nichts überließ sie dem Zufall, und doch wird man keinen Ton bei ihr finden, der manieriert oder kalkuliert klänge, darin unterschied sich Christa Ludwig durchaus von der einen oder anderen Kollegin. Das war auch eine Charakterfrage, eine Frage der Haltung. Nicht zuletzt die machte sie zu der Ausnahmeerscheinung, die sie auf der Bühne wie im Konzertsaal war.

Die Christa Ludwig-Edition

Szenen, Arien und Lieder von
Bach, Mozart, Beethoven, Wagner, Strauss, Mahler, Verdi, Bernstein, Schubert, Schumann u.a.
Verschiedene Orchester und Dirigenten

Gespräche mit Thomas Voigt

Label: Deutsche Grammphon

Sendung: "Leporello" am 16. Februar 2018, 16.05 Uhr auf BR-KLASSIK