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CD - Friedrich von Flotow "Martha"

Der Gedanke an die Gattung der komischen Oper, auch Spieloper genannt, löst bei vielen Menschen gähnende Langeweile aus. Nur selten ergreifen seriöse Künstlerpersönlichkeiten Partei für Komponisten wie Friedrich von Flotow, Stücke wie "Martha". Immerhin Loriot hat es mal getan – Vicco von Bülow als Regisseur! Jetzt erscheint ein Live-Mitschnitt aus Frankfurt von 2016, geleitet von GMD Sebastian Weigle.

CD-Cover Friedrich von Flotow: "Martha" | Bildquelle: Oehms Classics

Bildquelle: Oehms Classics

Der CD-Tipp zum Anhören

Im heimischen Teutendorf und auf einem Gut in Pommern fand Friedrich von Flotow die nötige Muße zur Komposition seiner "Martha". 1847 erblickte sie das Licht des Wiener Kärntnertortheaters, und der Jubel war immens für diese "Romantisch-komische Oper". Sie verbreitete sich in ganz Europa, bis nach San Francisco und Sydney. Erst achtzehn Jahre nach der Uraufführung wurde "Martha" bzw. der Rolle des Lyonel die berühmte Tenorarie "Ach so fromm" einverleibt, die zum Publikumsliebling avancierte. Vor der Transplantation hatte sie ihren Platz in Flotows französischer Oper "L'ame en Peine". Enrico Caruso hat die Arie dann später gesungen, Luciano Pavarotti auch. "Ach so fromm" machte all'italiana besonderen Effekt, auf den Text "M'apparì tutt'amor". Klingt natürlich auch viel schöner. Und sowieso war dem Massenpublikum egal, woher genau dieser Evergreen stammte – und ob der Komponist diesen Ohrwurm ursprünglich überhaupt auf dem Schirm hatte.

Musik für Mägdemärkte

Gefällig und elegant wirkt die Musik des Preußen auch dort, wo er zum Beispiel ein irisches Volkslied zitiert. Mit der gebotenen Melancholie fängt es ein, worum sich das Libretto dreht: Mägdemärkte, eine Art Börse für Mägde, die es einst in Frankreich und England tatsächlich gegeben hat.

Ohne Häkeldeckchen

Wie es sich anfühlt, wenn provinziell anmutendes Biedermeier auf sängerischer Ebene internationales Flair erhält, wird durch die Frankfurter Besetzung deutlich: mit der vorzüglichen schwedischen Sopranistin Maria Bengtsson als Harriet und dem amerikanischen Tenor AJ Glueckert, der sich als Lyonel mehr als wacker schlägt. Und da sich der Spiritus Rector des Unternehmens, Sebastian Weigle, von seiner dirigentischen Schokoladenseite zeigt, ist man hier am Ende um eine Erkenntnis reicher: Auch heute noch kann die vielgescholtene Spieloper Spaß machen! Wenn nämlich Leichtigkeit und Sentimentalität perfekt aufeinander abgestimmt sind. Und man nirgends an Häkeldeckchen denken muss.

Friedrich von Flotow: "Martha"

Maria Bengtsson, Sopran – Lady Harriet Durham
AJ Glueckert, Tenor – Lyonel
Katharina Magiera, Mezzosopran – Nancy
Björn Bürger, Bariton – Plumkett

Chor der Oper Frankfurt
Frankfurter Opern- und Museumsorchester
Leitung: Sebastian Weigle

Label: Oehms Classics

Sendung: "Leporello" am 26. September 2018 ab 16:05 Uhr auf BR-KLASSIK

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