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CD - Jean-Marie Poirier Tablatures

Sie sind die Geheimschrift der Lautenisten: Tabulaturen. Jean-Marie Poirier hat sein neues Album so betitelt. Puristisch wie die Musik, die darauf zu hören ist. Prädikat: Empfehlenswert!

CD-Cover: Jean-Marie Poirier - Tablatures | Bildquelle: © Cornetto, Harmonia Mundi

Bildquelle: © Cornetto, Harmonia Mundi

Der CD-Tipp zum Nachhören

Auf den ersten Blick sehen sie aus wie eine sonderbare Geheimschrift, mit ihren übereinander gestapelten Buchstaben- und Zahlentürmchen über den sechs statt fünf Notenzeilen. Die Rede ist von Tabulaturen. Anders als die herkömmliche Notation sind sie keine abstrakte Übertragung der Musik in graphische Zeichen, sondern eine Griffschrift. Bei den Lautentabulaturen zum Beispiel stehen die sechs Zeilen für die sechs Saiten der Laute. Die Tonbuchstaben oder -zahlen zeigen an, wo die jeweilige Saite gegriffen werden muss. Für die Tondauer gibt es dann noch weitere Zeichen. Tabulaturen oder französisch Tablatures, so heißt auch die neue CD von Jean-Marie Poirier.

Eingespielt mit "links"

Erschienen ist das Album in dem kleinen aber feinen Stuttgarter Musikverlag Cornetto, der für seine Veröffentlichungen immer wieder besondere Fundstücke aus den Archiven fischt. Für die aktuelle CD hat der französische Lautenist Jean-Marie Poirier Werke von Ennemond Gaultier und Charles de Lespine eingespielt. Kennern und Lauten-Fans ist Poirier aus dem Film "die Siebente Saite" mit Gérard Depardieu bekannt. Dort mimt er den Lautenlehrer von Sainte-Colombes Töchtern. Auf dem neuen Album experimentiert er mit verschiedenen Stimmungen, Klangfarben und Techniken, die im 16. Jahrhundert in Gebrauch waren. Akribisches Quellenstudium und ein Näschen für das Besondere sind da Programm. Und eingespielt hat er die Stücke übrigens mit links, noch so eine Besonderheit des französischen Lautenisten.

Puristisches Klangerlebnis

Das Repertoire wirft unter anderem einen Blick auf frühe, unbekanntere Stücke von Ennemond Gaultier, die Poirier diesem wegen stilistischer Besonderheiten zuordnen konnte. Eine ausgewogene, satte Klanggebung und eine dynamische Interpretation zeichnen Poiriers Spiel aus. Ohne großes Tamtam kommt die Einspielung aus: ein ganzes Album lang darf die häufig eher als Begleitinstrument wahrgenommene Laute einmal ganz im Fokus der Aufmerksamkeit stehen. Fazit: ein puristisches Klangerlebnis, Prädikat: unbedingt empfehlenswert. Nicht nur für Lauten-Fans!

Jean-Marie Poirier - Tablatures

Ennemond Gauthier, Charles de Lespine
Jean-Marie Poirier
Label: Cornetto, Harmonia Mundi

Sendungsthema aus "Tafel-Confect" vom 10. Juni 2018, 12.05 Uhr auf BR-KLASSIK

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