BR-KLASSIK

Inhalt

Mariss Jansons zum neuen Münchner Konzertsaal "Ich glaube, da kann man viel Gutes erwarten"

Mariss Jansons wünscht sich rund um den neuen Konzertsaal ein lebendiges Werksviertel, das auch junge Menschen anzieht. Besonders am Herzen liegt ihm die Akustik des neuen Saals. Ein Interview.

Mariss Jansons | Bildquelle: picture-alliance/dpa / Ronald Zak

Bildquelle: picture-alliance/dpa / Ronald Zak

Aktuelles Interview

Mariss Jansons zum Konzertsaal-Entwurf

BR-KLASSIK: Herr Jansons, welche Assoziationen weckt der Siegerentwurf für den neuen Münchner Konzertsaal bei Ihnen? Das soll ja ein verglastes Gebäude werden. Wie deuten Sie das?

Mariss Jansons: Wissen Sie, ich habe nur ein Bild gesehen, und von daher ist das für mich schwierig zu sagen. Ich finde den Entwurf gelungen - vielleicht auf den ersten Blick nicht sehr spektakulär. Aber durch die Glasbauweise kann man das Licht sehr fantasievoll einsetzen, und das könnte bei einer ersten Begegnung mit dem Gebäude emotional positiv wirken. Ich glaube, da kann man viel Gutes erwarten. Für mehr Assoziationen muss ich aber erst einmal den Entwurf im Original sehen. Die Hauptsache ist letztlich doch der Klang. Ich hoffe, wir bekommen eine fantastische Akustik, und dass das Resultat uns allen Freude machen wird.

Mein Traum ist es, einen Kindergarten zu bauen, in dem Kunst und Musik vermittelt werden.
Mariss Jansons

BR-KLASSIK: Sie sagten schon, die Architektur ist wenig spektakulär, also ist wahrscheinlich das Innenleben entscheidend. Könnte man sagen, es ist ein funktionaler Bau?

Mariss Jansons: Bei einem Konzertsaal ist es natürlich wichtig, ein interessantes und lebendiges Programm zu bieten, auch für die Jugend. Das ist natürlich die Frage, die später kommt: Wie wird das gelingen? Wir wollen mit diesem neuen Haus die Leute so neugierig machen, dass sie zu uns kommen. Aber wenn wir gute Resultate erzielen und die Akustik gut ist, dann werden die Menschen mit Freude zu uns kommen, um Konzerte zu hören. Natürlich ist der Konzertsaal und seine Akustik momentan die Frage Nummer eins, aber man sollte sich schon um das gesamte Areal Gedanken machen. Der Bezirk sollte lebendig und ein Zentrum des Kulturlebens sein. Mein Traum ist es, einen Kindergarten zu bauen, in dem Kunst und Musik vermittelt werden, sowie eine Musikschule für talentierte Kinder. Vielleicht auch ein Konservatorium. Es gibt so viele Sachen, die ich vorschlagen könnte. Das Werksviertel könnte ein kulturell sehr wichtiger Platz werden, gerade auch für junge Menschen.

BR-KLASSIK: Der Konzertsaal für München war und ist Ihr Herzensprojekt. Inwieweit werden Sie auch künftig Ihren Einfluss weiter geltend machen in diesem Projekt – künstlerisch, administrativ und logistisch? Wie wollen Sie weiter arbeiten?

Mariss Jansons: Es ist zu früh, etwas dazu zu sagen (lacht). Ich muss abwarten, bis dieser Saal fertig ist. Wenn mein Rat notwendig ist, dann gebe ich ihn sehr gern. Aber die Hauptsache ist doch, dass es jetzt, nach diesem großen vierzehnjährigen Kampf, tatsächlich möglich geworden ist, einen Saal zu bekommen. Niemand weiß ja, wie die Struktur aussehen wird, wenn das Projekt vollendet wird. Und das wird, glaube ich, lange dauern. Natürlich: Je schneller, desto besser. Aber wenn man in Eile verfällt, fängt man an, Fehler zu machen. Man muss klug analysieren und planen - das ist jetzt sehr wichtig.

Das Interview wurde von der Redaktion an die Schriftsprache angepasst. Die Fragen stellte Fridemann Leipold für BR-KLASSIK.
Sendung: 
"Leporello" am 02. November 2017, 16.05 Uhr auf BR-KLASSIK

    AV-Player