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Mozarteum Salzburg in der Krise "Schaden für die Universität"

Ein Rückzug vor dem Antritt: Erst im Mai wurde Reiner Schuhenn zum neuen Leiter der Salzburger Musikhochschule gewählt, jetzt ist er überraschend zurückgetreten. Während Schuhenn dem Universitätsrat mangelndes Vertrauen vorwirft, findet der Rats-Vorsitzende die Entscheidung unverständlich.

Universität Mozarteum Salzburg | Bildquelle: picture alliance / Arco Images GmbH

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Reiner Schuhenn wird doch nicht neuer Rektor des Mozarteums Salzburg. Wie die Universität mitteilte, informierte der 55-Jährige am Montag den zuständigen Bundesminister sowie den Universitätsrat des Mozarteums über seinen Rücktritt von seinem Wahlamt "mit sofortiger Wirkung".

Absage an Wunschteam

Hintergrund sei die Bestellung der Vizerektoren, wie Reiner Schuhenn im Gespräch mit BR-KLASSIK am Mittwoch sagte. Schuhenn, der von 2009 bis 2013 Rektor der Kölner Musikhochschule war, habe drei Kandidaten vorgeschlagen. Zwei seien vom Universitätsrat, dessen Mehrheit für die Wahl erforderlich ist, abgelehnt worden - "ohne Begründung". Der Senat dagegen habe seine Vorschläge gebilligt. Schuhenn sieht darin einen "Affront" und spricht von "Misstrauen", das ihm als neu gewähltem Rektor damit ausgesprochen wurde.

Im Subtext wurde mir mitgeteilt, dass man mich nicht für fähig hält.
Rainer Schuhenn

Schuhenn: "Mein Programm ist bekannt gewesen"

Dirigent Reiner Schuhenn | Bildquelle: picture-alliance / Sven Simon Reiner Schuhenn | Bildquelle: picture-alliance / Sven Simon Schuhenn sollte daraufhin einen zweiten Vorschlag für das Vizerektorat machen, zu dem es dann aber nicht mehr gekommen ist. Gegenüber BR-KLASSIK erklärte er: "Ich möchte das nächste Team, das ich vorschlage, nicht wieder dem Risiko aussetzen, vom Universitätsrat ohne Begründung abgelehnt zu werden".

In der Vergangenheit gab es bei personellen Entscheidungen immer wieder Konflikte zwischen Universitätsrat und Senat des Mozarteums. Dennoch habe sich Schuhenn über "das Verhalten in dieser Unmittelbarkeit" gewundert. Bei seiner Bewerbung habe es ein Vorcasting und zwei Hearings gegeben, an denen alle Entscheidungsträger des Mozarteums teilgenommen hätten. Dort habe er lange erklärt, was er vorhabe - sein Programm sei bekannt gewesen, so Schuhenn.

Ich bin davon ausgegangen, dass ich inhaltlich unterstützt werde.
Reiner Schuhenn

Der Vorsitzende des fünfköpfigen Universitätsrates, Anwalt Karl Ludwig Vavrovsky, sagte BR-KLASSIK am Mittwoch, dass er die Entscheidung von Reiner Schuhenn bedauere, aber auch unverständlich finde. So sei bei den Hearings das zukünftige Leitungsteam nicht vorgestellt worden, auch habe kein Organigramm zur Diskussion gestanden.

Dazu habe der Universitätsrat zwei Stunden vor seiner Sitzung am 28. Juni von der positiven Unterstützung seitens des Senats erfahren und dann erst die Kandidatinnen für die Ämter der Vizerektorinnen persönlich kennengelernt. Die geheime Wahl fand in derselben Sitzung statt - eine Kandidatin wurde einstimmig gewählt, die anderen beiden mit zwei zu drei Stimmen abgelehnt.

Eine geheime Wahl kann ich nicht begründen.
Karl Ludwig Vavrovsky, Vorsitzender des Universitätsrats

"Großer Schaden für die Universität"

Vavrovsky ließ im Interview durchblicken, dass sich der Universitätsrat eine bessere Vorstellung der Personen gewünscht hätte. Die Ratsmitglieder sind nicht Angehörige der Universität: "Umso mehr muss man sie mitnehmen", so Vavrovsky. Er habe ein "vertrauensvolles Gespräch" mit Schuhenn geführt. Beide hätten sich auf Einzelgespräche mit den fünf Mitgliedern des Universitätsrats verständigt sowie auf personelle Neuvorschläge für das Vizerektoren-Amt. Schuhenn habe dies Vavrovsky auch noch am Freitag mündlich zugesichert, dann aber am Montag per Mail abgesagt - unwiderruflich, wie Vavrovsky betonte.

Ich sehe das als großen Schaden für die Universität. Daran ist Professor Schuhenn nicht ganz unbeteiligt.
Karl Ludwig Vavrovsky, Vorsitzender des Universitätsrats

Neue Wahl im Spätherbst

Die Rektorensuche der renommierten Universität geht nach der Trennung von Siegfried Mauser im vergangenen Jahr in die dritte Runde. Mauser ließ sich im Frühjahr 2016 beurlauben, nachdem er in München wegen sexueller Nötigung angeklagt worden war. Eine erste Rektorenwahl ist im Dezember 2016 gescheitert, mit dem Rücktritt Reiner Schuhenns nun auch die zweite. Im Spätherbst soll laut Universitätsrats-Vorsitzendem Vavrovksy eine neue Wahl erfolgen. Bis dahin werden die Amtgeschäfte von der Vizerektoren Sarah Wedl-Wilson und Mario Kostal geführt.

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