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Alternative Wege für das Mozartfest Würzburg "Widerstand. Wachsen. Weitergehen"

Würzburg kann sich freuen: Das Mozartfest findet statt – auch im Corona-Jahr 2020. Wie nicht anders zu erwarten, müssen bei der Planung des Festivals natürlich zum Teil ungewohnte Wege beschritten werden, um der ebenso neuartigen wie schwierigen Situation mit ihren diversen Regeln gerecht zu werden.

Musik-LKW "Der Blaue Eumel" | Bildquelle: © Vera Laube

Bildquelle: © Vera Laube

Ein blauer Laster, ein charmanter Oldtimer, beladen mit einem Flügel, tuckert auf verschiedene Plätze der Würzburger Innenstadt. Die Plane auf einer Seite hochgeklappt, ein Podest vor die Ladefläche gestellt – und fertig ist die kleine Bühne. Der "Blaue Eumel", initiiert von einem Verein für mobile Kunst, ermöglicht es dem Mozartfest Würzburg, Konzerte mit Publikum anzubieten, freilich draußen, im kleinen Rahmen, mit Hygiene- und Abstandsregeln. "Widerstand. Wachsen. Weitergehen", so lautet das Motto des Mozartfests Würzburg 2020. Ja, es findet statt – wie so vieles in dieser Zeit aber nicht so wie noch vor kurzem geplant. Draußen lautet eine der Lösungen – wie beim "Blauen Eumel". Eine andere Lösung liegt auch beim Mozartfest im virtuellen Raum.

Lange Musiknacht

Julian Prégardien | Bildquelle: Marco Borggreve Der Tenor Julian Prégardien | Bildquelle: Marco Borggreve In Kooperation mit BR-KLASSIK – Studio Franken startet das Mozartfest Würzburg am 9. Juni mit einer Langen Musiknacht mit acht herausragenden Künstlern: Avi Avital, Olga Pashchenko, Kit Armstrong, Julian Prégardien, Martin Helmchen, Marie-Elisabeth Hecker, Hannelore Hoger und Sebastian Knauer. Sie treten in der schönen Würzburger Residenz auf, live übertragen im Radio sowie als Video-Stream auf www.br-klassik.de und auf Facebook. "Gestatten, Beethoven!" – die Musiknacht steht im Zeichen des großen Beethoven-Jubiläumsjahres, mit Werken von der Mondscheinsonate bis zur "Fernen Geliebten" und mit Seitenblicken auf seine Wiener Kollegen Mozart und Schubert, live moderiert von Ursula Adamski-Störmer.

Weitergehen

"Weitergehen", sagte Beethoven einmal, "ist in der Kunstwelt, wie in der ganzen großen Schöpfung, Zweck."
Das Festivalmotto "Widerstand. Wachsen. Weitergehen", das von Beethovens Zitat inspiriert ist, formulierte das Team um Intendantin Evelyn Meining nicht etwa spontan in der momentanen Situation: "Man könnte wirklich denken, dass es sich bier um ein Corona-bedingtes Motto handelt", so Meining, "aber entstanden ist dieses Motto tatsächlich vor drei Jahren. Damals saß ich das erste Mal mit unserem diesjährigen Artiste Étoile, dem Dirigenten Reinhard Goebel zusammen, und wir haben seine Saison besprochen, wie sie in Würzburg im Beethoven-Jahr stattfinden könnte. Das Motto war gedacht aus dem kompositorischen Weitergehen, durch Widerstand wachsen, dem Weitergehen im Sinne des schöpferischen Prozesses. Und nun ist ihm in den letzten acht oder zehn Wochen eine ganz neue Aktualität zugewachsen."

Die Stimme erheben

Ragna Schirmer | Bildquelle: © Maike Helbig Die Pianistin Ragna Schirmer | Bildquelle: © Maike Helbig Als im März klar war, dass sich die Pandemie nur durch die strikte Vermeidung sozialer Kontakte aufhalten lassen würde, bedeutete das für den Festivalsommer einen harten Schlag. Doch ans Aufgeben dachte Evelyn Meining zu keinem Zeitpunkt: "Ich habe immer daran geglaubt, dass wir mit der Kunst unsere Stimme erheben werden. Ich wollte nicht glauben, dass wir im Juni nicht das Mozartfest in Würzburg eröffnen können." Mit Einfallsreichtum, Flexibilität und großem Engagement gelang es, ein alternatives Programm auf die Beine zu stellen – auch mit Unterstützung der Musikerinnen und Musiker, die viele eigene Ideen einbrachten. Eine große Zahl der ursprünglichen Mozartfest-Interpreten konnte gewonnen werden, das alternative Konzept mit Leben zu füllen. Alle Künstler der Langen Eröffnungsnacht modifizierten ihr Repertoire für das veränderte Format. Außerdem gibt es Kammermusikabende mit Ragna Schirmer, Isang Enders, Jörg und Carolin Widmann und Oliver Triendl, die ebenso auf BR-KLASSIK gesendet werden wie die Streichquartett-Nacht mit dem Signum Quartett, dem Szymanowski-Quartett und dem Schumann-Quartett.

Mozart-Labor

Münchner Rundfunkorchester  | Bildquelle: © Felix Broede Das Münchner Rundfunkorchester | Bildquelle: © Felix Broede Auch der diesjährige Artiste Ètoile des Mozartfests Würzburg, der Dirigent Reinhard Goebel, war sofort bereit, das alternative Konzept des Festivals mitzutragen. So leitet er das Mozart-Labor, das junge Musiker, Wissenschaftler, Komponisten und Kulturschaffende zusammenbringt, freilich ohne Publikum und mit Abstandsregeln. Auch sein Konzert mit dem Münchner Rundfunkorchester sowie den Solistinnen Sarah Christian und Ragna Schirmer findet statt, als "Geisterkonzert" live übertragen und gestreamt von BR-KLASSIK im Hörfunk und Internet.

Lichtkreise

Ab dem 15. Juni gibt es aber auch wieder einige Konzerte mit Publikum – in neuen Konzertformen nach den Vorgaben des Infektionsschutzes. "Wir haben zum Beispiel ein sehr spannendes Projekt mit dem Orchester im Treppenhaus entwickeln können", freut sich Evelyn Meining. "Das ist ein Orchester, das immer auf der Suche nach neuen Formaten ist und das unter dem Titel 'Circles' Lichtkreise auf den Boden der Konzertstätte projiziert, in die hinein sich das Publikum stellt – der Gast oder paarweise die Gäste – und die musikalisch dann mit Nähe und Distanz in Berührung kommen. Und das wird eine ganz neue physische Erfahrung, eine sinnliche Erfahrung, die die Problematik dieser Zeit uns auch ganz persönlich näher bringen wird."

Sendung: "Leporello" am 08. Juni 2020 um 16:05 Uhr auf BR-KLASSIK

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