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Nachruf Albert Scharf BR-Intendant mit Herz für die Klassik

Medienmacher, Kulturmensch, Klassik-Fan – all das war Albert Scharf. Nun ist der ehemalige Intendant des Bayerischen Rundfunks im Alter von 86 Jahren am vergangenen Wochenende gestorben. Zwölf Jahre lang, von 1990 bis 2002, stand er an der Spitze des Senders. Und machte sich dabei auch immer wieder für die Klassik stark.

Albert Scharf | Bildquelle: BR

Bildquelle: BR

1966 ist Albert Scharf zum Bayerischen Rundfunk gekommen, damals als Juristischer Direktor. Schon wenige Jahre später, 1973, wurde er außerdem Stellvertreter des amtierenden Intendanten Reinhold Vöth. Im März 1990 wurde er dann selber zum Intendanten gewählt und füllte dieses Amt bis Ende 2001 aus. In seiner Zeit beim BR hat Albert Scharf die meisten Chefs des Münchner Rundfunkorchesters erlebt, und fast alle Chefdirigenten von Chor und Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks: Rafael Kubelik bis 1979, den designierten Chefdirigenten Kyrill Kondraschin, der eineinhalb Jahre vor seinem Amtsantritt überraschend starb, Sir Colin Davis ab 1983.

Sein größter Besetzung-Coup: Lorin Maazel

Dirigent Lorin Maazel. | Bildquelle: BR/Foto Sessner Vom damaligen BR-Intendanten Albert Scharf nach München geholt: Lorin Maazel am Pult des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks | Bildquelle: BR/Foto Sessner Scharf verantwortete es 1992, den amerikanischen Dirigentenstar Lorin Maazel für neun Jahre zum Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks zu holen – ein Coup und für das Orchester eine Erfahrung von unschätzbarem Wert. Maazel war zwar in menschlicher Hinsicht nicht der Einfachste. Doch er brachte das Orchester auf ein spieltechnisches Niveau, von dem es auch unter dem großen Mariss Jansons noch zehrte.

Kluge Kultur-Essays und Hörerpost

Scharf kannte sie alle, hat mit Sicherheit auch Eugen Jochum als Chef des Symphonieorchesters erlebt, auch wenn der den BR 1961 nach zwölf Jahren verließ. Und wenn Scharf über Colin Davis sprach, traf er genau die wichtigen Punkte: dessen Musikalität, Kollegialität und Menschlichkeit. Scharf konnte ungemein kluge Essays verfassen – zu Rafael Kubelik etwa wusste er mehr zu sagen und zu schreiben als mancher Andere. Zugleich war er sich nicht zu schade, sonntagmorgens in seinem Büro zu sitzen und eigenhändig Hörerpost zu beantworten – auch einmal einen wütenden Protestbrief, den der Autor dieser Zeilen als junger Redakteur durch eine allzu kecke Antwort provoziert hatte.

Engagement für den Kulturauftrag – und für die Musiker

In Scharfs Intendanz und unter seiner Verantwortung wurden nicht nur im Radio der Nachrichtenkanal B5 aktuell sowie im Fernsehen der Bildungskanal BR-alpha eingerichtet, sondern Anfang 2000 auch die Orchesterakademie des Symphonieorchesters. Es war ein Schritt, von dem seit gut zwei Jahrzehnten nicht nur zahllose junge Musikerinnen und Musiker enorm profitieren, sondern auch das Orchester selbst.

Dieses Orchester hat mittlerweile eine lange und wichtige Tradition, die es auch weiterzugeben gilt.
Albert Scharf über das Symphonieorchester des BR

Freund der Nachwuchsförderung

Marcello Viotti und Albert Scharf beim Empfang "50 Jahre Münchner Rundfunkorchester" im Prinzregententheater.  | Bildquelle: BR / Sessner Albert Scharf im Gespräch mit Marcello Viotti, damals Chef des Münchner Rundfunkorchesters | Bildquelle: BR / Sessner Scharf versprach sich viel von der Nachwuchsförderung: Der Rang des Orchesters sollte erhalten, und das Orchester lebendig bleiben – wie wahr und wie weitsichtig. Kultur und Klassik gehörten für den Juristen stets völlig selbstverständlich zu den unverzichtbaren Aufgaben des Bayerischen Rundfunks. Das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks wie auch der Chor und das Münchner Rundfunkorchester waren für ihn ein großer Schatz. Den gelte es zu pflegen und zu erhalten. Und zwar nicht nur für die Programme des Bayerischen Rundfunks, sondern auch als Institutionen, die das Musikleben Münchens und Bayerns auf außerordentlich hohem Niveau repräsentieren.

Sie sind auch Botschafter des Bayerischen Kulturlebens.
Albert Scharf über Orchester und Chor im Bayerischen Rundfunk

Der Rundfunk als "kulturelle Institution für ganz Bayern"

Das war sein Credo: Dass die Aufgabe für den Bayerischen Rundfunks nicht nur darin liegt, Programme zu veranstalten. Albert Scharf verstand seine Rundfunkanstalt als "eine kulturelle Institution für ganz Bayern", als eigene Tradition, die zu wahren und fortzuführen sei. Nicht zuletzt der Chor und die Orchester sowie das Klassikangebot des Bayerischen Rundfunks, also BR-KLASSIK, sollten Albert Scharf nicht vergessen.

Sendung: "Leporello" am 28. September 2021 ab 16:05 Uhr auf BR-KLASSIK

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