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Andreas Martin Hofmeir und sein "duo tuba & harfe" Kräftige Töne aus dem Eierschneider

Der Tubist Andreas Hofmeir ist gut im Geschäft: Mit "LaBrassBanda" füllte er große Hallen, er spielt mit Jazzbands genauso zusammen wie mit Symphonie- und Blasorchestern, er macht Kabarett und ist Professor am Mozarteum Salzburg. Am 27. September 2018 tritt er mit seinem "duo tuba & harfe" in Benediktbeuern auf.

Tubist Andreas Martin Hofmeir | Bildquelle: picture alliance / Erwin Elsner

Bildquelle: picture alliance / Erwin Elsner

Das Interview zum Anhören

BR-KLASSIK: Tuba und Harfe ist ja eine ungewöhnliche Kombination. Entspringt jetzt aus diesem Ungewöhnlichen auch ein großer Reiz?

Andreas Martin Hofmeir: Ich bin als Tubist natürlich dazu verdammt, immer ungewöhnliche Dinge zu präsentieren - jede Formation mit Tuba ist einfach extrem ungewöhnlich. Da ist es eigentlich fast wurscht, wen ich da noch daneben positioniere. Diese Geschichte mit Harfe war für mich eigentlich eine Herzensangelegenheit, weil ich unbedingt mal mit einer schönen Frau zusammen musizieren wollte und da hat man normalerweise bei der Harfe die besten Chancen. Ich habe mir sehr früh, schon im Alter von 18 Jahren, von Jörg Duda damals ein Stück für Tuba und Harfe komponieren lassen und war immer händeringend auf der Suche nach einer geeigneten Partnerin für dieses Stück. Das ist mir leider nicht so wirklich gelungen. Als ich dann über den Deutschen Musikwettbewerb in die "Bundesauswahl Konzerte junger Künstler" kam und dort quasi aus den Stipendiaten verschiedene Kammermusik-Ensembles geformt wurden, da habe ich meine Chance gerochen: In diesem Katalog der Bundesauswahl waren fünf Harfen drin, davon waren vier doch sehr adrette Damen und der Andreas Mildner.

Anfänglich bittere Momente

Dann habe ich angemeldet, dass ich gerne mit Harfe spielen würde und dann wurde mir der Herr Mildner zugelost. Das war wirklich ein sehr, sehr bitterer Moment, aber nicht nur für mich, sondern auch für ihn. Ich glaube, er hat sich alles mehr gewünscht als gemeinsam mit einem Tubisten aufzutreten. Mittlerweile kann man sagen: Wir sind von all diesen Ensembles, die damals zusammengewürfelt wurden, das einzige, das noch besteht. Wir haben mittlerweile 150 Konzerte hinter uns gebracht und ich könnte mir überhaupt nicht mehr vorstellen, mit irgendjemand anderem an der Harfe gemeinsam zu musizieren. Ich bin auch der festen Überzeugung: Mit einer Frau hätte es nie so lang gehalten.

Auch die Tuba kann zart spielen

BR-KLASSIK: Jetzt gehen ja Tuba und Harfe auch akustisch nicht ganz so leicht zusammen. Die Tuba kann doch die Harfe die ganze Zeit übertönen.

Andreas Martin Hofmeir: Es kommt darauf an, wie man spielt. Erstmal ist der Herr Mildner sehr kräftig, der kriegt aus seinem Eierschneider da schon Töne raus, die durchaus im Forte- und Fortissimo-Bereich liegen. Und ich habe mir natürlich notgedrungen durch diese Kombination auch Techniken zurechtgelegt, mit denen ich die Tuba extrem zart spielen kann. Dieses Ungleichgewicht, das man erwarten würde, findet bei uns tatsächlich nicht statt.

Arien ohne störenden Gesang

Duo Tuba und Harfe "Andreas Martin Hofmeir und Andreas Mildner) | Bildquelle: © Phillipe Gerlach Bildquelle: © Phillipe Gerlach BR-KLASSIK: Was spielt ihr in dem Konzert in Benediktbeuern?

Andreas Martin Hofmeir: Da präsentieren wir unser zweites Programm "Besser ohne Worte". Das ist ein Lieder- und Arienabend ohne störenden Gesang. Wir haben Lieder von Schumann und Schubert, Arien von Puccini und Wagner, von Bizet und Verdi haben wir Opern-Paraphrasen und so weiter. Es ist also ein sehr klassischer Abend. Ich bin ein großer Fan dieses Programms, vor allem, weil ich den Inhalt der Lieder dann zwischen den Liedern auch darstellen darf. So schön die Lieder sind, so bescheuert sind oft die Texte – sowohl bei den Liedern als auch bei den Arien. Wenn man an überflüssige, bescheuerte Texte denkt, dann kommt man gerade an Wagner überhaupt nicht vorbei. So ist dieser wunderbar elegische, klassische Abend am Ende doch auch ein halbes Kabarett.

Diese unterschiedlichen Dinge mache ich eher nur wegen mir selber, weil mir sonst langweilig werden würde.
Andreas Martin Hofmeir

BR-KLASSIK: Du bist Musiker, Kabarettist, Moderator - Ist es eigentlich durch diese vielen Aktivitäten auch so, dass sich die Vorurteile des Publikums gegenüber der Tuba dadurch geändert haben?

Tubist Andreas Martin Hofmeir | Bildquelle: picture alliance / dpa Bildquelle: picture alliance / dpa Andreas Martin Hofmeir: Die Vorurteile kann man natürlich immer beseitigen wenn man auf dem Instrument Dinge macht, die die Leute nicht erwarten. Diese unterschiedlichen Dinge mache ich eher nur wegen mir selber, weil mir sonst langweilig werden würde. Ich habe halt meine Stärken auch auf verschiedenen Gebieten. Ich bin kein guter Komponist, aber ich kann gut Texte schreiben. Ich kann gut moderieren und kann lustig sein auf der Bühne. Kabarett mache ich eigentlich noch länger als ich Tuba spiele. Da hat man natürlich die Sehnsucht, diese Sachen immer wieder neu zu kombinieren. Als klassischer Solo-Tubist wäre wahrscheinlich die Auftragslage jetzt auch nicht gerade jahresfüllend und dadurch, dass ich eben auch Kabarett mache, kann ich halt noch ganz andere Bühnen bedienen und ganz andere Leute erreichen, die vielleicht ins klassische Konzert gar nicht kommen würden.

"Besser ohne Worte" - Konzert mit dem duo tuba & harfe:

27.9., 20:00 Uhr im Allianzsaal des Klosters Benediktbeuern

4.10., 19:30 Uhr im großen Haus im Theater Schweinfurt

Sendung: Leporello am 26. September 2018 ab 16:05 Uhr auf BR-KLASSIK.

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