BR-KLASSIK

Inhalt

Apokalypse - eine Jazz-Kantate Neufassung anlässlich "100 Jahre Ende Erster Weltkrieg"

Wie klingt die Apokalypse? Karl Feilitzsch hat die Endzeitstimmung in seiner gleichnamigen Jazz-Kantate von 1951 in Musik gefasst. Das übergeordnete Thema ist Frieden und Umweltschutz. Zum Gedenktag "100 Jahre Ende Erster Weltkrieg" wird das lange vergessene Werk nun wieder aufgeführt - in der Neufassung von 1972. Der 23-jährige Dirigent Patrick Hahn ist der Künstlerische Leiter der Produktion.

Partitur zur Jazz-Kantate "Apokalypse" von Karl Feilitzsch | Bildquelle: Birgit Chlupacek/KLANGWORK

Bildquelle: Birgit Chlupacek/KLANGWORK

Karl Feilitzsch hat sich als Münchner Umweltaktivist einen Namen gemacht, als er mit seiner "Grünen Aktion" in den 60er- und 70er-Jahren zum Pionier der deutschen Umweltbewegung wurde: So kämpfte er beispielsweise erfolgreich gegen den Bau des neuen Flughafens im Hofoldinger Forst. Vor allem aber war er auch Komponist: Die Jazz-Kantate "Apokalypse" ist eines seiner Hauptwerke. Seit über 60 Jahren allerdings wurde sie nicht mehr aufgeführt. Die einzige Aufnahme des Werkes ist die der Uraufführung von 1951 – höchste Zeit also, diese Jazz-Kantate wieder neu aufzurollen.

Der Text stammt aus der Offenbarung des Johannes. Musikalisch setzt Feilitzsch keinen typischen Jazz ein, sondern nur Jazz-Elemente. Viele dissonante Klänge, lange Sprecherpassagen und die Besetzung mit dunkel klingenden Instrumenten malen ein düsteres Bild. "Interessant wird’s dann dadurch, dass das eben nicht nur eine totale Atonalität ist", sagt Dirigent Patrick Hahn, "sondern dass das wirklich bitonal ist, weil einfach zwei verschiedene Tonarten übereinanderliegen und in sich harmonisch total stimmig sind, aber sich gegenseitig reiben. Das macht genau diesen Reiz aus, der bei bestimmten Stellen einfach total packend wirkt. Das kann man wirklich durch viele Passagen sehr gut beobachten."

Uraufführung der Neufassung von "Apokalypse"

Die vorliegende Aufnahme von 1951 ist nicht nur wegen der schlechten Aufnahmequalität nicht mehr zeitgemäß – es gibt auch eine Neufassung des Stückes, nämlich von 1972. Die ist noch dissonanter als die frühere Version des Werkes und setzt weniger Instrumente und Sänger ein. Außerdem stehen in der sogenannten "Direktionsstimme" ganz explizite Regieanweisungen: Zum Beispiel soll es eine Lichtinstallation für besonders dramatische Stellen geben. "Der hat ja auch ausdrücklich nach einem Regisseur beziehungsweise nach einer Lichtregie verlangt und der sah das damals schon als wahnsinnig wichtig, hilfreich und förderlich, wenn man bestimmte Szenen und bestimmte Gefühls- oder Emotionszustände, die da in der Musik und im Text transportiert werden sollen, auch szenisch unterstützt", sagt Patrick Hahn.

Kulturprojekt für Schüler

Patrick Hahn | Bildquelle: Ingo Höhn Dirigent Patrick Hahn, küstlerischer Leiter des Projekts "Apokalypse" | Bildquelle: Ingo Höhn Beim Konzert wird auch ein kurzer Kunstfilm mit dem Titel "apocalypse" von Gisbert Hinke gezeigt. Dort sind Weltuntergangsbilder zu sehen, untermalt von Feilitzschs Musik. Darüber hinaus gibt es einen Vortrag der Jugendumweltorganisation "Plant-for-the-Planet". Außerdem ist ein ganzes Kulturprojekt geplant: 300 Schüler und Schülerinnen aus dem Großraum München sind eingeladen, sich mit dem Thema "Musik für den Frieden und gegen Umweltzerstörung" auseinanderzusetzen. Diese Jugendlichen erhalten freien Eintritt zum Konzert. Patrick Hahn ist selbst erst 23 Jahre alt. Deswegen ist ihm dieses Projekt ein großes Anliegen: "So abgedroschen das jetzt klingt, aber es ist nun mal so: Die Zukunft müssen die jungen Leute sein", erklärt er, "und deswegen ist es wahnsinnig wichtig, dass man sie schon so früh wie möglich mit dem Thema in Verbindung bringt und sie jetzt schon dazu motiviert, sich dafür einzusetzen."

Die Zukunft müssen die jungen Leute sein.
Dirigent Patrick Hahn

Ein Ende zum Lächeln oder Weinen

Ganz besonders begeistert ist Patrick Hahn vom sogenannten "Heuschrecken-Song", in dem die Apokalypse das erste Mal anklingt: im Text heißt es "Und es tat sich der Brunnen des Abgrunds auf und Rauch verfinsterte die Sonne, und aus dem Rauch kamen Heuschrecken auf die Erde, und die Heuschrecken glichen Rossen, die zum Kriege bereitet sind" (Offenbarung 9, 2-7). Dies ist auch einer der dramatischen Höhepunkte. Das Ende des Stücks berührt Patrick Hahn immer wieder aufs Neue: "Das Finale ist wie in jedem guten Stück die Quintessenz, quasi ein Resümee über das, was da die letzten 70 Minuten lang gesagt wurde. Es ist so ein richtiger Schluss, wo man dann, nachdem das letzte Wort gesprochen wurde, nicht weiß, ob man jetzt klatschen, lächeln oder weinen soll."

Informationen

Sonntag, 11. November 2018, 18.00 Uhr
Herkulessaal der Münchner Residenz

Kunstfilm apocalypse (1955) von Gisbert Hinke
Apokalypse, Jazz-Kantate von Karl von Feilitzsch

Instrumentalisten des Orchesters KlangVerwaltung
Jürgen Sacher, Tenor
,Christian Rieger, Bariton
Männerstimmen aus dem Chor des Bayerischen Rundfunks
Sprecher: Elna Lindgens, Christopher Robson und Stefan Wilkening

Musikalische Leitung: Patrick Hahn
Regie: Margarete Adler-Koerber

Weitere Informaitionen sowie Tickets unter apokalypse2018.de

    AV-Player