BR-KLASSIK

Inhalt

ARD-Themenwoche "Stadt.Land.Wandel" Die Opernlandschaft in Bayern

Es muss nicht immer die Landeshauptstadt München sein – auch Musiktheater in der bayerischen Provinz bringen Opernuraufführungen auf die Bühne oder experimentieren mit moderner Musik. Neues Publikum soll etwa mit einer Bieroper angesprochen werden.

Szenenfoto | Bildquelle: (c) Nik Schölzel

Bildquelle: (c) Nik Schölzel

Ziemlich herbe Herausforderungen, mit denen sich gerade das Mainfrankentheater in Würzburg herumschlagen muss: Das Stammhaus wird renoviert, die Künstler zogen ins Ausweichquartier an den Stadtrand um, in die Blaue Halle im Industriegebiet. Ein Shuttlebus bringt die Zuschauer vom Hauptbahnhof dorthin. Und die zögern ja derzeit überall noch etwas, die Pandemie hat manchen Theaterfan offenbar nachhaltig verunsichert. Das bestätigt Markus Trabusch, Intendant des Mainfrankentheaters.

Es ist gerade nicht ganz leicht, die Säle zu füllen.
Intendant Mainfrankentheater Markus Trabusch

Keine Kompromisse in Würzburg

Baustelle Würzburger Mainfranken Theater | Bildquelle: BR / Pirmin Breninek Wird aktuell saniert: Das Mainfrankentheater in Würzburg | Bildquelle: BR / Pirmin Breninek Umso mutiger, dass das Mainfrankentheater in der laufenden Spielzeit keine Kompromisse macht: Es stehen so schwierige und selten gespielte Opern wie Janaceks "Sache Makropoulos" und Bellinis "Montagues und Capulets" auf dem Spielplan – und eröffnet wurde doch tatsächlich mit Arnold Schönbergs "Glücklicher Hand". Anders als im Schauspiel ist es im Musiktheater nicht ganz leicht, regionale Akzente zu setzen. Doch Markus Trabusch hat vor, den bekanntesten Schriftsteller Würzburgs demnächst mit einer Uraufführung zu ehren: Leonhard Frank. Dessen berühmteste Erzählung "Karl und Anna" sei die Basis für ein komplett neues Werk, erzählt Markus Trabusch. Roland Schimmelpfenning schreibt dafür das Libretto und Christoph Ehrenfellner schreibt die Musik dazu.

Theater an der Rott in Eggenfelden

Gut, dass selbst ganz kleine Bühnen im Freistaat, wie das Theater an der Rott in Eggenfelden, auf Neues setzen – und ihr örtliches Publikum dabei mitnehmen. Intendant Uwe Lohr plant dafür etwa eine Bieroper - nicht im Theater, sondern gleich im Brauhaussaal in Pfarrkirchen. Damit solle "anderes Publikum" für moderne Musik angesprochen werden, so Lohr.

Eine Bieroper und dabei Bier konsumieren – das könnte ja funktionieren im Frühsommer.
Intendant Uwe Lohr vom Theater an der Rott

"Ball im Savoy", Theater an der Rott Eggenfelden | Bildquelle: © Sebastian Hoffmann Die Produktion "Ball im Savoy" von 2019 am Theater an der Rott in Eggenfelden | Bildquelle: © Sebastian Hoffmann In Eggenfelden machen sie einmal im Jahr eine große Operette – die allerdings muss dann auch funktionieren, mit ihr steht und fällt die Erfolgsbilanz. Und dabei gelten nicht mehr die früher mal üblichen Maßstäbe, wonach nur konventionelle Inszenierungen in Frage kommen. Dabei komme es aber nicht mehr vordergründig auf eine schöne Ausstattung an, sagt Intendant Lohr. Auch moderne Produktionen oder experimentelle Stücke wie Opernuraufführungen, solange sie authentisch und nachvollziehbar seien.

Theater Regensburg

Auch in Regensburg gab es in den letzten Jahren mehrere durchaus gewagte Uraufführungen und mutige Projekte, etwa eine Oper über das Verhältnis zwischen dem umstrittenen Philosophen Martin Heidegger und seiner Studentin Hannah Arendt.

Wir haben den Auftrag, auch zu experimentieren und Unerprobtes auf die Bühne zu stellen. Das tuen wir gerne.
Intendant Klaus Kusenberg vom Theater Regensburg

Klar, die Theater in der Fläche müssen mit weniger Mitteln auskommen als Münchens große Bühnen, bekommen auch nicht die mediale Aufmerksamkeit. Viel wichtiger ist jedoch, dass sie ihr örtliches Publikum erreichen – und wenn dann auch mal Zuschauer von weiter anreisen, umso besser. Das erlebt auch Intendant Klaus Kusenberg in Regensburg. Dazu will er in Regensburg ein Programm anbieten, für das es nicht nötig ist, nach München zu fahren, "um am aktuellen Geschehen in der Kultur teilnehmen zu können".

Sendung: "Allegro" am 10. November 2021 ab 16:05 Uhr auf BR-KLASSIK

Kommentare (0)

Kommentieren ist nicht mehr möglich.
Zu diesem Inhalt gibt es noch keine Kommentare.

    AV-Player