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Sanierungsplan für die Oper Verona Arena versinkt unter Schuldenberg

20 Millionen Euro Schulden, und ein Ende ist nicht absehbar. Die Arena in Verona steht vor dem Aus: hohe Personalkosten, sinkende Besucherzahlen und zu wenig finanzielle Unterstützung. Seit April wird die Opernstiftung nun schon kommissarisch zwangsverwaltet. Ein Sanierungsplan soll erstellt werden - mit erheblichen Einschnitten.

Oper in Verona / Arena di Verona von Außen | Bildquelle: picture-alliance/dpa

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Schuldenberg

Aus für die Arena di Verona?

Keine guten Aussichten für die Oper in Verona: Seit geraumer Zeit schleppt die "Fondazione Arena di Verona" einen kontinuierlich wachsenden Schuldenberg von inzwischen über 20 Millionen Euro mit sich. Rechnungen werden nicht mehr bezahlt, und Künstler müssen lange auf ihre Gagen warten. Seit April dieses Jahres wird die Opernstiftung - wie schon einmal im Jahr 2008 - kommissarisch zwangsverwaltet.

Sanierungsplan für die Oper - Aus für das Ballett

Das Kulturministerium hat mit der kommissarischen Verwaltung den Intendanten der römischen Oper Carlo Fuortes beauftragt. Er soll bis Mitte Oktober einen auch von der Belegschaft akzeptierten Sanierungsplan für die kommenden drei Jahre vorlegen. Dann kann die Oper auf zusätzliche staatliche Mittel in Form eines langfristigen Darlehens hoffen. Aber nach dem Sanierungsplan soll unter anderem das Ballett abgewickelt werden. Paolo Gavazzeni, der künstlerische Leiter der Oper Verona, macht sich keine Illusionen: "Ich sehe für unsere Ballettsparte leider keine Zukunft mehr", sagt er. "Das ist traumatisch für uns alle und schwer zu akzeptieren." Allerdings. so Gavazzeni weiter, hätten in Italien auch schon andere auf ihr festangestelltes Ballett verzichten müssen - wie beispielsweise der "Maggio Musicale" in Florenz.

Geringe Einnahmen in der Winterspielzeit

In Verona liegen die Gründe für die Misere in einer fatalen Mischung aus hohen Personalkosten, sinkender staatlicher Unterstützung, Zuschauerschwund, auch wegen eines mutlosen, nur rückwärts gewandten Spielplans, und fehlender Unterstützung durch Sponsoren aus dem privatwirtschaftlichen Umfeld der Stadt. Zu den Aufgaben der Stiftung gehört ebenso eine Winterspielzeit mit Oper, Ballett und Konzertveranstaltungen. Sie findet von Mitte Dezember an im "Teatro Filarmonico" statt. Doch bringt sie bei hohen Fixkosten im Kartenverkauf nur einen Bruchteil von dem ein, was im Juli und August in der Arena vor abends bis zu 12.000 Besuchern kassiert werden kann. "Unter diesen Umständen kann die Opernstiftung nicht überleben", sagt Rechtsanwalt Lamberto Lambertini und erklärt: "Sie hat nicht genügend Eigenmittel, und die Regierung kürzt laufend die finanzielle Unterstützung." Lambertini gehört zu einer Gruppe von Unternehmern und Persönlichkeiten des Wirtschaftslebens, die den nach ihrer Meinung schädlichen Einfluss der Politik auf die Arena beklagen - und einen alternativen Plan entwickelt haben.

Schleichende Kommerzialisierung?

Oper in Verona / Arena di Verona Innenansicht | Bildquelle: picture-alliance/dpa Bildquelle: picture-alliance/dpa "Wir wollen eine Gesellschaft gründen, die drei Jahre lang Opernveranstaltungen in der Arena nur im Sommer durchführt", erläutert Lamberto Lambertini das Vorhaben. "Sie würde dafür der Opernstiftung die Marke "Arena" abkaufen und ihr Überschüsse zukommen lassen. Damit könnte sie dann ihre Schulden bezahlen." Der Plan des Konsortiums sieht unter anderem eine drastische Reduzierung der gegenwärtig 46 Aufführungen im Sommer vor - und die Bindung jeder Inszenierung an einen Sponsor. Auf den Gewerkschaftsführer Paolo Seghi wirkt das wie ein rotes Tuch: "Die Opernstiftungen in Italien gehören zum Gemeingut der Städte. Eine Privatisierung würde auch eine Kommerzialisierung bedeuten. Die Stiftungen könnten ihre öffentliche Aufgabe nicht mehr erfüllen, erzieherisch zu wirken und Musik, Kunst und Kultur zu fördern."

Bühnengewerkschaften alarmiert

Die vier in Verona vertretenen Bühnengewerkschaften halten sich wegen der Streichung der Ballettsparte noch mit drastischen Kampfmaßnahmen zurück. Doch der Arbeitsfrieden ist brüchig. "Ein Sanierungsplan ist unentbehrlich", gibt Paolo Seghi zu. "Dieser empfiehlt aber eine Vision für die Zukunft. So wie er vorliegt, sichert er uns gleichsam auf der Welle der gegenwärtigen Krise ein notdürftiges Überleben. Er löst jedoch die Probleme an der Basis nicht." Angedacht wird etwa eine stärkere Zusammenarbeit mit den Musiktheatern in Venedig und Triest. Aber ohne weitere öffentliche wie private Hilfe wird sich die Oper Verona nicht erneuern können.

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