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Wagners "Ring" in der Augsburger Puppenkiste Großes Drama auf kleiner Bühne

Kasperl, Jim Knopf, das Urmel und das Sams - die Augsburger Puppenkiste ist bekannt, ob aus dem Fernsehen, Kino oder aus dem Puppentheater selbst. Auch Opern-Produktionen gehören zum Puppen-Repertoire. Zum 70. Geburtstag macht die Puppenkiste sich selbst ein besonderes Geschenk: "Der Ring des Nibelungen" in einer Marionetten-Inszenierung. 16 Stunden Oper in zwei Stunden Puppentheater.

Wagners "Ring" in der Augsburger Puppenkiste | Bildquelle: Bayerischer Rundfunk

Bildquelle: Bayerischer Rundfunk

Vor 70 Jahren öffneten sich zum ersten Mal die Holztüren der Augsburger Puppenkiste: am 26. Februar 1948, als Puppenkiste-Gründer Walther Oehmichen im zerbombten Augsburg in seinem provisorischen Theater "Der gestiefelte Kater" aufführte. Deutschlandweit bekannt wurden die Produktionen durch die Verfilmungen durch den Hessischen Rundfunk. Bis heute begeistern die Figuren der Augsburger Puppenkiste kleine und große Zuschauer und durch viele Tourneen genießt sie mittlerweile sogar weltweit einen Ruf.

Auch Opern-Produktionen gehören zum Repertoire und nach den Puppenkisten-Inszenierungen der Mozart-Opern "Eine kleine Zauberflöte", "Die kleine Entführung" und "Don Giovanni" bringt das Haus in der Augsburger Spitalgasse jetzt den "Ring des Nibelungen" in einer freien Bearbeitung auf die Bühne. 32 Marionetten kommen zum Einsatz, die Rheintöchter sind dabei die einzigen, die singen. Die anderen sprechen zur Musik.

Ring aufs Wesentliche gekürzt

Wagners "Ring" in der Augsburger Puppenkiste | Bildquelle: Augsburger Puppenkiste Bildquelle: Augsburger Puppenkiste

Wagners "Der Ring des Nibelungen", eigentlich ein 16-stündiger Opernzyklus aus vier Teilen - "Das Rheingold", "Die Walküre", "Siegfried" und "Götterdämmerung" - bricht die Puppenkiste auf zwei Stunden herunter. "Die Idee war, Wagner verständlich zu machen, Wagner auch dem Nicht-Wagnerianer nahezubringen, zu erzählen, um was es in diesen vier Opern wirklich geht", erklärt Klaus Marschall, Leiter der Augsburger Puppenkiste. Für diese Produktion verfasste der Regisseur, Dramaturg und Puppenbauer Florian Moch einen neuen, zeitgemäßen, leicht verständlichen und unterhaltsamen Text - ohne dabei die ernsten Aspekte auszuschließen. In seiner Textfassung finden sich Elemente aus Wagners Libretto, aber auch Zitate aus der Literatur, Filmgeschichte, und auch Popkulturzitate. Die Sprechrollen sind teils prominent besetzt, mit Patrick Bach als Siegfried, Oliver Kalkofe als Mime, Bela B, dem Schlagzeuger der "Ärzte", als Fafner und der Münsteraner Tatort-Staatsanwältin Mechthild Großmann als Erdgöttin Erda.

Farbenfrohe Inszenierung im Sinne Richard Wagners

Wagners "Ring" in der Augsburger Puppenkiste | Bildquelle: Augsburger Puppenkiste Bildquelle: Augsburger Puppenkiste

In 17 schlichten, aber farbenfrohen Bildern spielt sich die Geschichte ab, unterstützt durch raffiniertes Lichtdesign und akustische und optische Effekte. Figuren und Orte sind in einer zeitlosen, Länder und Epochen übergreifenden Märchenwelt angesiedelt. Es gibt herrlich frivole Nixen, Zwerge und Drachen. Fricka trägt eine Frisur, die Marge Simpson alle Ehre macht, und Siegfried ist eine Art Clown, der mutlos durch die Welt trampelt. Richard Wagner jedenfalls würde dieser "Ring" als Marionettentheater gefallen, meint Klaus Marschall. Der Komponist soll nämlich nachweislich ein Fan des Puppentheaters gewesen sein.

"Der Ring des Nibelungen" in der Augsburger Puppenkiste

Premiere: Freitag, 16. November 2018, 19:30 Uhr
Aufführungen in dieser Saison sind leider schon ausverkauft. Der Vorverkauf für die nächste Saison beginnt im April 2019.
Weitere Informationen auf der
Homepage der Augsburger Puppenkiste.

Sendung: "Allegro" am 16. November 2018, 06:05 Uhr auf BR-KLASSIK

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