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Auszeichnung für Bamberger Symphoniker "Wir inspirieren Komponisten"

Seit 1991 vergibt der Deutsche Musikverleger-Verband den Preis für das beste Konzertprogramm der Saison. Die Berücksichtigung zeitgenössischer Musik spielt ebenso eine Rolle wie Werke mit ungewöhnlicher Besetzung oder die Einbeziehung junger Künstler.​ Nun erhalten die Bamberger Symphoniker diese Auszeichnung für die Saison 2017/18. Was Bambergs Konzertangebot so besonders macht, verrät der Intendant des Orchesters, Marcus Rudolf Axt im Interview mit BR-KLASSIK.

Bamberger Symphoniker  | Bildquelle: Michael Trippel

Bildquelle: Michael Trippel

BR-KLASSIK: Wenn man sich anschaut, wer diese Auszeichnung des Musikverleger-Verbands in den letzten Jahren und Jahrzehnten bekommen hat, dann fällt auf: Es sind oft eher die mittleren Orchester wie Heidelberg, Duisburg oder Bielefeld. Die Top-Ensembles wie die Bamberger Symphoniker sind in dieser Auszeichnungsreihe eher selten zu finden. Können Sie sich erklären, warum das so auffällig in Richtung "Mittlere Orchester" geht?

Marcus Rudolf Axt: Ich glaube, das ist zum einen vielleicht eine Ermutigung oder ein Ansporn für kleinere Orchester, die es ja generell schwerer haben in unserem Markt. Das Signal soll sein: Schaut her, auch in der sogenannten Provinz wird wirklich gutes Programm gemacht. Außerdem glaube ich, dass ein Teil der Kollegen in unserer Liga nicht die Möglichkeit hat, so offen und so frei und so breit zu programmieren wie wir das in Bamberg dürfen und können. Wir haben in Bamberg eine Ausnahmesituation dadurch, dass wir ein sehr neugieriges Publikum haben und quasi ausabonniert sind. Jeder zehnte Bamberger ist Abonnent. Die Besucher kommen sehr gerne und hören sich auch gerne neue und unbekannte Werke aus allen Jahrhunderten an. Die Auszeichnung von diesem Verband ist für uns schon eine sehr große Ehre.

Jörg Widmanns Komposition für Bamberg

BR-KLASSIK: Einen besonderen Programmpunkt hatten Sie in dieser Saison mit "Das heiße Herz" von Jörg Widmann, komponiert für Christian Gerhaher und für Bamberg. Da sind die Top-Player alle beieinander. Wie wichtig sind Sie als Intendant und das Orchester für die Entstehung solcher Musik? Wie mutig muss man für so etwas sein?

Marcus Rudolf Axt, Intendant der Bamberger Symphoniker | Bildquelle: picture-alliance/dpa/David Ebener Marcus Rudolf Axt, Intendant der Bamberger Symphoniker | Bildquelle: picture-alliance/dpa/David Ebener Marcus Rudolf Axt: Man muss nicht sehr mutig sein, um zeitgenössische Musik zu programmieren. Ich finde, das ist die Pflicht. Die Kür ist was anderes- und zwar zu fragen: Was passt für unser Orchester? Welche Musik passt für unseren Chefdirigenten und unser Publikum, Musik, die es noch nicht gibt und die wir gerne hören möchten? Jörg Widmann ist einer, der schon immer mit Bamberg eine besondere Verbindung hatte. Er sagte mir einmal: 'Als ich die Bamberger das erste Mal gehört hatte, hat das meine Art, für Orchester zu komponieren, verändert.' Der Klang der Bamberger Symphoniker hat ihn also berührt und bewegt.

Ich finde es interessant zu sagen: Wir machen heute eigentlich nichts anderes als das, was vor 200 Jahren auch schon gemacht wurde. Wir inspirieren Komponisten und fordern sie auch dadurch, indem wir ganz klare Vorstellungen haben, was für Bamberg gut ist. Mozart und Beethoven haben es damals auch nicht anders gemacht. Oder der alte Haydn, der auch mit den Bedingungen in Eisenstadt oder Esterhazy klar kommen musste - und dadurch große Musik geschaffen hat, dass er in gewisser Weise auch limitiert war und sich innerhalb eines vorgegebenen Rahmens ausprobieren musste.

Ich finde, es ist Pflicht, zeitgenössische Musik zu programmieren.
Rudolf Axt, Intendant Bamberger Symphoniker

BR-KLASSIK: Blicken wir in die Zukunft: Wird das Konzert, in das wir jetzt immer noch größtenteils mit Abendkleid und Anzug gehen, die unverrückbare Form des Live-Erlebnisses auch in Zukunft bleiben? Was können Sie sich in ihren kühnsten Träumen noch so vorstellen?

Marcus Rudolf Axt: Das ist eine schwierige Frage. Ich glaube, es wird immer dieses ritualisierte Konzert geben. Es wird immer Werke von Beethoven, Brahms und Bruckner geben, die wir ja nicht ohne Grund schon seit Hunderten von Jahren spielen. Das sind Meisterwerke, die sich bewährt haben und die das Publikum immer wieder neu hören möchte. Dazu gehört das Ritual, dazu gehört ein vernünftig angezogenes Ensemble. Ob das nun immer ein Frack sein muss - das wird sich sicher verändern, auch dadurch, dass wir hier mittlerweile deutlich mehr Musikerinnen in den Bewerbungen haben als Männer. Gleichzeitig werden wir uns fragen: Können wir auch andere Formate ausprobieren? Können wir auch andere Erlebnisse kreieren, für ein Publikum, das mittlerweile sehr neugierig ist auf das Unwiederholbare, auf das Live-Konzert? Wir sitzen alle vor kleinen quadratischen und rechteckigen Bildschirmen, schauen Facebook, Instagram und Twitter. Und trotzdem steigt statistisch gesehen die Zahl der Konzertbesucher in Deutschland jedes Jahr weiter. Das muss einen Grund haben. Ich glaube, die Menschen wollen dieses alte griechische Ritual, sich zu versammeln und sich der Kunst auszusetzen - vielleicht auch, um dieser Vereinzelung oder Digitalisierung irgendetwas entgegenzusetzen.

Sendung: "Leporello" am 19. April 2018, 16:05 Uhr auf BR-KLASSIK

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