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Barenboims Europa-Tournee wegen Corona-Fall unterbrochen Kein Brahms in Mailand

Mit Musik Mut machen in der immer noch nicht überstandenen Covid-Krise – gerade in Ländern, in denen die Hilfen für die Kultur geringer ausfielen als in Deutschland: Das war das Ziel, das Daniel Barenboim mit der Europa-Tournee seiner Berliner Staatskapelle verknüpft hatte. Es ist die erste Tournee eines großen europäischen Orchesters seit Beginn der Pandemie, die nun aber aufgrund eines Corona-Falls im Orchester unterbrochen werden musste. Nach erfolgreichen Auftritten in Athen hat das Orchester ein für Mittwochabend geplantes Konzert an der Mailänder Scala abgesagt.

Wiener Neujahrskonzert mit Daniel Barenboim, 2009 | Bildquelle: picture-alliance/dpa

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Am Mittwochabend wäre es soweit gewesen. Nach ersten Auftritten in Athen ist die Staatskapelle Berlin samt ihrem Dirigent Daniel Barenboim gestern in Italiens Mode- und Musikstadt gelandet. Auf dem Tourplan stand die Mailänder Scala. "Also, die Vorfreude ist enorm", so Daniel Barenboim kurz vor dem Konzert. Nun hat die Pandemie-Realität die Musikerinnen und Musiker wieder eingeholt. Ein positiver Corona-Fall im Orchester wurde registriert, sodass das Konzert am Abend kurzerhand verschoben wurde. Das Orchester sei durchgetestet, einen weiteren Verdachtsfall gebe es nicht, gibt Matthias Schulz, der Intendant der Staatsoper Unter den Linden, an die Deutsche-Presse-Agentur weiter.

Für Live-Konzerte gibt es keinen Ersatz

Innenraum der Mailänder Scala | Bildquelle: Teatro alla Scala / Paola Primavera In der Mailänder Scala gilt derzeit die 3G Regel und Publikum wie Musiker müssen Maske tragen. | Bildquelle: Teatro alla Scala / Paola Primavera Die Berliner Staatskapelle ist das erste bedeutende europäische Orchester, das seit Beginn der Corona-Pandemie auf große Konzerttournee gegangen ist. Der Chefdirigent sagt: "Es ist ein Signal an Europa, dass wir wieder musizieren können." In den einzelnen Ländern haben sich in den vergangenen Wochen die Türen für die Kultur wieder geöffnet. Während der coronabedingten Schließungen hat die Berliner Staatskapelle, wie andere Orchester, Auftritte im Internet angeboten. Aber Live-Konzerte und Streaming seien zwei Welten, meint Barenboim: "Das ist, als ob sie verliebt sind und haben die Frau bei sich – das ist live. Oder sie haben ein Foto – das ist Streaming."

Jetzt sollte es also wieder das Live-Erlebnis sein. In Athen präsentierten Barenboim und sein Orchester zum Start Schumanns Frühlingssinfonie und die erste Sinfonie von Johannes Brahms. Frenetischer Applaus, begeisterte Kritiken, vor allem aber, sagt Barenboim, ein überwältigendes Gefühl der Dankbarkeit, dass Konzerterlebnisse wieder möglich sind. "Du trittst auf die Bühne und zuerst siehst du 2.000 Menschen, lächelnd, glücklich, erwartend. Und das Orchester sitzt auf der Kante von den Stühlen. Und das ist viel mehr wert als Gold."

Berliner Staatskapelle gastiert in fünf Ländern

In Athen waren noch 80 Prozent Auslastung erlaubt. An der Mailänder Scala hätten alle Plätze besetzt werden dürfen. In insgesamt fünf Ländern sollte die Staatskapelle mit ihrem Schumann- und Brahms-Programm sowie Werken von Beethoven und Schubert gastieren. Genf und Zürich, Madrid und Wien stehen noch auf dem Tournee-Plan und überall gelten andere Corona-Regeln. Doch gerade in Mailand hätte die Musik eben eine ganz besondere Symbolkraft gehabt, war es doch die Stadt, die mit am schlimmsten von der Corona-Pandemie betroffen war.

Mein persönliches Gefühl ist, wir werden dieses Virus nicht los. Wir werden lernen müssen, damit zu leben.
Daniel Barenboim

Es war ein Risiko, als Barenboim und die Staatskapelle im Frühjahr – für Orchesterreisen extrem kurzfristig – die jetzige Tournee geplant hatten. Sie konnten nicht sicher sein, ob in diesen Wochen die Konzertsäle in ganz Europa überhaupt wieder bespielt werden dürfen. Das Ziel der Tournee, sagt Barenboim, sei immer gewesen, Mut zu machen für die Rückkehr der Kultur – gerade in Ländern, in denen die Corora-Hilfen deutlich geringer ausfielen als in Deutschland. Impfen sei für das Wiedererleben von Kultur ein wichtiger Schritt. Aber Barenboim sagt auch: "Mein persönliches Gefühl ist, wir werden dieses Virus nicht los. Wir werden lernen müssen, damit zu leben. Ich glaube nicht, dass wir von Nach-Covid sprechen können." Und so muss nun gerade sein eigenes Orchester einmal mehr beweisen, wie das Leben mit dem Virus und der Orchesterbetrieb vereinbar sind. Dennoch: Daniel Barenboim gibt sich optimistisch, dass die Tournee an ihrer nächsten Station in Genf am 5. November fortgesetzt werden kann.

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