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Bayerische Staatsoper – Spielzeit 2021/22 vorgestellt Viel Modernes und zwei neue Festivals

In einer Online-Pressekonferenz präsentierten heute Morgen der designierte Intendant Serge Dorny, Generalmusikdirektor Vladimir Jurowski und Ballettdirektor Igor Zelensky das Programm der kommenden Spielzeit an der Bayerischen Staatsoper. Sie steht unter dem Motto "Jeder Mensch ist König:in". Die Lust auf einen Neuanfang – gerade nach der langen Phase des pandemiebedingten Stillstands – brachte das Triumvirat trotz der sterilen Atmosphäre der Online-Übertragung glaubhaft zum Ausdruck.

Das Nationaltheater München | Bildquelle: Wilfried Hösl

Bildquelle: Wilfried Hösl

Glücklicherweise ist das mit neuen Namen und neuen Werken gespickte Programm auf der neuen Interimswebseite next.staatsoper.de abrufbar. Selbst Serge Dorny und Vladimir Jurowski kamen im Rahmen der Saisonpräsentation am Donnerstag irgendwann bei der Namensnennung mancher internationaler Hausdebütanten ins Schleudern. Elf Opern-Neuproduktionen wird es geben und gleich zwei neue Festivals, zusätzlich zu den etablierten Münchner Opernfestspielen. Das Jahresprogramm, das im goldenen Kalenderbüchlein ausgegeben wird, erscheint nur äußerlich konservativ-edel. Sein Inhalt verspricht nicht nur frischen Wind, sondern sogar stürmischen Wirbel.

Septemberfest & "Ja, Mai"

Jonas Kaufmann | Bildquelle: Julian Hargreaves / Sony Classical Singt nicht an der Bayerischen Staatsoper, aber in Bayern: Jonas Kaufmann | Bildquelle: Julian Hargreaves / Sony Classical Beim neuen Septemberfest schwärmt die Staatsoper zum Auftakt der Spielzeit aus und beglückt zunächst andernorts das bayerische Publikum: In Ansbach eröffnet am 17. September Jonas Kaufmann das zehntägige Septemberfest mit einem Open-Air-Konzert. Einen Tag später geht es dann in München weiter, etwa im Brunnenhof der Residenz.

Wir wollen die Bayerische Staatsoper noch stärker in der Stadt präsentieren.
Serge Dorny.

Auch das zweite neue Festival verteilt sich auf mehrere Bühnen in München und ist zeitgenössisch ausgerichtet. Bei, "Ja, Mai – DAS NEUE FESTIVAL" stehen drei Kurzopern von Georg Friedrich Haas auf dem Programm, nach Texten von Händl Klaus. Existentielle Themen stehen im Fokus des Opern-Dreiteilers "Koma", "Bluthaus“ und "Thomas", in denen der Komponist auch Werke von Claudio Monteverdi integriert.

Jurowski: Münchner Publikum "offen und neugierig"

Vladimir Jurowski | Bildquelle: Wilfried Hösl Bildquelle: Wilfried Hösl Mit Werken den 20. Jahrhunderts möchte auch Vladimir Jurowski sein Profil als neuer Generalmusikdirektor der Bayerischen Staatsoper schärfen. Entgegen dem Klischee empfindet er das Münchner Publikum als "offen und neugierig". Es sei zwar traditionsbewusst, so der Dirigent, dennoch könne man dem Publikum "noch mehr abverlangen, indem man es immer wieder herausfordert".

So sind Pendereckis Erstling "Die Teufel von Loudun" sowie "Die Nase" von Schostakowitsch seine Wunsch-Premieren in der kommenden Saison. Die Oper des russischen Komponisten sei ein "sehr anarchisches, wildes, satirisches Werk", so Jurowski, und somit eine ideale Plattform für ein Ensembletheater. "Es ist erstaunlich festzustellen, dass so ein wichtiges Werk noch nie dem Münchner Publikum vorgestellt wurde." Als Regisseur ist Kirill Serebrennikov vorgesehen, der noch mit einem Reiseverbot belegt ist und zu den erklärten Kritikern von Russlands Staatschef Wladimir Putin gehört.

Wir wollen mit diesem Werk auch ein Zeichen setzen für das politische Musiktheater.
Vladimir Jurowski über 'Die Teufel von Loudun'

Vladimir Jurowsky, Serge Dorny, Igor Zelensky | Bildquelle: Wilfried Hösl Das neue Trio ab 2021/22: Generalmusikdirektor Vladimir Jurowski, Serge Dorny und Ballettdirektor Igor Zelensky | Bildquelle: Wilfried Hösl Auch in den Akademiekonzerten wird Jurowski mit unbekannterem Repertoire auf die Komponisten der Opern-Neuproduktionen eingehen, darunter auch auf Benjamin Brittens "Peter Grimes". Als bekennender Ballett-Fan verspricht Jurowski gemeinsame Produktionen mit dem Staatsballett – allerdings sind die noch Zukunftsmusik. Ballettdirektor Igor Zelensky betont die Notwendigkeit für das Ballett, sich von der Pandemie-Pause zu erholen und startet mit "Cinderella" für die ganze Familie im November.

Dass Christoph Marthaler im Dezember Franz Lehárs letzte Operette "Giuditta" inszenieren wird, ist ebenso spektakulär für München wie Hector Berlioz' gewaltiges Werk "Les Troyens" in der Deutung von Christophe Honoré im Mai 2022. Und zum Ende der neue Saison gibt es dann etwas Lokalkolorit für die Münchner: "Capriccio" von Richard Strauss mit Diana Damrau als Gräfin bei den Opernfestspielen 2022.  Die Quadratur des Kreises – Oper für alle Geschmäcker zu bieten und doch Neuerungen zu liefern – ist mit diesem Spielplan ziemlich gut gelungen. Neues Spiel, neues Glück!  

Alle Premieren der Saison 2021/22 im Überblick

  • 24. Oktober 2021: "Die Nase" von Dmitri Schostakowitsch (Dirigent: Vladimir Jurowski, Regie: Kirill Serebrennikow)
  • 18. Dezember 2021: "Giuditta" von Franz Lehár (Dirigent: Gábor Káli, Regie: Christoph Marthaler), u.a. mit Daniel Behle
  • 30. Januar 2022: "Das schlaue Füchslein" von Leos Janácek (Dirigentin: Mirga Grazinyte-Tyla, Regie: Barrie Kosky), u.a. mit Wolfgang Koch
  • 28. Februar 2022: "Peter Grimes" von Benjamin Britten (Dirigent: Edward Gardner, Regie: Stefan Herheim)
  • 19. März 2022: "L'infedeltà delusa" von Joseph Haydn, Opernstudio (Dirigentin: Giedre Slekyte, Regie: Marie-Eve Signeyrole)
  • 09. Mai 2022: "Les Troyens" von Hector Berlioz (Dirigent: Daniele Rustioni, Regie: Christophe Honoré)
  • 21. Mai 2022: "Bluthaus – Lamento della Ninfa, Il ballo delle ingrate" von Georg Friedrich Haas, Händl Klaus mit Werken von Claudio Monteverdi (Dirigent: Titus Engel, Regie: Claus Guth)
  • 22. Mai 2022: "Koma – Il combattimento di Tancredi e Clorinda" von Georg Friedrich Haas, Händl Klaus mit Werken von Claudio Monteverdi (Dirigent: Teodor Currentzis, Regie: Romeo Castellucci)
  • 23. Mai 2022: "Thomas – Lamento d’Arianna" von Georg Friedrich Haas, Händl Klaus mit Werken von Claudio Monteverdi (Dirigent: Alexandre Bloch, Regie: Anna-Sophie Mahler)
  • 27. Juni 2022: "Die Teufel von Loudun" von Krzysztof Penderecki (Dirigent: Vladimir Jurowski, Regie: Simon Stone)
  • 17. Juli 2022: "Capriccio" von Richard Strauss (Dirigent: Lothar Koenigs, Regie: David Marton), u.a. mit Diana Damrau und Pavol Breslik

Sendung: "Leporello" am 10. Juni 2021 ab 16:05 Uhr auf BR-KLASSIK

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