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Exodus der Tänzer Warum die Primaballerina das Bayerische Staatsballett verlässt

18 Jahre dauerte die Ära Ivan Liška am Bayerischen Staatsballett. Ab September übernimmt der Russe Igor Zelensky die renommierte Compagnie. Mit Liška geht fast die Hälfte der Tänzerinnen und Tänzer - was bei Ballettexperten großes Entsetzen auslöst. Am Mittwoch gab das Startänzer-Paar Lucia Lacarra und Marlon Dino in einem Münchner Café eine Pressekonferenz und erklärte die Gründe für den Weggang.

Primaballerina Lucia Lacarra und Meistertänzer Marlon Dino. | Bildquelle: picture-alliance/dpa

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Auf das Bayerische Staatsballett kommen große Veränderungen zu: 29 Ensemblemitglieder werden unter Liškas Nachfolger Igor Zelensky nicht mehr dem Staatsballett angehören. Anders als bei Theaterintendanten, die bei ihrem Weggang einen Teil des Ensembles an ihre neue Wirkungsstätte mitnehmen, zerstreuen sich die Tänzer, die München verlassen, in alle Winde. Der exzellente Ruf des Bayerischen Staatsballetts scheint in Gefahr. Wilde Spekulationen begleiten diesen "Exodus". Wer muss gehen? Wer darf bleiben? Was wird aus dem Repertoire der Truppe? Was will der neue Direktor, der sich bisher noch nicht öffentlich geäußert hat?

Die Startänzer Lucia Lacarra und Marlon Dino geben Antworten

Primaballerina Lucia Lacarra und Meistertänzer Marlon Dino. | Bildquelle: imago/dramaberlin.de Lucia Lacarra und Marlon Dino | Bildquelle: imago/dramaberlin.de

Am Mittwoch gingen nun die beiden Ersten Solisten Lucia Lacarra und Marlon Dino, die das Haus ebenfalls verlassen werden, in die Offensive - und luden zur Pressekonferenz in einem Café in der Münchner Altstadt. Ihr Weggang sei zwar nicht von Zelensky gewünscht gewesen, aber durch fehlendes Interesse auch nicht verhindert, sagte das Tänzer-Ehepaar. Die mangelnde Kommunikation war wohl die größte und letztlich nicht zu überwindende Hürde in den letzten Monaten: Marlon Dino berichtet etwa über das offensichtliche Desinteresse Zelenskys, der während der Treffen ständig auf sein Handy schaute und auf wichtige Fragen keine Antworten hatte: "Wenn man nach seiner Meinung fragt, kommt nur: keine Ahnung, findet einfach eine Lösung".

Lacarra und Dino sind von der aktuellen Entwicklung vor allem auf persönlicher Ebene enttäuscht. "Auch wenn er (Zelensky) das Recht hat, so zu entscheiden - menschlich ist das nicht korrekt. Als Direktor muss man doch auch die menschliche Seite seiner Künstler berücksichtigen. Es ist nicht, was er getan hat, sondern wie. Die Verträge wurden einfach nicht verlängert, ohne dass mit den Tänzern gesprochen wurde", erklärt Lucia Lacarra.

Neue Zukunftspläne

Für Lucia Lacarra und ihren Mann Marlon Dino war das Bayerische Staatsballett in den letzten 14 Jahren nicht nur ein Arbeitsplatz. Es war auch ihre Heimat, sagen die beiden Tänzer. Nun aber gehen sie andere Wege. Aufgrund des Leitungswechsels beim Staatballett haben sie entschieden, das Haus zu verlassen - "nach reiflicher Überlegung und Einblick in Details". Für die Zukunft haben die Startänzer schon neue Pläne: "Wir werden zwischen August und Dezember etwa 40 Vorstellungen tanzen - vor allem bei der Russel Maliphant Company, am Ballett Dortmund und in Madrid. Wir werden sehr beschäftigt sein, aber wir können das machen, was wir lieben - und das ist tanzen".

Hintergrund zu den Entwicklungen am Bayerischen Staatsballett

Igor Zelensky ab Herbst 2016 Leiter des Bayerischen Staatsballetts | Bildquelle: picture-alliance/dpa Der neue Ballettdirektor Igor Zelensky | Bildquelle: picture-alliance/dpa Der Tscheche Ivan Liška wird das Bayerische Staatsballett zum Ende der laufenden Spielzeit nach 18 Jahren verlassen. Nachfolger wird der Russe Igor Zelensky. Unter Zelensky wird sich das Staatsballett personell stark verändern. Er sehe es als seine Aufgabe, als neuer Direktor die Entwicklung fortzusetzen und die Leistungen der Compagnie weiter zu steigern, erklärte Zelensky zu seinen Plänen. Deshalb habe er in den vergangenen Monaten einige neue herausragende Tänzerinnen und Tänzer für das Bayerische Staatsballett gewinnen können. Er sei sich sicher, dass das Münchner Publikum die neuen Mitglieder der Compagnie schnell in sein Herz schließen werde. Etwa 40 Mitglieder des derzeitigen Ensembles bleiben am Haus. Von den 29 Tänzern und Tänzerinnen, die das Haus verlassen, haben viele nach Angaben des Bayerischen Staatsballetts Engagements in anderen Compagnien angenommen, von Stuttgart bis Tokio. Andere werden künftig als Balletttrainer arbeiten. Weitere tanzen künftig ohne festes Ensemble oder widmen sich mehr der Familie.

Kommentare (2)

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Freitag, 03.Juni, 10:22 Uhr

Astrid Hofmann

Weggang Solisten Staatsballett

Sehr schade. Aufrichtige Kommunikation und Menschlichkeit. Darauf kommt es an. Immer und überall.

Donnerstag, 02.Juni, 22:42 Uhr

Specknermichi

Herr Zelensky...

...hat noch gar nicht angefangen und hätte - wäre ich an der Staatsoper - bei mir schon seinen Spitznamen weg: "P"!
(Oder bin ich der einzige, dem die Ähnlichkeit in Körpersprache und - nachgesagtem - Gebaren auffällt???)

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