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Bayreuther Festspiele 2022 Der "Ring"-Dirigent Pietari Inkinen

Nach zwei Jahren Pandemie kommt im Sommer 2022 in Bayreuth die Neuinszenierung von Wagners "Ring" auf die Bühne. Für das nötige Feuer im Schmelzofen des Orchestergrabens sorgt der finnische Dirigent Pietari Inkinen. Der konnte letztes Jahr mit einer konzertanten "Walküre" schon erste Hügel-Erfahrungen sammeln. Aber reicht das?

Dirigent Pietari Inkinen | Bildquelle: © Jan David Günther

Bildquelle: © Jan David Günther

Wagners "Ring" innerhalb einer Woche zu dirigieren – dazu braucht es neben Talent und Ausdauer auch eine ordentliche Portion Stressfähigkeit. Das gilt vor allem für eine Neuproduktion bei den Bayreuther Festspielen. Erst recht, wenn diese schon zwei Mal verschoben wurden. Mit Druck in Sachen Wagners Tetralogie kennt sich Pietari Inkinen aus: 2013 ist er an der Opera Australia in Melbourne bei einem "Ring" eingesprungen und hat in wenigen Wochen einen Proben-Marathon hingelegt. An einem einzigen Tag schaufelte er sich damals auch gerne mal durch drei der insgesamt vier Opern. Die Kritik war begeistert – Inkinen mit einer veritablen Hausnummer im "Wagner-Kosmos" verankert.

Pietari Inkinen - vom Geiger zum Dirigenten

Stress und Druck ist jedenfalls das Letzte, was einem einfällt, wenn man Pietari Inkinen beim Gespräch beobachtet. Vor seinem Bayreuth-Debüt 2021 hat er mit BR-KLASSIK über Wagners "Walküre" gesprochen.

Bild Alternativtext | Bildquelle: Bayerischer Rundfunk 2022

Bildquelle: Bayerischer Rundfunk 2022

Gelassen, ruhig, fast schon schüchtern-brav, mit rahmenloser Brille und adrettem Scheitel redet der Finne in gutem Deutsch mit leichtem Akzent. Die Sprache beherrscht er nicht erst seit seiner Zeit bei der Deutschen Radiophilharmonie Saarbrücken Kaiserslautern, wo er seit 2017 Chefdirigent ist. Schon 1997, da war er 17, kam er zum Studium bei Zakhar Bron nach Köln. Richtig gelesen: Zakhar Bron, der Geiger. Angefangen hat Inkinen nämlich auf diesem Instrument, das ihn auch weiter begleitet hat - selbst als er schon Teil der legendären Dirigier-Talentschmiede von Jorma Panula war. Mittlerweile kommt Inkinen nur noch selten dazu, seine Geige auszupacken (schade eigentlich, immerhin eine historische "Bergonzi" aus dem Jahr 1732). Aber die Buchungen als Dirigent schwirren schon lange zu zahlreich ein.

Durchbruch mit Jean Sibelius

International auf sich aufmerksam gemacht hat er erstmals während seiner Amtszeit als Chef beim New Zealand Symphony Orchestra (2008-2016), mit dem er unter anderem alle Sinfonien des finnischen Nationalheiligen Jean Sibelius auf CD herausgebracht hat. Die Finnische Musik ist ihm wichtig – aber nichts für die oft zitierte Schublade, in die man Inkinen stecken könnte. Auch andere Größen des romantischen sinfonischen Repertoires hat er in seiner Zeit in down under studiert – Bruckner und Mahler, der genannte "Ring", später kam noch eine "Meistersinger"-Produktion dazu. Aktuell steht ein Zyklus mit den Dvorak-Sinfonien kurz vor dem Abschluss.

Bayreuth hat seine Tücken

Aber die Erfahrung kann noch so groß sein – der berühmt-berüchtigte Bayreuther Orchestergraben mit seinen akustischen Tücken und Finessen ist für alle eine Herausforderung der besonderen Art. Ins kalte Wasser springt Inkinen allerdings nicht: 2019 schaute er bei Proben und Aufführungen unter der Leitung des damaligen Musikdirektors Christian Thielemann vorbei - im Saal und im Graben. Und letztes Jahr konnte Inkinen sich dann selbst ein wenig warmschlagen, bei den drei konzertanten Vorstellungen der "Walküre".

Die Kritik von BR-KLASSIK zur Bayreuther "Walküre" mit Pietari Inkinen 2021 können Sie hier nachlesen.

Als Inkinen im Interview davon erzählt, huscht dann doch etwas Schelmisches übers Gesicht des vermeintlich braven Inkinen. Das sei natürlich schon ein Vorteil für ihn, die Akustik erstmal "nur" mit der "Walküre" kennenzulernen: "Dann weiß man das ganz genau, wie das ist, für 2022." Jetzt wird Pietari Inkinen den kompletten "Ring" in der Neuinszenierung von Valentin Schwarz dirigieren. Wohl denn: Vorhang auf!

Sendung: "Leporello" am 12. Juli 2022 um 16:05 Uhr auf BR-KLASSIK

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