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Bayreuth vor den Wagner-Festspielen Fast alles wie immer am Grünen Hügel

Es sind die ersten richtigen Festspiele seit drei Jahren. Die Vorfreude in Bayreuth ist dementsprechend groß. Und tatsächlich scheint fast alles wie immer zu sein. Fast. Wäre da nicht Corona.

Bei aller Vorfreude schwebt über den Richard Wagner-Festspielen die Corona-Pandemie. Die Inzidenzen in Bayreuth liegen im vierstelligen Bereich. | Bildquelle: BR/Kristina Kreutzer

Bildquelle: BR/Kristina Kreutzer

"Unna Wochner – a Schenie", das steht in gelber Schrift auf einer türkisfarbenen Postkarte. Für alle Nicht-Franken gibt es direkt die Übersetzung im Kleingedruckten dazu: "Unser Wagner – Ein Genie." Zu kaufen ist die Ansichtskarte in der Touristinfo, mitten in der Bayreuther Innenstadt. Und die hat sich schon rausgeputzt: Denn am kommenden Montag beginnen die Festspiele und das sorgt in Bayreuth fünfeinhalb Wochen lang für internationales Flair und Umtriebigkeit überall.

Reges Treiben am Grünen Hügel

Bayreuther Festspiele 2022 | Bildquelle: BR/Kristina Kreutzer Bayreuth bereitet sich auf die Festspielzeit vor. Postkarte "Unna Wochner - a Schnenie = Unser Wagner - ein Genie" | Bildquelle: BR/Kristina Kreutzer Schon seit ein paar Tagen wehen die Fahnen sämtlicher Nationen im Wind, säumen die Auffahrt zum Grünen Hügel. Ein Willkommensgruß der Stadt an seine Gäste aus aller Welt. Am Hügel selbst herrscht Aufregung. Immer wieder ertönt Gesang und Musik. In dieser Woche findet eine Reihe Generalproben statt. Der Bücher-Kiosk wird bestückt, das Schild "Opernglas- Verleih/Rent binoculars" hängt bereits im Fenster und auch das Wagner-W vor dem Königsportal ist frisch gepflanzt. In diesem Jahr sind die vorherrschenden Farben Rot, Weiß und Gelb. In blauen Rollwägen liegen noch die Schilder, die den Gästen in der kommenden Woche den Weg zu ihren Sitzplätzen weisen sollen. Allerdings werden nicht alle besetzt sein. 174 Plätze müssen frei bleiben. Das liegt an den Sanierungsarbeiten der Galerie und des rechten Balkons.

Keine Maskenpflicht – aber klare Empfehlung

Die Vorfreude in Bayreuth ist bereits groß und spürbar. Die Schaufenster werden liebevoll dekoriert. Von Wagner-Pralinen über Wagner-Geschirr bis hin zu Wagner-Seife und Wagner-Tee. Es findet sich alles in der Stadt. Auch ein Wagner-Mundschutz ist in der Auslage, eine Maskenpflicht wie im vergangenen Jahr gilt allerdings nicht für das Publikum. Dafür fehle die rechtliche Grundlage, so Festspielsprecher Hubertus Herrmann. Man spreche aber eine dringende Empfehlung aus. So werden beispielsweise auch die Streicher mit Mundschutz im Orchestergraben sitzen.

Die Bayreuther Festspiele auf BR-KLASSIK                                                                                  

BR-KLASSIK und 3sat präsentieren die Bayreuther Festspiele 2022 im Radio, Fernsehen und Online. Alle Infos zum Programm finden Sie hier.

Ring bringt Touristen in die Region

Auf dem Spielplan steht in diesem Jahr auch der "Ring des Nibelungen". Sehr zur Freude der Hoteliers und Touristiker. Wer die vier zusammenhängenden Opern sieht, bleibt länger in der Stadt. Die Betten-Auslastung in den kommenden Wochen ist dementsprechend hoch. Auch die Stimmung unter den Gastronomen ist gut, man freue sich auf internationale Gäste. Auch wenn der Personalmangel in der Branche bei vielen für Bauchschmerzen sorgt.

An den spielfreien Tagen werden erfahrungsgemäß viele Gäste die Chance nutzen, um in der Stadt einzukaufen oder Ausflüge ins Fichtelgebirge und die Fränkische Schweiz machen, davon ist Manuel Becher, Chef der Bayreuth Marketing- und Tourismus-GmbH, überzeugt. "Es dürften alle etwas davon haben."

Angela Merkel wieder bei den Bayreuther Festspielen

Eröffnung der Richard-Wagner-Festspiele 2021 mit einer Neuinszenierung der Oper «Der fliegende Holländer». Die Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU)unterhält sich mit ihrem Ehemann Joachim Sauer bei einem get-together nach der Premiere im Festspielhaus auf dem Grünen Hügel. | Bildquelle: picture alliance/dpa | Nicolas Armer Angela Merkel und Joachim Sauer bei der Eröffnung der Bayreuther Festspiele 2021 | Bildquelle: picture alliance/dpa | Nicolas Armer "Die Auffahrt" am 25. Juli ist für viele in der Stadt ein Pflichttermin. Teilweise schon Stunden vor Aufführungsbeginn sichern sich Autogrammjäger einen guten Platz. Wer der Einladung der Stadt gefolgt ist, ist bisher noch nicht klar. Die Liste wird aber in den kommenden Tagen veröffentlicht. Durchgesickert ist aber, dass die ehemalige Bundeskanzlerin, Angela Merkel, dabei sein wird. Sie und ihr Mann Joachim Sauer sind bekennende Wagnerfans. Auch wird es am Montagabend einen Staatsempfang im Anschluss an die "Tristan"-Premiere geben. Das große weiße Zelt hierfür steht bereits am Neuen Schloss in der Innenstadt bereit. Der Gastgeber: der Bayerische Ministerpräsident Markus Söder.

Corona: Interner Ringtausch am Hügel

Trotz aller Vorfreude schwebt natürlich über allem die Corona-Pandemie. Die Inzidenzen in Bayreuth liegen im vierstelligen Bereich. Am Hügel selbst hat man immer wieder mit neuen Infektionen zu kämpfen. Teilweise waren bis zu 60 Personen im Haus Corona-positiv getestet. Erst jüngst wurde bekannt, dass Cornelius Meister das Ring-Dirigat von Pietari Inkinen übernehme. Inkinen falle wegen einer "schwerwiegenden Corona-Erkrankung" aus, heißt es aus dem Festspielhaus. Das Dirigat der Neuproduktion "Tristan und Isolde" wird dadurch wiederum von Markus Poschner übernommen, damit sich Meister auf den "Ring" konzentrieren könne. "Es ist also ein kleiner Ringtausch intern", so Hubertus Herrmann.

Keine Vorstellung gefährdet - bisher

In blauen Rollwägen liegen noch die Schilder, die den Gästen in der kommenden Woche den Weg zu ihren Sitzplätzen weisen sollen. | Bildquelle: BR/Kristina Kreutzer In blauen Rollwägen liegen noch die Schilder, die den Gästen in der kommenden Woche den Weg zu ihren Sitzplätzen weisen sollen. | Bildquelle: BR/Kristina Kreutzer Aktuell habe sich die Lage etwas entspannt, so Herrmann. Eine Glaskugel habe aber niemand. Der Chor sei redundant besetzt, weit über 200 Musiker und Musikerinnen sind am Hügel – im Fall der Fälle könne füreinander eingesprungen werden. Bei den Solisten gibt es ein sogenanntes Coversystem. Vorstellungen seien bisher nicht gefährdet, aber ein Blick auf den Besetzungszettel vor der Aufführung könne sich in diesem Jahr immer lohnen, so Hubertus Herrmann. Man sei zwar nicht entspannt, aber man müsse es nehmen wie es komme, so die einhellige Meinung am Hügel und in der Stadt.

Mit Klappstuhl und Picknickkorb: Festspiel Open Air für alle

Damit Wagner auch in diesem Jahr wirklich "Unna Wochner" wird für die Bayreuther, soll es erstmals am 27. Juli und am 2. August ein Festspiel Open Air geben. Für alle, ohne Kosten und Karten. Zwei Stunden lang werden vier Festspielsolisten mit Festspielorchester im Park unterhalb des Festspielhauses auftreten. Es soll dann nicht nur Wagner zu hören geben, verrät Festspielsprecher Hubertus Herrmann. Geplant sei eine lockere Atmosphäre – mit Klappstuhl und Picknickdecke.

Kommentare (1)

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Donnerstag, 21.Juli, 12:39 Uhr

paul-ludwig voelzing

woochner

woochner wäre besser gewesen. richtig war: schenie, aber wie schwer schreibung jenseits der ausgetretenen (?) rechtschreibpfade ist, zeigt dann "schnenie" im subtitulierten!

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