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Bayreuther Festspiele - Ersatz für Nelsons Hartmut Haenchen springt als "Parsifal"-Dirigent ein

Ende Juni hat Andris Nelsons sein "Parsifal"-Dirigat bei den Bayreuther Festspielen hingeschmissen. Seit Dienstag steht sein Nachfolger fest: Hartmut Haenchen steht am 25. Juli bei der Premiere der Neuinszenierung am Pult.

Dirigent Hartmut Haenchen | Bildquelle: © Frank Höhler

Bildquelle: © Frank Höhler

20 Tage vor der Premiere der Neuinszenierung übernimmt ein neuer Dirigent die musikalische Leitung von Wagners "Parsifal": Hartmut Haenchen. Das gaben die Bayreuther Festspiele Dienstagabend auf ihrer Webseite bekannt. Demnach freue sich die Festspielleitung sehr, dass es gelungen sei, "mit Hartmut Haenchen einen ebenso spannenden Künstler wie leidenschaftlichen Musiker zu gewinnen, dem das Werk Wagners in ganz besonderem Maße vertraut ist." Weiter schreibt Katharina Wagner, sie sei Maestro Haenchen sehr dankbar, dass er sich kurzfristig bereit erklärt habe, das Dirigat der Neuproduktion zu übernehmen.

Premiere in Bayreuth

Der Dirigent Hartmut Haenchen | Bildquelle: Thomas Brill Bildquelle: Thomas Brill Der 73-jährige Haenchen ersetzt damit den 37-jährigen Andris Nelsons. Am 30. Juni gab die Festspielleitung bekannt, dass der lettische Dirigent um die Auflösung seines Vertrags als "Parsifal"-Dirigent gebeten hatte. Hintergrund soll ein Streit um die "Parsifal"-Besetzung gewesen sein. Katharina Wagner sagte BR-KLASSIK dazu, sie habe mit Dirigent Andris Nelsons in einem "völlig normalen Austausch" über die Sänger gestanden. Das Angebot zur Übernahme des "Parsifal" erreichte Haenchen im Urlaub in Ahrenshoop an der Ostsee. Es seien nur noch zwei Orchesterproben übrig, sagte er der Nachrichtenagentur dpa am Mittwoch. Er hoffe dennoch, neue Aspekte bringen zu können. Einspringer Hartmut Haenchen steht im Gegensatz zu Nelsons zum ersten Mal am Pult der Bayreuther Festspiele. Wolfgang Wagner habe ihn schon einmal zum "Fliegenden Holländer" eingeladen, so Haenchen. Dies sei aber in Dresden verhindert worden, wie er aus seiner Stasi-Akte haben entnehmen können.

Mit den zwei Orchesterproben, die noch übrig sind, werde ich keine Welten bewegen können.
Hartmut Haenchen

Ein "Parsifal-"erfahrener Dirigent

Der 1943 in Dresden geborene Haenchen dirigierte in Halle, Zwickau, Berlin und Dresden, bevor er für 13 Jahre als Generalmusikdirektor an die Niederländische Oper ging. Dort war er von 1986 bis 2002 zudem Chefdirigent der Niederländischen Philharmonie und des Niederländischen Kammerorchesters. Das Kammerorchester Carl Philipp Emanuel Bach in Berlin, mit dem er 55 CDs und DVDs aufgenommen hat, leitete er von 1980 bis 2014. Als Gastdirigent war er zuletzt an der Opéra National de Paris, am Teatro Real Madrid und am Royal Opera House Covent Garden in London tätig.

"Parsifal" nimmt in Haenchens Biografie einen wichtigen Platz ein: "In der DDR war 'Parsifal' verboten. Ich war der zweite Dirigent, der eine szenische Aufführung als Chefdirigent der Mecklenburgischen Staatskapelle durchsetzen wollte", so Haenchen. "Die szenische Aufführung wurde verboten, es wurden konzertante Aufführungen." Bisher hat Hartmut Haenchen das letzte musikdramatische Werk Richard Wagners an der Berliner Staatsoper, in Stuttgart, Amsterdam, Paris und Brüssel dirigiert.

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