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Aus dem Kuriositätenkabinett der Musikgeschichte Beethovens Locke versteigert

Das Londoner Auktionshaus Sotheby’s versteigert normalerweise prunkvolle Gemälde, wertvolle Antiquitäten oder edle Gegenstände der Handwerkskunst. Ab und zu kommen aber auch musikalische Highlights, wie seltene Instrumente oder Originalpartituren, unter den Hammer. Was am Dienstag bei Sotheby’s unter den Hammer kam, ist an Kuriosität jedoch kaum zu überbieten: das Haar Ludwig van Beethovens.

Berühmtes Porträt von ludwig van Beethoven | Bildquelle: © picture alliance/CPA Media

Bildquelle: © picture alliance/CPA Media

Zurzeit finden weltweit die Vorbereitungen für das große Beethoven-Jahr 2020 statt. Dann jährt sich der Geburtstag des Komponisten zum 250. Mal. Das Londoner Auktionshaus Sotheby’s leistete nun einen eigenen Anteil am Personenkult rund um Ludwig van Beethoven und versteigerte am 11. Juni eine Haarlocke des Meisters. Beethoven soll sie sich selbst vor knapp zweihundert Jahren abgeschnitten und seinem Freund Anton Halm gegeben haben. Die dunkelbraun-grauen Strähnen wurden für ein Mindestgebot von 12.000 Pfund angeboten und erzielten den stolzen Preis von 35.000 Pfund. Das entspricht ungefähr 39.000 Euro.

Obskures Objekt der Begierde

Musikalische Schmuckstücke kommen immer mal wieder unter den Hammer. Dabei handelt es sich jedoch meistens um wertvolle Musikinstrumente oder in besonderen Fällen um Originalpartituren, die mitunter Rekordpreise erzielen. Bei Beethovens Haarsträhne handle es sich jedoch um eine ganz besondere Obskurität, sagt Simon Maguire. Er ist Direktor für Bücher und Manuskripte beim Auktionshaus. Für ihn verbirgt sich hinter Beethovens wallendem Haar eine der besten Geschichten aller Objekte, die demnächst versteigert werden.

Sie sind mit dieser Haarlocke betrogen! Sie haben Haare von einem Geiss.
Ludwig van Beethoven

Beethovens haariger Scherz

Am 11. Juni 2019 wird Beehovens Locke bei Sotheby's versteigert. | Bildquelle: © Sotheby's Diese Haarklocke Ludwig van Beethovens wird im Londoner Auktionshaus Sotheby's versteigert. | Bildquelle: © Sotheby's Anton Halm soll Beethoven nach einer Locke für seine Gattin Maria gefragt haben, als er für Beethoven sein Stück Große Fuge op. 133 für zwei Klaviere arrangierte. „Bei dieser guten Gelegenheit ersuchte mich meine Frau, den Beethoven um seine Haarlocke zu bitten.“, schreibt Halm dazu in sein Notizbuch und ist voller Vorfreude auf dieses ungewöhnliche Geschenk. "In einigen Tagen erhält meine Frau durch einen Dritten eine Locke, die Beethovens Haar sein soll." Statt der vereinbarten Locke, erlaubt sich Beethoven jedoch zunächst einen Streich mit seinem Freund und schickt ihm stattdessen Haare einer Ziege. Darauf angesprochen, weist Beethoven diesen Vorwurf entschieden zurück und schiebt die Schuld auf andere: "Sie sind mit dieser Haarlocke betrogen! Sehen Sie, mit solchen furchtbaren Creaturen bin ich umgeben, dass sie alle Achtung, die sie respectablen Menschen schuldig sind, auf die Seite setzen. Sie haben Haare von einem Geiss." Beethoven habe Halm daraufhin eine beachtliche Menge seiner wahren Haarpracht geschenkt.

Ungewöhnliches Familienerbstück

Vermutlich stammen die Haare vom hinteren Teil des Kopfes, weil sie dort noch nicht so stark ergraut waren. Die Locke gab der Pianist und Komponist Anton Halm vor seinem Tod 1872 seinem Schüler Julius Epstein. Nach dessen Tod blieb sie im Familienbesitz.

So ging ich im Triumpf mit diesem erhaltenen seltenen Geschenk nach Hause.
Anton Halm über das haarige Präsent Beethovens

Mehr Haarpracht auf dem Markt

Es ist übrigens nicht die erste Locke Ludwig van Beethovens, die unter den Hammer kam. Mitte der 1990er-Jahre ersteigerten zwei Amerikaner in London bereits eine Strähne des Meister. Genau 582 feine graue und braune Haare des Komponisten waren es, abgeschnitten von Ferdinand von Hiller am Tag nach Beethovens Tod, aufbewahrtin einem kleinen schwarzen Medaillon. Sie bekamen das Haar zum Schnäppchenpreis von "nur" 4.000 Euro.

Sendung: "Allegro" am 6. Juni 2019 ab 6:05 Uhr auf BR-KLASSIK

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