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Bregenzer Festspiele 2022 "Madame Butterfly" auf einem Blatt Papier

Seit 76 Jahren faszinieren die Bregenzer Festspiele ein breites Publikum mit großer Oper unter freiem Himmel. In diesem Jahr beginnt die Festivalsaison am 20. Juli. Bis zum 21. August wird mit rund 80 verschiedenen Veranstaltungen ein vielfältiges Programm geboten, zu dem mehr als 200.000 Besucher erwartet werden. Heuer gibt es auf der weltberühmten Seebühne sozusagen eine doppelte Premiere: Puccinis Liebesdrama "Madame Butterfly" wird neu inszeniert. Eine Premiere für Bregenz. Dorothea Hußlein gibt schon mal einen Einblick in die Bregenzer Kulissenwelt.

"Madame Butterfly" bei den Bregenzer Festspielen | Bildquelle: picture alliance / STIPLOVSEK DIETMAR / APA /

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Vorbericht: Bregenzer Festspiele 2022

Wer sich Bregenz in diesem Jahr mit dem Zug oder per Auto über die Seeuferstraße nähert, wird anders als in zurückliegenden Jahren keine spektakulären Bühnenskulpturen erspähen, wie zuletzt den riesigen Clown-Kopf "Rigolettos". Erst von der Tribüne des Festspielhauses aus zeigt sich die diesmal 23 Meter hohe und 33 Meter breite Kulisse für Puccinis kammerspielartige Oper: federleicht scheint ein überdimensionales Blatt Papier ruhig im Bodensee zu treiben, ausgebreitet auf einer Fläche von 1.300 Quadratmetern.

Mit dabei in Bregenz: Eine Stuntman-Truppe

Die Bühne der Bregenzer Festspiele 2022 | Bildquelle: BR / Gino Thanner Die Seebühne der Bregenzer Festspiele von der Seite gesehen | Bildquelle: BR / Gino Thanner Die Hauptspielfläche für die Sänger liegt im vorderen Bereich. Teile der steilen Wand im Hintergrund werden von einer Stuntmen-Truppe bespielt. Für Regisseur Andreas Homoki und seinen Bühnenbildner Michel Levin geht es auf der Seebühne vor allem um die innere Dramatik. Hier passiere etwas unglaublich zartes, delikates, so Levin. "Das ist letztlich ein Bild für dieses Stück, und mehr brauchen wir nicht, wenn wir die Personen gut in Bewegung setzen."

Bregenzer Festspiele 2022

Die 76. Bregenzer Festspiele 2022 werden am 20. Juli 2022 mit der Neuinszenierung von Puccinis "Madame Butterfly" eröffnet. Regie führt Andreas Homoki, Intendant des Opernhauses Zürich. Die im Bregenzer Festspielhaus sitzenden Wiener Symphoniker spielen alternierend unter Leitung von Enrique Mazzola und Yi-Chen Lin. Die Bregenzer Festspiele laufen heuer bis zum 21. August 2022. Alle Infos sowie den Spielplan finden Sie auf der Webseite der Bregenzer Festspiele.

Für Intendantin Elisabeth Sobotka ein optisches Highlight

Eine feine japanische Schrift durchzieht dieses so zart wirkende Blatt Papier. Im Gegensatz dazu steht Pinkerton, der ungestüme Amerikaner, der nicht nur dieses Papier zerstört, sondern das Leben und die Hoffnung von Cio-Cio-San, der Madame Butterfly. Gleichzeitig steht dieses Blatt für die große Seele Cio-Cio-Sans und ihre Einsamkeit. Und das wird durch eine innovative Video- und Lichttechnik magisch in Szene gesetzt.

Das wird ein ganz ganz besonderes visuelles ästhetisches Ereignis.
Intendantin Elisabeth Sobotka

Regisseur Homoki: "ein ganz stark emanzipatorisches Stück"

Die Bühne der Bregenzer Festspiele 2022 | Bildquelle: BR / Gino Thanner Die Seebühne der Bregenzer Festspiele von oben | Bildquelle: BR / Gino Thanner Die Kostüme spiegeln die Farben der untergehenden Sonne, die abends im Bodensee versinkt, der natürlich wieder in die Inszenierung eingebunden ist. Der amerikanische Soldat kommt mit dem Schiff. Und das Wasser spielt in verschiedenen Szenen eine Rolle, wenn Regisseur Andreas Homoki seine Sicht auf die große Tragödienfigur Madame Butterfly zeigt. Für Homoki ist sie eine junge Frau, die unglaublich konsequent und radikal das Ziel verfolgt, aus einer Welt auszubrechen, in der sie sich nicht verwirklichen kann. "Für mich ist das wirklich auch ein ganz stark emanzipatorisches Stück von einer jungen Frau, die eigentlich auf verlorenem Posten steht. Und trotzdem für sich diesen Anspruch postuliert: Ich möchte anders leben und ich möchte selbstbestimmt leben", so Regisseur Homoki.

Das ist wahnsinnig stark, und das ist berührend und erschütternd und das versuchen wir zu zeigen.

Sendung: "Allegro" am 19. Juli 2022, um 6:05 Uhr auf BR-KLASSIK

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