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Neue Carl Orff Festspiele ab 2017 Das Rad der Fortuna dreht sich wieder

Eigentlich sollten die Carl Orff Festspiele Andechs 2015 die letzten sein: Nach Meinungsverschiedenheiten zwischen dem Kloster Andechs und der Carl Orff-Stiftung wurde das Aus verkündet. Nun wird es ein neues Fest für die Orff-Fans geben - mit der Stiftung, aber ohne das Kloster.

Wilfried Hiller | Bildquelle: Wilfried Hiller

Bildquelle: Wilfried Hiller

Carl Orff-Festspiele 2017

Gespräch mit Wilfried Hiller und Florian Zwipf-Zaharia

Zwischen 1998 und 2015 fanden jeden Sommer die Carl Orff Festspiele in Andechs am Heiligen Berg, unweit der Grabstätte Carl Orffs, statt. Nach Differenzen mit dem damaligen Intendanten Marcus Everding über die Auslegung Orffs Werke zog die Carl Orff-Stiftung ihre Aufführungsgenehmigung im vergangenen Jahr zurück. Hintergrund war ein Streit um vermeintlich nicht werkgerechte Inszenierungen. Everding sprach von "Zensur", das Kloster als Veranstalter stellte wegen unüberbrückbarer Differenzen mit der Carl Orff-Stiftung das Festival ein. Nach dem Aus findet 2017 nun eine neue Veranstaltungsreihe statt - unter dem Namen "Carl Orff Festspiele Andechs & Ammersee".

Neuer Veranstalter, neue Spielorte

Die Carl Orff-Stiftung möchte sich jetzt darum kümmern, dass die Stücke nicht bearbeitet und umgeschrieben werden - ganz ohne Intendant. "Orff soll im Originalton, mit originalen Texten zum Klingen gebracht werden", sagt Wilfried Hiller, ehemaliger Orff-Schüler und Vorsitzender der Carl Orff-Stiftung. Zusammen mit Florian Zwipf-Zaharia von "Cultus Production", dem neuen Veranstalter der Carl Orff Festspiele, will Hiller "Orffs Werk in die Region tragen und die Region daran teilhaben lassen". So bleibt der Florian-Stadl, wo die Orff-Festspiele bisher stattfanden, als bewährter Spielort erhalten, es sollen aber auch weitere hinzukommen: 2017 wird ein Zirkuszelt in Dießen am Ammersee zum Spielort für "Carmina Burana" in einer "nicht neuen, aber sehr eigenen Fassung" - als Ballett.

Differenzen mit Kloster Andechs bleiben

Kloster Andeschs hat seine Rolle in einer eigenen Mitteilung erklärt: "Nach wie vor ist das Kloster von der Arbeit der damaligen Festspielleitung und dem Festspielbüro überzeugt. […] Andererseits hat das Kloster als Grabstätte von Carl Orff auch die Verantwortung, die Tür Veranstaltern zu öffnen, die Orffs Werk hier in Andechs pflegen wollen. Dazu müssen die Veranstalter selbstverständlich mit der Carl Orff-Stiftung eine Übereinkunft erzielen. Das Kloster würde seiner Verantwortung für die Grabstätte von Carl Orff nicht gerecht, wenn wir jedem, der mit Billigung der Stiftung Orffs Werk in Andechs pflegen will, abweisen würden, nur weil unsere Differenzen mit der Stiftung nicht zu überbrücken waren." Auch Wilfried Hiller fühlt sich durch das Vermächtnis Carl Orffs verpflichtet. Orff habe ihm auf dem Sterbebett das Versprechen abgenommen, sich lebenslang um sein Vermächtnis zu kümmern. "Das tue ich jetzt", so der Stiftungsvorsitzende.

Der ehemalige Orff-Schüler Wilfried Hiller über die Entstehung von "Carmina Burana"

"Carl Orff befand sich in einer schlimmen Situation, als er "Carmina Burana" schrieb: Seine Frau, die Sängerin und Dirigentin Alice Solcher, hatte ihn verlassen, er war alleinerziehender Vater einer Tochter und hatte kein Geld. Der erste Akkord aus "Carmina Burana" ist ein Zitat aus "Wozzeck" von Alban Berg. Es ist der Moment, als Wozzeck ins Wasser geht, um sich umzubringen. Die nächsten Takte sind Monteverdis "Klage der Ariadne" nachempfunden: "Zu Ende geht nun alles". Das war die Ausgangsbasis für "Carmina Burana". Carl Orff war am Rad der Fortuna ganz unten angekommen und hat sich erst ganz langsam hochgearbeitet." Wilfried Hiller

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