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Konzerte bei hohen Coronazahlen München lehnt Ausnahme-Anträge ab

Das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks und die Bayerische Staatsoper wollen die in München geltende Obergrenze von fünfzig Zuschauern pro Vorstellung zur Eindämmung der Corona-Pandemie nicht akzeptieren. Sie haben Anträge auf Sondergenehmigungen gestellt, die die Stadt München jetzt abgelehnt hat – vorerst.

Das BRSO spielt im Herkulessaal der Münchner Residenz Ende September 2020 | Bildquelle: BR/Astrid Ackermann

Bildquelle: BR/Astrid Ackermann

Das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks (BRSO) möchte im Münchner Herkulessaal der Residenz wie bisher vor zweihundert Menschen spielen. Die Bayerische Staatsoper hofft dagegen sogar auf fünfhundert Besucher. Sowohl das BRSO als auch die Bayerische Staatsoper haben am Montag beim Münchner Kreisverwaltungsreferat einen Antrag auf Ausnahmegenehmigung gestellt. Sollte dieser nicht bewilligt werden, müsste die Besucheranzahl ab sofort auf fünfzig reduziert werden.

Pilotprojekt seit September

Die Staatsoper verweist in ihrem Antrag auf ein von Ärzten und Wissenschaftlern begleitetes Pilotprojekt. Anders als in anderen Theatern waren dort fünfhundert statt zweihundert Besucher erlaubt. Der Versuch belege, dass es bei der Größe des Nationaltheaters und bei Einhaltung vorbeugender Maßnahmen sehr gut möglich sei, vor fünfhundert oder sogar noch mehr Besuchern zu spielen, so Staatsintendant Nikolaus Bachler. Bisher habe es keine nachweisliche Infektion durch einen Theaterbesuch gegeben.

Keine bekannten Infektionen durch Konzerte

Auch dem BRSO seien keine Infektionen gemeldet worden, die auf Konzerte im Herkulessaal zurückgingen, bestätigte Orchestermanager Nikolaus Pont gegenüber BR-KLASSIK – im Gegenteil: "Ich glaube, dass die wenigen Besucher, die wir in den letzten Wochen hatten, sehr sicher in unseren Konzerten waren." Er sei nicht jemand, der die Notwendigkeit von gesellschaftlichen Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus abstreite, so Pont. Dennoch ist er davon überzeugt, dass das Risiko in klassischen Konzerten mit Maskenpflicht, zugewiesenen Plätzen und einem "stillen, ruhig atmenden Publikum" nicht weiter minimiert werden könne.

Die Abstände sind riesig.
Nikolaus Pont, Orchestermanager des BRSO

Reaktion von Kunstminister Bernd Sibler

Kunstminister Bernd Sibler hat noch am Montag auf die Anträge der Kulturinstitutionen reagiert. Bei Überschreiten der Schwelle von hundert Corona-Neuinfektionen pro 100 000 Einwohnern binnen einer Woche gelte die Beschränkung grundsätzlich, auch wenn es zuvor vereinzelte Sondergenehmigungen für wesentlich mehr Gäste gegeben habe, stellte Sibler klar. "Der Pilotversuch und damit die Erlaubnis einer maximalen Zuschauerzahl von fünfhundert Personen gilt automatisch als ausgesetzt, sobald die genannte Regelung greift."

Stadt München lehnt Anträge ab

Am Dienstagnachmittag tagte der Corona-Krisenstab der Landeshauptstadt München unter Leitung von Oberbürgermeister Dieter Reiter. Nach der Sitzung teilte das Presseamt mit, dass bereits vorliegende Anträge auf Zulassung von mehr als 50 Zuschauern auf Grundlage der Bestimmungen der bayerischen Infektionsschutzmaßnahmen-Verordnung und der Einschätzung der Gesundheitsbehörde aktuell abgelehnt werden. Eine definitive Entscheidung solle es Ende der Woche geben – "im Lichte der für morgen angesetzten Corona-Runde der Bundeskanzlerin", wie es heißt.

Versuch mit erweiterten Publikumszahlen

Der Versuch mit erweiterten Publikumszahlen war Anfang September in der Bayerischen Staatsoper und der Philharmonie im Münchner Gasteig sowie der Meistersingerhalle in Nürnberg angelaufen. In Bayern haben viele Kommunen – darunter die Landeshauptstadt München – inzwischen den Inzidenzwert 100 überschritten. In Nürnberg lag er nach Angaben des bayerischen Gesundheitsministeriums am Montag bei 76,01, in München nach Angaben laut Robert-Koch-Institut bei 114,5. Über die Anträge wird der Corona-Krisenstab der Landeshauptstadt München vermutlich am Dienstagnachmittag beraten.

Wir sollten auf jeden Fall spielen.
Nikolaus Pont, Orchestermanager des BRSO

Egal, ob vor 200 oder 50 Menschen – das BRSO solle auf jeden Fall spielen, stellte Orchestermanager Nikolaus Pont klar: "Jeder einzelne Besucher, jede einzelne Besucherin ist einen vollen Konzerteinsatz wert. Das ist die Überzeugung, die ich aus unserem Orchester kenne."

Sendung: "Allegro" am 27. Oktober 2020, ab 06:05 Uhr und "Leporello" am 27. Oktober 2020, ab 16.05 Uhr auf BR-KLASSIK

Kommentare (2)

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Mittwoch, 28.Oktober, 15:28 Uhr

Dr. Peter Strauß

Reduzierte Zuschauerzahl

@felix: komische und gleichzeitig wütendmachende Argumentation! Salzburg und viele andere Kulturzentren, zuletzt auch der Test mit erhöhter Zuschauerzahl in Staatsoper, Philharmonie etc. haben wissenschaftlich begleitet den Beweis erbracht, daß hier unter Einhaltung eines fundierten Hygienekonzepts keine zusätzliche Infektion aufgetreten ist. Danach wäre sogar noch eine weitaus höhere Besucherzahl möglich! Nikolaus Bachler war seit ich Abonnent in der Staatsoper bin, und das seit 1963!, der rührigste und innovativste Intendant. Ihm geht’s nicht um seine Person sondern um sein Publikum und seine Künstler!!! Die Betroffenen sollte sich auch vor juristischen Schritten gegen die hirnrissige Verordnung nicht scheuen. Schreibe dies nach einer Fahrt in einer rappelvollen S-Bahn von Pasing zum Isartor. Abstand oft maximal 30 cm, schlampig getragenen Gesichtsmasken usw..

Dienstag, 27.Oktober, 21:30 Uhr

Felix F.

Regeln sind Regeln, auch für die Staatsoper.

Das gesamte öffentliche Leben steht still. Restaurants, Bars, Eventlocations, Dienstleister, Musiker, Veranstaltungstechniker, etc. Mit welcher Begründung sollte die Staatsoper eine Sondergenehmigung erhalten??? Nur weil Herr Bachler in seinem letzten Jahr noch einmal eine Ehrenrunde drehen möchte? Gut, dass der Antrag abgelehnt wurde. Eine Genehmigung wäre ein Schlag ins Gesicht für jeden freischaffenden Künstler.

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