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Kulturszene während der Corona-Pandemie Wie lange noch leere Ränge?

Appelle der Kulturschaffenden an die Politik nehmen zu, seitdem einige Branchen in Deutschland unter Auflagen wieder "hochfahren" dürfen. Gefordert werden klare Perspektiven und Planungssicherheit für Theater und Orchester sowie eine Gleichbehandlung mit anderen Bereichen.

Prinzregententheater in München | Bildquelle: picture-alliance/dpa

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Interview mit Ulrich Khuon, Präsident des Deutschen Bühnenvereins

Ulrich Khuon, Präsident des Deutschen Bühnenvereins, zeigte sich im Gespräch mit BR-KLASSIK erstaunt, dass in "dieser zweiten Welle des Corona-Exits das Thema der Künste und Kultur überhaupt nicht vorkam." Es sei fatal, die Künste nicht als systemrelevant zu erachten.

Theater und Opernhäuser sind "lebendige Orte"

Bayreuther Festspiele - Festspielhaus | Bildquelle: picture-alliance/dpa Abgesagt wegen der Corona-Pandemie: Die Bayreuther Festspiele 2020 | Bildquelle: picture-alliance/dpa Khuon sieht in Theatern und Opernhäusern lebendige Orte in den Städten, "die dazu beitragen, dass auf eine künstlerische Weise eine Gesellschaft sich mit sich selbst auseinandersetzt". Auch trägt Kultur zum Erhalt der Demokratie bei. Dieser Kampf könne nicht von der Politik alleine geleistet werden. Der Deutsche Bühnenverein will deshalb vorsichtig nach vorne blicken und fordert klare Perspektiven und Planungssicherheit für die Theater und Orchester. Dazu braucht es laut Ulrich Khuon aber ein Bekenntnis - die Kulturpolitik solle öffentlich zu den Häusern stehen und einen gemeinsamen, klaren Weg einschlagen.

Kaum wird das Geld knapp, geht’s gegen die Kultur, gegen die Künste.
Ulrich Khuon

Offener Brief an Merkel und Grütters

Einen Tag nach dem Deutschen Bühnenverein haben sich am Mittwoch 40 Klassikfestivals aus ganz Deutschland zu Wort gemeldet, "stellvertretend für Hunderte weitere", wie es heißt. In einem Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel und Kulturstaatsministerin Monika Grütters (beide CDU) fordern die Unterzeichner eine Gleichbehandlung von Kultur mit Sport, Kirchen und Wirtschaft.

Kultur bestehe nicht nur aus Großveranstaltungen. Es gebe ausreichend Repertoire für variable Besetzungen und viel Kreativität für alternative Formate. Damit könnten die Verluste der Kulturinstitutionen und der Künstler gemindert werden, hieß es in der Erklärung. Rund 600 Musikfestivals in ganz Deutschland seien ein Wirtschaftsfaktor mit insgesamt 400 Millionen Euro Umsatz.

Was ist höhere Gewalt? Was sind Großveranstaltungen?

50.000 Besucher im Luitpoldhain am Samstagabend zum Klassik Open Air | Bildquelle: BR/Florian Deglmann Fällt heuer aus: Europas größtes Klassik Open Air in Nürnberg. | Bildquelle: BR/Florian Deglmann Die Festivals fordern klare Regeln für die Einschränkungen und einfachere Finanzhilfen für die Veranstalter. Nur mit frühzeitigen Verfügungen und einer deutlichen Sprache könnten sie langfristig Haftungsrisiken einschätzen und beziffern. Die Unterzeichner fragen sich, was höhere Gewalt und was Großveranstaltungen seien. Mit solchen "nebulösen Allgemeinplätzen" werde die Unsicherheit verschärft.

Unterzeichnet ist die Erklärung unter anderem vom Mozartfest Würzburg, vom Musikfest ION, der Bachwoche Ansbach und dem Musikfest Eichstätt.

Sendung: "Leporello" am 21. April und 22. April 2020 ab 16:05 Uhr auf BR-KLASSIK.

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