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Musikunterricht im Netz "Die persönliche Beziehung braucht es immer"

Wegen der Corona-Krise sind die Semesterferien in Bayern verlängert worden. Auch an der Katholischen Universität Eichstätt und Ingolstadt. Eine Frage, die nicht nur dort die Lehrenden umtreibt: Wie kann die Lehre und auch der Musikunterricht in den nächsten Wochen gewährleistet werden?

Jean-Pierre Bourquin, Musiklehrer gibt am Bildschirm per Videokonferenz Musikunterricht für einen jungen Trompeten spielenden Schüler, der während der Coronavirus-Pandemie zu Hause bleiben muss. | Bildquelle: dpa-Bildfunk/Laurent Gillieron

Bildquelle: dpa-Bildfunk/Laurent Gillieron

"Die vorlesungsfreie Zeit ist prall gefüllt mit neuen Aufgaben", sagt Daniel Eberhard im Gespräch mit BR-KLASSIK. Derzeit sucht der Musikpädagoge, der an der Katholischen Universität Eichstätt und Ingolstadt lehrt, nach Alternativlösungen, um den Unterricht im anstehenden Semester gewährleisten zu können. Eine der größten Herausforderungen: Viele Kurse wie Ensembleleitung, Klassenmusizieren, Bigband, Orchester und Chor leben von der Präsenz ihrer Teilnehmer. Betroffen ist auch der individuelle Einzelunterricht am Instrument.

Online-Sessions zwischen Lehrer und Schüler

Daniel Eberhard, Professor für Musikpädagogik und Musikdidaktik an der Katholischen Universität Eichstätt und Ingolstadt | Bildquelle: Hubert Klotzeck Professor für Musikpädagogik und Musikdidaktik an der Katholischen Universität Eichstätt: Daniel Eberhard | Bildquelle: Hubert Klotzeck Eine Möglichkeit ist etwa, das Lehrangebot via Internet auszuweiten. In den letzten Jahren sei das kontinuierlich erweitert worden, sagt Daniel Eberhard: Durch Tutorials und Online-Sessions zwischen Instrumentallehrer und Schüler. Gibt es vielleicht auch einen Mehrwert im Vergleich zum herkömmlichen Unterricht?

Raum, Zeit und Inhalt könne selbstbestimmt werden, so Eberhard, was gut in unsere Zeit der zunehmenden Individualisierung passe. Auch bietet Unterricht via Internet Chancen im inklusiven Bereich. Menschen mit Behinderung können dadurch leichter daran teilnehmen. Dennoch ersetzt ein Video niemals einen Lehrer, davon ist Daniel Eberhard überzeugt.

Die persönliche Beziehung braucht es beim Unterricht immer.
Daniel Eberhard

Grenzen des virtuellen Unterrichts

Technische Aspekte können über das Internet bis zu einem gewissen Grad vermitteln werden. An manchen Stellen muss der Lehrer aber vor Ort sein, beispielsweise um den Ansatz eines Blasinstruments zu vermitteln. Die Körperhaltung muss vielleicht korrigiert und die Atmung überprüft werden. Dafür seien noch nicht die richtigen Möglichkeiten übers Internet gefunden worden, so Eberhard. Dennoch: Das Internet kann eine entscheidende Rolle dabei spielen, dass ein Zugang zu Musik für alle Menschen möglich ist.

Diese Vision findet schon statt, kann sich aber in vielerlei Hinsicht noch vertiefen und ausweiten.
Daniel Eberhard

Sendung: "Leporello" am 19. März 2020 um 16:05 Uhr auf BR-KLASSIK

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