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Musiker schreiben offenen Brief an Ministerin Grütters "Wir finden das der Situation nicht angemessen"

In einem offenen Brief haben sich Künstlerinnen und Künstler an Kulturstaatsministerin Monika Grütters gewendet. Sie fordern in der Corona-Krise mehr Hilfe vom Staat und verlangen für Kulturschaffende schnelle Unterstützung wie für Unternehmen.

Violonist Thomas Hengelbrock | Bildquelle: F. Grandidier

Bildquelle: F. Grandidier

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Interview mit Thomas Hengelbrock

Zu den Unterzeichnern des offenen Briefes, der am Wochenende in der Zeitung "Die Welt" erschienen ist und BR-KLASSIK vorliegt, gehören neben Matthias Goerne, Anne-Sophie Mutter, Lisa Batiashvili und René Pape auch Thomas Hengelbrock. Im Interview mit BR-KLASSIK sagte der Dirigent am Montag, er wünsche sich Solidarität von Seiten der Politik, aber auch von Institutionen wie Opernhäuser, Rundfunkanstalten und Symphonieorchestern. Er fühle sich mit seinen Mitunterzeichnern verpflichtet, die freie Szene aufzurütteln.

Da ist eine große Notsituation entstanden.
Thomas Hengelbrock

Die Unterzeichner beziehen sich in ihrem Brief auf ein Interview in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) vom 30. März, in dem Kulturstaatsministerin Monika Grütters von Kulturschaffenden als Betroffene spricht, die es nicht gewohnt seien, "um Hilfe zu schreien". Dies sagte Grütters auch in einem Interview mit BR-KLASSIK und fügte hinzu, dass Kulturschaffende durch die Unterstützungen des Staates auf eine "relativ große Summe" kommen würden, "mit der man unserer Überzeugung nach für die nächsten Monate zurechtkommen kann".

Der offene Brief vom Wochenende spricht nicht nur die Sorgen jener Künstlerinnen und Künstler an, "die bislang gerade so über die Runden kamen", sondern auch jene, "deren Bekanntheit die subventionierten Opernhäuser, Konzertsäle und Theater füllt". An ihrem Einkommen hingen viele weitere Beschäftigte, so die Unterzeichner - und sie fragen: "Sollen diese in einem Kaskadeneffekt mit den auf 'Grundsicherung' gesetzten Künstlern dann auch zu Sozialfällen werden?"

Auch an den großen Künstlern hängen ganze Büros dran.
Thomas Hengelbrock

Das Problem mit der Corona-Soforthilfe in Bayern

In Bayern kann seit Ende März die sogenannte Corona-Soforthilfe beantragt werden. Damit können Musikerinnen und Musiker die Miete von Proberäumen sowie die Wartung ihres Instruments geltend machen. "Dagegen", so bestätigte eine Sprecherin des Bayerischen Wirtschaftsministeriums BR-KLASSIK gegenüber schriftlich, "können Kosten des privaten Lebensunterhalts wie die Miete der Privatwohnung oder Krankenversicherungsbeiträge sowie ausfallender Gewinn nicht durch die Soforthilfe abgedeckt werden."

Thomas Hengelbrock findet es problematisch, dass man von diesen Künstlerinnen und Künstlern erwartet, "dass sie zunächst ihre Altersvorsorge aufbrauchen sollen, bis sie sich dem Hartz IV-Niveau angenähert haben." Das fänden sie Unterzeichner nicht angemessen, so Hengelbrock. In ihrem offenen Brief fordern die Unterzeichner "adäquate Ausfallhonorare". Als Vergleich ziehen sie Firmen wie Adidas, Logo- und Ergotherapeuten sowie Zahnärzte heran, "die vorerst 90 Prozent des Vorjahreseinkommens erhalten".

Sendung: "Leporello" am 20. April 2020 ab 16:05 Uhr auf BR-KLASSIK

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