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Neue Chor-Studie mit Knabenchören Wie gut funktioniert Singen auf Abstand bei Kindern?

Corona hat in der Chormusik viel Veränderung mit sich gebracht, nicht zuletzt das Singen auf Abstand. Während professionelle Chöre damit mehr oder weniger gut umgehen können, fällt es Laienchören oft deutlich schwerer. Und wie sieht es erst bei Kindern aus, die noch nicht so viel Erfahrung haben? Das will eine neue Studie der Unikliniken München und Erlangen jetzt herausfinden.

Sänger des Windsbacher Knabenchores bei Konzertauftritt | Bildquelle: Mila Pavan

Bildquelle: Mila Pavan

Neue Studie mit Knabenchören

Wie gut funktoniert Singen auf Abstand?

Versuchsteilnehmer sind die beiden Knabenchöre aus Windsbach und Tölz. Mit ihnen werden an zwei Tagen verschiedene Messungen durchgeführt. Jeweils fünf Sänger singen dabei immer wieder die erste Strophe der sogenannten "Europahymne" – einmal auf drei Meter Abstand, einmal auf anderthalb Meter und einmal nahezu Schulter an Schulter. Um die Entwicklung der Kinder über die Altersgruppen hinweg feststellen zu können, findet die Studie mit Sängern aus drei verschiedenen Chor-Stufen statt: Anfänger, Mittelstufe und Erfahrene.

Drei Meter Abstand sind viel

Computer-Messungen während der ersten Testreihe mit dem Windsbacher Knabenchor | Bildquelle: Fransika Klein / BR Während der ersten Testreihe mit dem Windsbacher Knabenchor werden bereits die ersten Messungen analysiert. | Bildquelle: Fransika Klein / BR Gemessen wird zunächst nur der Schall. Erst anschließend in der Auswertung untersuchen die Wissenschaftler verschiedene Parameter genauer. "Wir schauen, wie genau der Ton getroffen wird und auch, ob alle synchron im Takt sind oder es Verschiebungen zwischen den einzelnen Sängern gibt", erklärt Dr. Stefan Kniesburges, Ingenieur und Medizintechniker an der HNO-Klinik des Uniklinikums Erlangen und einer der beiden Projektleiter. Um die Sänger besser vergleichen zu können, bekommt jeder von ihnen ein eigenes Headset. Zusätzlich gibt es verschiedene Referenzmikrophone im Raum und am Ende des Tages wird die erste Messung zur Kontrolle noch einmal wiederholt, um einen Lerneffekt auszuschließen. Bereits nach dem ersten Versuch ist eines klar: Drei Meter Abstand sind für die Anfänger viel. Die Gruppe singt zwar schön, aber zögerlich und nicht ganz synchron. Auch im Kontrolldurchgang ist dieser Effekt deutlich festzustellen.

Die "kleinen" Sänger leiden

Testreihe mit Windsbacher Knabenchor | Bildquelle: Stefan Kniesburges / Uniklinikum Erlangen Musizieren auf Distanz – Sänger des Windsbacher Knabenchors platzieren sich für die Testreihe der neuen Chor-Studie | Bildquelle: Stefan Kniesburges / Uniklinikum Erlangen Anders bei den erfahreneren Sängern: "Die haben besser auf den Dirigenten geschaut und haben sich dann sehr schnell auch untereinander synchronisiert", erklärt Kniesburges die ersten Auswertungen. Erfahrung scheint also durchaus dabei zu helfen, mit den Abständen besser zurecht zu kommen. Und tatsächlich stellt sich zuletzt eine eindeutige Tendenz heraus: "Gerade die kleinen Sänger leiden wahnsinnig unter den großen Abständen", sagt Prof. Matthias Echternach, während bei den beiden anderen Altersgruppen die Unterschiede nicht so groß seien. Echternach ist Leiter der Phoniatrie-Abteilung der HNO-Klinik an der LMU München und der zweite Projektleiter dieser neuen Chor-Studie.

Ich finde es besser, dass wir ohne Abstand singen, weil man dann besser auf die Größeren hören kann.
Sänger im Windsbacher Knabenchor

Auch die jungen Sänger haben während der Versuche eine klare Präferenz entwickelt – unabhängig von ihrer Erfahrung: "Man wächst mehr zusammen, man hört die anderen besser und man kann sich mit den anderen besser mischen", so einer der Windsbacher. Den anderen Jungs im Chor geht es ähnlich. Ob sich diese ersten Eindrücke von Sängern und Forschern auch im weiteren Verlauf der Studie bestätigen, wird sich in den kommenden Monaten herausstellen. Dann werden die Messergebnisse detailliert ausgewertet. Die Studie selbst wird wohl Mitte nächsten Jahres veröffentlicht.

Sendung: "Allegro" am 28. September 2021 ab 06:05 Uhr auf BR-KLASSIK

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