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Deutsche Orchestervereinigung Ruf nach Öffnung und Unterstützung in der Pandemie

Konzertsäle, Museen, Theater öffnen, wo immer es die Zahlen erlauben! Das fordert die Deutsche Orchestervereinigung (DOV) am Dienstag auf ihrer Jahrespressekonferenz. Statt einer Konzertstatistik wie sonst, gibt es dieses Jahr Angaben zur Kurzarbeit – und eine große Sorge.

Impressionen einer CD-Produktion mit dem Münchner Rundfunkorchester und dem Chor des Bayerischen Rundfunks. | Bildquelle: BR/Philipp Kimmelzwinger

Bildquelle: BR/Philipp Kimmelzwinger

Die Forderung ist eindeutig: Konzertsäle, Theater und Museen sollen bei niedrigen Inzidenzwerten öffnen. Das sagte der Geschäftsführer der Deutschen Orchestervereinigung, Gerald Mertens, am Dienstag in Berlin. Umgekehrt könne man wie auch Schulen und Kitas schließen, wenn die Werte hoch sind.

Öffnungsperspektiven als Motor für Neustart

Alle Hygienevorschriften müssen natürlich beachtet werden. Die DOV hofft, dass die Pandemie bald überwunden werden kann und das Musikleben kraftvoll wieder starten kann. Allerdings: "Voraussetzung dafür sind lokal und zeitlich differenzierte Öffnungsperspektiven für alle Kulturbetriebe", betonte Mertens. Von den 129 Berufsorchestern in Deutschland sind nach DOV-Angaben derzeit 85 Prozent in Kurzarbeit.

Seit April 2020 hat Kurzarbeit in den Orchestern durchweg alle Arbeitsplätze gesichert.
Gerald Mertens, Geschäftsführer der Orchestervereinigung

Zu den zwanzig Orchestern, die nicht in Kurzarbeit sind, gehören den Angaben nach die elf Rundfunkorchester wegen laufender Produktionen.

Forderung nach Stütze für Kulturhaushalte vom Bund

Fatal wäre es, sagte Mertens, die Pandemie als Musikerin oder Orchester irgendwie zu überleben, um dann anschließend unter gravierenden Kürzungen öffentlicher Kulturausgaben leiden zu müssen. Nach Ansicht der DOV ist eine Weiterentwicklung der Kulturförderung dringend notwendig, damit die deutsche Kultur- und Orchesterszene an die Erfolge vor 2020 anknüpfen kann.

Geschäftsführer der Deutschen Orchestervereinigung | Bildquelle: Maren Strehlau Gerald Mertens, Geschäftsführer der DOV. | Bildquelle: Maren Strehlau Deshalb fordert die DOV jetzt ein auf mehrere Jahre angelegtes Bundesprogramm: Es soll kommunale Kulturhaushalte nach dem Abklingen der Pandemie direkt stützen und gekoppelt sein an eine Zweckbindung für kommunale Theater, Orchester, Museen und Bibliotheken. "Diese Bundesmittel werden nur dann gewährt, wenn sich Kommunen ihrerseits verpflichten, den Kulturhaushalt stabil zu halten", erklärte Mertens.

Schnelle Hilfe für freischaffende Musiker

Mit Blick auf die hart getroffenen freischaffenden Musikerinnen und Musiker schlägt die Orchestervereinigung kurzfristige Hilfen vor: Die Künstlersozialversicherung soll befristet höhere Nebenverdienste jenseits von Minijobs zulassen, ohne den Künstlerstatus und die Mitgliedschaft in der Künstlersozialkasse in Frage zu stellen. Zudem sollte der Zugang zur Arbeitslosenversicherung für Selbstständige verbessert und ein Kurzarbeitergeld für Zeiten mit geringer oder keiner Beschäftigung eingeführt werden.

Laut Mertens hat der von Berufsmusikern ins Leben gerufene Nothilfefonds bislang mehr als 4,1 Millionen Euro eingenommen. Knapp zwei Millionen sind davon an Freischaffende ausgezahlt worden; jeweils 600 Euro Soforthilfe an 3.300 Antragsteller. Der Betrag soll ab Mitte Februar voraussichtlich auf 2.000 Euro steigen.

Auf eine Konzert- und Festivalstatistik 2020 verzichtete die DOV pandemiebedingt.

Sendung: "Leporello" am 2. Februar 2021 ab 16:05 Uhr auf BR-KLASSIK

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Dienstag, 09.Februar, 09:02 Uhr

WETZEL Dörte

Spenden

Guten Tag, können sich Musiker, die bereits 600€ erhalten haben, auf die 2000€ bewerben?
Vielen Dank für ihre Arbeit
Mit freundlichen Grüßen Dörte Wetzel

Antwort BR-KLASSIK: Liebe Frau Wetzel, die neuen DOV-Stipendien werden unabhängig von den bisherigen Auszahlungen vergeben. Sie dürfen sich also auch für die 2000€ bewerben, wenn Sie bereits 600€ aus dem Nothilfefonds erhalten haben.

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