BR-KLASSIK

Inhalt

Richard Strauss' "Salome" neu editiert Ein Meilenstein in der Forschungsgeschichte

Salome ist eine Figur, die gleichermaßen in Literatur und Musik auftritt. Die berühmteste Oper, die ihr gewidmet wurde kommt von Richard Strauss. Partituren haben aber viele Fehler. Daher kümmert sich das Team der Richard-Strauss-Gesamtausgabe darum, seine Kompositionen neu zu edieren. Ein Meilenstein in der Forschungsgeschichte, denn hier kommen Notizen des Komponisten ans Licht, die jahrelang verschollen waren. Zum ersten Mal sind sie jetzt abgedruckt und wieder für die Öffentlichkeit zugänglich.

Richard Strauss | Bildquelle: picture-alliance/dpa

Bildquelle: picture-alliance/dpa

Gut 100 Jahre nach der Uraufführung der Oper "Salome" in Dresden ist die sächsische Landeshaupt eine der wichtigsten Anlaufstellen für das Münchner Team der Richard-Strauss-Ausgabe. Im Dresdner Opernarchiv sind die Musikwissenschaftler auf der Suche nach alten Partituren, die möglicherweise neue Erkenntnisse über Strauss' Interpretation liefern. Und: sie werden fündig – wie Claudia Heine. Die Musikwissenschaftlerin und Herausgeberin der Editionen ist über handschriftliche Einträge des Komponisten in der Partitur gestolpert. Diese seien in einer ganz bestimmten Farbe und mit einem Datum versehen worden.

Persönliche Notizen von Richard Strauss

Die Notizen, die Richard Strauss mit einem grünen Stift in seiner Partitur hinterlassen hat, wirken sich auf den ursprünglich monumentalen Orchesterklang aus. Er lässt ganze Instrumentengruppen über mehrere Takte pausieren, kürzt lang gehaltene Töne oder streicht Stimmdopplungen. Er rollte seiner Traumbesetzung der Salome einen ganz schlanken orchestralen Teppich aus: der Sängerin Maria Rajdl. Mit ihrem lyrischen Sopran entspricht sie genau Strauss' Vorstellungen der Salome: eine junge Frau, kindlich naiv, vielleicht noch fast ein Mädchen. Anders als die bis dahin oft inszenierte blutrünstige Femme fatale. Nach der Aufführung dieser sogenannten Retouchen-Fassung im Jahr 1930 schreibt Richard Strauss kurz und knapp an den Dresdner Generalmusikdirektor Fritz Busch: "Salome in Dresden war doch wirklich schön."

"Salome"-Fassung wiederentdeckt

Umso besser, dass diese Fassung der Partitur nun im Dresdner Opernarchiv wiederentdeckt wurde und in gedruckter Form endlich das Licht der Öffentlichkeit erblickt. Und das Interesse in der Musikszene ist da, berichtet Herausgeberin Claudia Heine: "Bevor die Edition vorlag, hatte ich mehrere Anfragen von verschiedenen Dirigenten, die sich sehr dafür interessieren, weil sich gerade bei Salome eine neue Besetzungsmöglichkeit ergibt durch diese Edition."

Erste Probe mit dem Gürzenich-Orchester

Zehn Jahre hat es gedauert, bis das Team der Richard-Strauss-Ausgabe die Oper "Salome" vollständig ediert hat. Ein wissenschaftlicher Langstreckenlauf, der sich jetzt schon bei Herausgeberin Claudia Heine eingeprägt hat. Die Musikwissenschaftlerin konnte bei einer Probe des Gürzenich-Orchesters dabei sein und so ihre editierte Fassung zum ersten Mal hören. "Es war einfach der Moment, wo man sieht, dass das, was man tut auch Früchte trägt. Und das war toll."

Die Arbeit des Teams rund um die Richard-Strauss-Gesamtausgabe ist auch digital einsehbar. Im Netz gibt es nicht nur Texte zum Thema, sondern auch originale Briefwechsel und Dokumente, die Richard Strauss näher kennenlernen lassen. Alle Infos unter richard-strauss-ausgabe.de

Sendung: "Allegro" am 11. November 2021 ab 6:05 Uhr auf BR-KLASSIK

Kommentare (0)

Kommentieren ist nicht mehr möglich.
Zu diesem Inhalt gibt es noch keine Kommentare.

    AV-Player