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Digital Lectures – Öffentliche Räume in Kulturbauten der Zukunft Wie sehen Kulturräume der Zukunft aus?

Zahlreiche Theater- und Konzertbauten im deutschsprachigen Raum kommen in den nächsten Jahren und Jahrzehnten an ihre Altersgrenze und müssen umfassend saniert oder neu gebaut werden. Gelegenheit, sich einmal Gedanken über die zukünftige Gestaltung solcher Räume zu machen. Die Bayerische Staatsoper hat dazu gemeinsam mit Opernhäusern in Berlin, Zürich, Duisburg und Stuttgart eine digitale Vortragsreihe initiiert, die sich genau damit beschäftigt.

Stadtbibliothek Stuttgart, Innenansicht | Bildquelle: Landeshauptstadt Stuttgart

Bildquelle: Landeshauptstadt Stuttgart

Wie sollen Kulturbauten der Zukunft aussehen? Welchen Ansprüchen müssen sie genügen? Wie können sie für die Gesellschaft geöffnet werden? Fragen, die so einfach nicht zu beantworten sind, umso mehr aber diskutiert werden müssen. In sieben Vorträgen stellen Expertinnen und Experten Themen wie Gesellschaft, Architektur, Stadtplanung oder Soziologie sowie innovative Konzepte vor. Anschließend wird gemeinsam diskutiert.

Architekten bauen keine Gebäude, sie bauen Beziehungen.
Oona Horx-Strathern, Zukunftsforscherin

La Seine Musicale - Konzertsaal in Paris | Bildquelle: picture alliance / abaca La seine musicale – ein neues Kulturzentrum in Paris, das 2017 eingeweiht wurde. | Bildquelle: picture alliance / abaca "Es ist ein sehr komplexes Feld", sagt Oona Horx-Strathern im Interview mit BR-KLASSIK. Sie ist Zukunftsforscherin und hat die Vortragsreihe eröffnet. Für sie ist eine zentrale Frage, wie man Menschen, die bisher wenig mit Kultur zu tun hatten, in diese öffentlichen Räume locken könne. "Architektur kann eine zentrale Rolle spielen. Man sagt, Architekten bauen keine Gebäude, was sie wirklich bauen, sind Beziehungen." Architektur soll neugierig machen, Menschen mit kulturellen Institutionen verbinden. Gerade in diesen Zeiten, in denen alles immer digitaler wird, brauche es einen Gegentrend. "Wir brauchen das Haptische, das Authentische, was wir anfassen können." Auf Digitalisierung verzichten will Horx-Strathern aber nicht. Vielmehr soll sich das Digitale als eine Schiene entwickeln, die in den Kulturbauten einen Gegenpol habe.

Menschen sollen mitbestimmen

Wichtig ist es dabei auch, Menschen bei der Entstehung neuer Bauten mitbestimmen zu lassen. Schließlich ist der Wille der Entscheidungsträger nicht immer der Wille der Menschen, für die sie primär gebaut werden. Susanne Hofmann, die zweite Referentin der Vortragsreihe, setzt sich daher für eine Beteiligung der Allgemeinheit im Vorfeld von Planungen ein. Über ein sogenanntes "Wünschemobil", das in der Stadt aufgestellt wird, könnten erste Ideen gesammelt werden. "Als erste Frage verwenden wir sehr gerne: Wo küssen Sie gerne?", sagt sie lachend. Was zunächst etwas seltsam klingt, hat ein ganz bestimmtes Ziel: ins Gespräch kommen. Mit weiteren Fragen – etwa: Wo treffen Sie gerne Freunde? – geht es dann tiefer in die Materie. Sind genug Ideen gesammelt, werden diese in Visionenwerkstätten gemeinsam weiterentwickelt.

Ein Kulturzentrum mit Einkaufsmöglichkeit

Am Ende könnte ein Kulturzentrum entstehen, das sich eben nicht nur auf eine Funktion fokussiert, sondern neben dem Theater auch eine Ausstellung, vielleicht ein Café oder Einkaufsmöglichkeiten hat. "Es geht auch um die Idee, dass die Menschen sich etwas aussuchen können, je nach Laune", sagt Horx-Strathern. "In verschiedenen Lebensphasen braucht man verschiedene Sachen. Wir müssen an die Bedürfnisse der einzelnen Generationen denken."

Hier können Sie an den Digital Lectures teilnehmen und sie nachträglich nachhören.

Doch ein wichtiger Faktor darf in unserer Zeit nicht zu kurz kommen: der ökologische. Neue Kulturbauten können laut Horx-Strathern hier eine Vorbildfunktion haben. "Das weckt das Interesse der Menschen, dahin zu kommen und zu schauen, wie man in der Zukunft besser bauen kann und was ein ökologisches Kulturgebäude ist." Am Ende müssen viele Punkte diskutiert werden, denn die neuen oder sanierten Bauten sollen verschiedensten Bedürfnissen entsprechen – privaten, gesellschaftlichen wie auch ökologischen.

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