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Metropolitan Opera - Missbrauchsvorwürfe gegen James Levine Met suspendiert langjährigen musikalischen Direktor

Seit über vierzig Jahren arbeitete James Levine mit der Metropolitan Opera New York zusammen, die meiste Zeit als musikalischer Direktor. Jetzt hat das Opernhaus alle seine Auftritte in dieser Saison vorerst abgesagt und Untersuchungen eingeleitet. Drei Männer machten jetzt in der New York Times ihre Vorwürfe öffentlich, in den 1960er und 1980er Jahren von Levine sexuell missbraucht worden zu sein.

Das Lincoln Center mit Springbrunnen  | Bildquelle: dpa picture alliance

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Eine Tragödie

Met Oper suspendiert James Levine

An Silvester hätte James Levine die Neuproduktion von Puccinis "Tosca" an der New Yorker Met dirigieren sollen. Dieses, sowie alle anderen Engagements des 74-Jährigen wurden nun abgesagt. Damit reagiert das Opernhaus auf einen Artikel vom Samstag in der New York Times, in dem drei Männer den Dirigenten beschuldigen, sie als Teenager sexuell missbraucht zu haben. Über ihren Twitter-Account teilte die Met mit: "Während wir die Ergebnisse der Ermittlungen abwarten, haben wir uns aufgrund der neuen Berichte dazu entschlossen, sofort zu handeln". Man sei von den jüngsten Berichten über Levines Verhalten "zutiefst getroffen". Eine von der Met beauftragte Anwaltskanzlei soll nun den Vorwürfen sexuellen Missbrauchs durch Levine nachgehen.

Drei Männer beschuldigen Levine

Archiv - James Levine, damaliger Musikdirektor des Boston Symphony Orchestra, aufgenommen am 07.07.2006 in Lenox (USA). Die Metropolitan Oper in New York läßt eigenen Angaben nach Vorwürfe jahrelanger sexueller Übergriffe ihres Star-Dirigenten James Levine offiziell untersuchen.(zu dpa «Metropolitan Oper untersucht schwere Vorwürfe gegen James Levine» vom 03.12.2017) Foto: Michael Dwyer/AP/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++ | Bildquelle: dpa-Bildfunk/Michael Dwyer Dirigent James Levine, langjähriger musikalischer Direktor der Met | Bildquelle: dpa-Bildfunk/Michael Dwyer Zwei der drei Fälle gehen zurück in die 1960er Jahre. Damals soll Levine einen 17-jährigen Bassisten und einen ebenfalls 17-jährigen Cellisten über einen längeren Zeitraum hinweg mehrfach unsittlich berührt und missbraucht haben. Ein weiterer Mann beschuldigt Levine, sich seit Ende der 1980er Jahre an ihm vergangen zu haben. Das Opfer war zu Beginn der Vorfälle 16 Jahre alt. Dieser Fall wurde bereits im Herbst 2016 bekannt, auch die Polizei ermittelte. Die New York Times zitiert aus den damaligen Berichten der Polizei, die auch der Met vorgelegt worden waren. Eigene Untersuchungen des Opernhauses sind damals offenbar ohne Konsequenzen für den Dirigenten geblieben. Levine selbst beteuerte 2016 laut New York Times gegenüber der Met seine Unschuld - offenbar reichte das aus, um weitere Nachforschungen zu vermeiden.

Peter Gelb, der Geschäftsführer an der New Yorker Met, erklärte, dass in der Führungsebene der Oper immer wieder Anschuldigungen gegenüber Levine kursierten. 1979 waren anonyme Vorwürfe gegen den Dirigenten an den damaligen Direktor der Met, Anthony A. Bliss, herangetragen worden. Bliss antwortete in einem Brief an den Vorstand seines Hauses, dass es daraufhin Gespräche mit Levine gegeben habe. Auch damals kam man zu dem Schluss, dass Levine sich keiner kriminellen Aktivitäten schuldig gemacht habe. Den Vorwürfen gegen den musikalischen Direktor glaubte man damals nicht.

Keine Reaktion von James Levine

Von James Levine selbst gibt es bislang keine Reaktion auf die Veröffentlichung der Vorwürfe. Der 74-Jährige war vierzig Jahre lang musikalischer Direktor an der Met, bereits seit 1971 bestand die Zusammenarbeit mit dem berühmten New Yorker Opernhaus. Über 2500 Mal stand Levine in dieser Zeit am Pult des Metropolitan Opera Orchestra, zuletzt am vergangenen Samstag. Von 1999 bis 2004 war James Levine zudem Chefdirigent der Münchner Philharmoniker. Vor seinem Antritt gab es damals auch in Deutschland Gerüchte über schwerwiegende Verfehlungen, die jedoch ein Engagement nicht verhinderten.

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