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Dirigierwettbewerb in Berlin Zwei für Petrenko

200 Nachwuchsdirigentinnen- und dirigenten aus 15 Nationen haben sich um den Assistenzplatz an der Seite von Kirill Petrenko, Chefdirigent der Berliner Philharmoniker, beworben. Jetzt stehen die Sieger fest. Gleich zweimal vergab die Jury in diesem Jahr den Hauptpreis. Freuen darf sich unter anderem ein waschechter Regensburger.

Kirill Petrenko | Bildquelle: Wilfried Hösl

Bildquelle: Wilfried Hösl

Die Jury konnte und wollte sich nicht entscheiden. Zwei junge Dirigenten teilen sich die Zeit bei Kirill Petrenko, je ein Jahr dürfen Christian Blex aus Koblenz und Oscar Jockel aus Regensburg dem Chefdirigenten der Berliner Philharmoniker assistieren.

2 aus 200

Beide bleiben zwei Jahre Akademisten an der Karajan-Akademie, der Talentschmiede der Philharmoniker. Sie hat den Preis zusammen mit dem "Siemens Art Program" ausgelobt. Stefan Frucht, selbst Dirigent und Leiter des Siemens Programms, erklärt: "Wir fanden das fair, weil die Entscheidung knapp war. Kirill Petrenko konnte sich eine Teilung auch gut vorstellen."

200 junge Dirigenten aus 15 Nationen hatten sich beworben. Vor Publikum und der hochkarätigen Jury durfte drei im Finale das Orchester der Karajan-Akademie im Kammermusiksaal dirigieren, neben Beethovens "Leonore" auch Tschaikowskys "Rokoko-Variationen" und Debussys "Nachmittag eines Fauns". Die Spanierin Isabel Rubio war die dritte im Bunde, sehr temperamentvoll. Sie hat am Schluss aber nicht ganz überzeugen können, denn gewünscht war kein Konzert, sondern eine Probe. Wie reagiert dann das Orchester? Überzeugt die Schlagtechnik? Schwingen alle miteinander?

Der eine kommt von der Alm, der andere von der Rockmusik

Jockel und Blex: Zwei Nachwuchsdirigenten, die künftig mit Kirill Petrenko arbeiten dürfen | Bildquelle: Karajan-Akademie / Stefan Höferath Auf eine Probe kann man sich zwar vorbereiten, aber dann, so Preisträger Oscar Jockel, gilt nur der musikalische Augenblick: "Das kommt spontan, man muss den Moment erkennen, zuhören und sofort regieren, das geht nur mit offenen Ohren." Oscar Jockel kommt wie auch Christian Blex nicht aus einer Musikerfamilie. Jockel komponiert viel, wohnt mal hier, mal dort: "Letztes Jahr habe ich auf einer Alm mit drei Kühen gelebt, hab gemolken in der Steiermark und komponiert, und jetzt ziehe ich wahrscheinlich nach Berlin."

Christian Blex hat Rockmusik gemacht, E-Gitarre gespielt, bevor er die Klassik entdeckte und unter anderem in Oslo studierte: "Wenn mir jemand vor zwei, drei Jahren gesagt hätte, dass ich heute hier stehen würde, den hätte ich für verrückt erklärt. Ich bin so dankbar, auch dafür, wie das Orchester der Karajan-Akademie gespielt hat."

Gute Aussichten

In der Jury unter dem Vorsitz von Kirill Petrenko saß auch Andrea Zietzschmann, die Intendantin der Berliner Philharmoniker: "Für junge Dirigenten ist das der absolute Traum, hier alle großen Dirigenten zu erleben und immer den Zugang zu haben." Fazit: Es ist erstaunlich, wie hervorragend junge Dirigentinnen und Dirigenten auf höchstem Niveau ein Orchester leiten können. Die Zukunft der Klassik ist auf dieser Ebene gesichert.

Sendung: "Allegro" am 25. Oktober 2021 ab 6.05 Uhr auf BR-KLASSIK

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