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DOK.fest München 2019 Filmtipps für Musikliebhaber

1985 gegründet, ging das Dok.fest München anfangs in wenigen Tagen als kleines Festival für Dokumentarfilm-Liebhaber über die Bühne. Heute ist es ein Publikumsmagnet für Cineasten, die den Dokumentarfilm als wahrhaftige Alternative zum Spielfilm ansehen. Auch Preise gehören dazu, wie etwa der jährlich vergebene Deutsche Dokumentarfilm Musikpreis. Vom 8. bis zum 19. Mai bringt das DOK.fest München in verschiedenen Kinos der Landeshauptstadt mehr als 150 Filme. Darunter sind drei, die sich mit Tango Nuevo, "Ballett im Wandel" und "Oper in der Krise" beschäftigen.

"Astor Piazzolla – The Years of the Shark" von Daniel Rosenfeld

Er zählt zu jenen Musikern und Komponisten des 20. Jahrhunderts, die man nach wenigen Tönen erkennt: Der 1992 gestorbene argentinische Bandoneon-Virtuose Astor Piazzolla. Musikalische Lichtfigur für die Anhänger des Tango, aber auch einer, der mit seiner Musik eine neue Dimension für die Jazz- und Klassikszene eröffnet hat. Als "Mörder" hat man ihn seinerzeit unter den Tango-Puristen bezeichnet, weil er sich von der Tradition abwandte.

Still aus "Astor Piazzolla – The years oft he shark" | Bildquelle: DOK.fest München 2019

Bildquelle: DOK.fest München 2019

Trailer "Astor Piazzolla – The Years Of The Shark" von Daniel Rosenfeld. Quelle: DOK.fest München 2019

"Meine Musik ist Musik für Zuhörer nicht für Tänzer", hat Piazzolla zu Lebzeiten seinen zeitgenössischen Tango kommentiert. Dies und mehr erzählt Piazzolla in privaten Archivaufnahmen, die sein Sohn Daniel dem Regisseur Daniel Rosenfeld zur Verfügung gestellt hat. "Astor Piazzolla – The Years of the Shark", ein Porträt über den berühmten Argentinier, das den Piazzolla hinter der Medienfigur Piazzolla zeigt. Der von seiner Liebe zu seinem Vater spricht. Nonino, wie er ihn nennt, ein Friseur, der alles für die Karriere seines Sohnes gegeben hat, ohne selber eine zu machen. Und seine Mutter, eine Amateursängerin, von der er das musikalische talent geerbt hat. "Astor Piazzolla – The Years oft he Shark" ist ein intimes Porträt über einen grandiosen Musiker.

"Draw a line" von Benedict Mirow

Zum Hip-Hop-Rhythmus tanzen die Mitglieder des 2016 gegründeten "Ballet of Difference", zu dem auch Mitglieder des Bayerischen Staatsballetts gehören, eine bizarre Mischung aus klassischem Pas de deux und modernem Breakdance – in einem abgedunkelten Raum der Münchner Muffathalle. Angeleitet werden sie von Richard Siegal. Der 50-Jährige amerikanische Choreograf verbindet in seinen Programmen auf kühne Weise Tanzformen aus unterschiedlichen Ländern und Kulturen. Ein lustvoller Bewegungsmeister, der ebenso detailversessen wie experimentierfreudig ist.

Still aus "Draw a line" | Bildquelle: DOK.fest München 2019

Bildquelle: DOK.fest München 2019

Trailer "Draw a line" von Benedict Mirow. Quelle: DOK.fest München 2019

"Aller Anfang ist schwer, aber wir haben die Chance, etwas zu verändern", so ermuntert Siegal die Tänzerinnen und Tänzer seiner Compagnie in "Draw a line". Der Dokumentarfilm von Benedict Mirow blickt hinter die Kulissen des Ballet of Difference und begleitet die Tänzer ins nigerianische Lagos, wo sie im Austausch mit den dortigen Kollegen zu neuen Dimensionen des Ausdrucks gelangen. Ein Film voll sinnlicher Körperlichkeit, faszinierend, mitreißend.

"Ressaca" von Vincent Rimbaud

"Hilfe für das Theater, Hilfe für die Kultur, Hilfe für Rio, Hilfe für Brasilien", so skandiert ein Musiker des Theatro Municipal von Rio de Janeiro, dessen Belegschaft eine Demonstration veranstaltet, im Film "Ressaca" von dem Franzosen Vincent Rimbaud. Seit Monaten haben die Sänger, Tänzer und Musiker keinen Lohn mehr bekommen. Misswirtschaft und Korruption haben das Stadttheater an den Rand der Insolvenz getrieben. An Einzelschicksalen zeigt Regisseur Rimbaud, das es jeden getroffen hat und treffen kann.

Still aus "Ressaca" | Bildquelle: DOK.fest München 2019

Bildquelle: DOK.fest München 2019

Trailer "Resacca" von Vincent Rimbaud. Quelle: DOK.fest München 2019

Den Platzanweiser Joao, der seit über drei Jahrzehnten dabei ist und schon kurz vor der Rente steht, ebenso, wie den jungen Tänzer Filipe, der nebenbei Taxi fährt. Beide sind wie alle anderen auf die Reis- und Bohnenlieferungen angewiesen, die das Theater für seine Mitarbeiter erhält. Gespielt wird nur, solange das Geld reicht. Nur Prima-Ballerina Marcia Jaqueline schafft den Absprung ans Salzburger Landestheater. Vorher verabschiedet sie sich mit einem Solo zu Orffs Carmina Burana. "Ressaca", was auf deutsch "einen Kater bekommen" bedeutet, ist ein berührendes Plädoyer über die Notwendigkeit und Berechtigung von Konzert, Ballett und Oper im öffentlichen Kulturangebot.

Infos zum DOK.fest 2019

Zu sehen ist "Astor Piazzolla – The years of the shark" auf dem Münchner Dokfest ab Freitag, 10. Mai. "Draw a line" ist am 18. und 19. Mai zu sehen. Ab 11. Mai läuft "Ressaca".

Weitere Infos zu den Filmen und in welchem Kino in München sie wann laufen finden sie unter dokfest-muenchen.de



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