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DOK.fest München Filmtipps für Musikliebhaber

Vom 3. bis 14. Mai zeigt das DOK.fest 157 internationale Dokumentarfilme auf Münchner Leinwänden. Auch zum Thema Musik hat das Festival einiges zu bieten: vom Jetset-Stargeiger und Model Charlie Siem bis zu singenden Häftlingen aus russischen Strafkolonien. Die musikalischen Tipps der BR-KLASSIK-Redaktion.

DOK.fest München: "Die Kinder von Babel" | Bildquelle: DOK.fest München "Die Kinder von Babel"

Bildquelle: DOK.fest München "Die Kinder von Babel"

"DIE KINDER VON BABEL"

Schweiz 2016. Regie: Lena Mäder

Omar, Taymaz, Sofiia und Apsarah sind Kinder mit Migrationshintergrund und leben im Luzerner BaBeL-Quartier. Hier ist es laut, schmutzig und manchmal auch gefährlich. Auf der anderen Flussseite gehen die Vier zur Schule und besuchen die erste und zweite Klasse, außerdem spielen sie mit 25 anderen Kindern bei den "BaBeL-Strings". Dieses Orchester bietet den Schülern zweimal wöchentlich die Gelegenheit, Geige, Cello oder Kontrabass zu erlernen und klassische Stücke zu üben, um sie dann öffentlich aufzuführen. Beim Spielen funkelt und glänzt es in den Augen der Kinder, doch können sie dieses Funkeln beibehalten, wenn sie wieder in ihren Lebensalltag zurückkehren? Lena Mäder begleitet Omar, Taymaz, Sofiia und Apsarah bei den Proben und zu Hause in ihren Familien. Ein zarter Film mit einem großen Finale.

"A Modern Man"

Dänemark, Deutschland 2017. Regie: Eva Mulvad

Der 31-jährige Charlie Siem ist schön, sportlich, reich und extrem erfolgreich. Der Sohn eines norwegischen Milliardärs und einer Südafrikanerin bekam mit drei Jahren Violinunterricht und ist heute viel gefragter Stargeiger. Zwischen den Auftritten verbringt er seine Zeit mit Shoppen von teuren Autos und maßgeschneiderten Anzügen, Pendeln zwischen den Häusern in Monte Carlo, London und Florenz, Modeln für Armani und Hugo Boss. Regisseurin Eva Mulvad zeigt Charlie Siem in einem intimen Porträt und thematisiert darin das Drama des begabten Kindes: Wofür lebt Charlie, wenn er schon alles hat, wofür andere kämpfen müssen? Und macht Erfolg einsam?

"Von Sängern und Mördern"

Deutschland 2016. Regie: Stefan Eberlein

"Tempel der Musik" nennt Maxim das improvisierte Musikstudio aus Eierkartons. Jeden Tag tragen befreundete Gefängnisinsassen Maxim, der im Rollstuhl sitzt, hierher, um zu proben und Songs aufzunehmen. Der Ex-Marihuana-Dealer befindet sich seit sechs Jahren in Haft - seit sechs Jahren nimmt er auch am "Roten Holunder" teil: dem populärsten Gesangswettbewerb Russlands, in dem verurteilte Verbrecher wöchentlich ein Millionenpublikum im Radio begeistern. Stefan Eberlein porträtiert in seiner melancholischen Dokumentation Schmuggler, Räuber und Mörder, die in russischen Strafkolonien sitzen - und deren Gesangslust sie durch den trostlosen Alltag rettet.

"Ganz große Oper"

Deutschland 2017. Regie: Toni Schmid

"Bestes Opernhaus", "Bestes Orchester", "Bester Chefdirigent": Die Staatsoper München hat schon viele internationale Preise gewonnen. Hinter den Stars in der ersten Reihe wie Jonas Kaufmann oder Kirill Petrenko sorgen im Verborgenen mehr als 800 Angestellte und knapp 400 freie Kräfte für einen reibungslosen Ablauf. Toni Schmid wirft in seinem Film einen Blick hinter die Kulissen des Betriebs, führt Gespräche mit dem Intendanten Nikolaus Bachler, den Dirigenten Sir Peter Jonas, Zubin Mehta, aber auch mit Orchestermusikern oder Garderobenfrauen.

"RUMBLE - THE INDIANS WHO ROCKED THE WORLD"

Kanada 2017. Regie: Catherine Bainbridge, Alfonso Maiorana

Der verzerrte Gitarrensound von Link Wrays Rockklassiker "Rumble" (1958) ist weltbekannt. Was nur wenige wisen: Wray stammte, wie auch die Musiklegenden Robbie Robertson, Jimi Hendrix oder Randy Castillo, von nordamerikanischen Ureinwohnern ab. Zum ersten Mal zeigt ein Dokumentarfilm, wie Künstler mit indigenen Wurzeln Rock, Blues, Folk, Jazz und Pop prägten. Die Dokumentation verknüpft Konzertmitschnitte, Archivaufnahmen und Interviews und versammelt das Who is Who der Szene von Iggy Pop über Marky Ramone und Robert Trujillo bis zu Tony Bennett.

"LIBERATION DAY"

Lettland, Norwegen, Slovenia 2016. Regie: Uģis Olte, Morten Traavik

Im August 2015 reiste die slowenische Avantgarde-Kunst-Kultband Laibach nach Nordkorea: Zum 70. Jahrestag der Unabhängigkeit Nordkoreas von Japan hatte die Band zwei Konzerte in der Hauptstadt Pjöngjang geplant. Ein Filmteam begleitete Laibach auf ihrer Tour in das bis heute am besten abgeschottete Land der Welt und dokumentierte in einem ironischen "Documentary Musical" die Proben bis zum Auftritt vor 1.500 nur mäßig begeisterten Zuhörern.

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