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Missbrauch bei den Regensburger Domspatzen Zwischenbericht zur Aufarbeitung

Seit Februar trifft sich ein Kuratorium zur Aufarbeitung des Missbrauchsskandals bei den Regensburger Domspatzen. Morgen präsentiert das Gremium, in dem Vertreter von Kirche, Domspatzen und Opfern sitzen, einen Zwischenbericht.

Schule der Regensburger Domspatzen | Bildquelle: picture-alliance/dpa

Bildquelle: picture-alliance/dpa

Der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer wird morgen erstmals gemeinsam öffentlich mit Betroffenen von Missbrauch und Misshandlung bei den Regensburger Domspatzen auftreten. Bei einer Pressekonferenz wollen die Mitglieder des Kuratoriums einen ersten Zwischenbericht zur Aufarbeitung der Vorfälle geben. Auch der aktuelle Direktor des Domspatzen-Internats, Rainer Schinko, nimmt teil, ebenso die Opfer-Vertreter Alexander Probst und Peter Schmitt.

"System der Angst"

Rechtsanwalt Ulrich Weber | Bildquelle: picture-alliance/dpa Ulrich Weber | Bildquelle: picture-alliance/dpa Dem Vernehmen nach verliefen die bisherigen Treffen in konstruktiver Atmosphäre. Bei dem weltberühmten Knabenchor kam es zwischen 1953 und 1992 in Hunderten Fällen zu körperlicher und sexueller Gewalt. Der Regensburger Rechtsanwalt Ulrich Weber untersucht die Vorfälle seit Mai 2015. In einem Zwischenbericht sprach der unabhängige Sonderermittler im Januar von einem "System der Angst", das jahrzehntelang in den Einrichtungen der Domspatzen geherrscht habe. Weber war es auch, der das Kuratorium ins Leben rief.

Hunderte Fälle

Die Zahl der Prügel- und Misshandlungsfälle gab Weber damals mit 231 an, die der sexuellen Übergriffe mit 62. Auch nach dem Bericht meldeten sich mehrere Dutzend weitere ehemalige Domspatzen bei dem Juristen. Allein in den ersten zehn Tagen nachdem Weber seinen Bericht präsentierte, meldeten sich 60 weitere Opfer körperlicher Gewalt. Voderholzer, seit Januar 2013 Bischof von Regensburg, räumte am 24. Januar in einer Predigt ein, dass "die in der Vergangenheit immer wieder unternommenen Versuche einer Selbstkorrektur zu wenig wirksam" gewesen seien. Für die Taten gebe es keine Rechtfertigung. Oberstes Ziel der Aufarbeitung sei, den Opfern Anerkennung, Genugtuung und so "vielleicht auch ein wenig Heilung ihrer schweren Wunden zu verschaffen".

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