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Bert Brechts "Dreigroschenoper" Fünf kuriose Fakten

Mit ihrer "Dreigroschenoper" landeten Bertold Brecht und Kurt Weill einen Welterfolg. Jetzt steht das Werk, mit seinem Welthit die Moritat von "Mackie Messer", wieder im Mittelpunkt. Am 13. September kommt Joachim Langs "Mackie Messer – Brechts Dreigroschenfilm" in die Kinos. BR-KLASSIK-Autorin Denise Maurer stellt fünf interessante Dinge über das Original von 1928 vor.

Die Hauptdarsteller der Dreigroschen-Oper: Ponto, Valletti, Paulsen, Bahn, Gerron". - Zeichnung aus der  Berliner Zeitung von der Urauffuehrung im Theater am Schiffbauerdamm 31.8.1928 | Bildquelle: picture-alliance / akg-images

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1. Das erfolgreichste Lied der Dreigroschenoper

Der Welthit die Moritat von "Mackie Messer" - im Jazz besser bekannt als "Mack the Knife" - wurde von Ella Fitzgerald, Campino von den Toten Hosen, Robbie Williams, Udo Lindenberg sowie über 200 weiteren Künstlern gecovert. Leonard Bernstein brachte die "Dreigroschenoper" 1952 an den Broadway. Als Luis Armstrong "Mack the Knife" bekannt machte und die swingende Version von Bobby Darin die Charts stürmte, war der Weg zum Jazz-Standard frei. Und doch bleibt die Originalstimme von Lotte Lenya mit ihrer schaurigen Jahrmarktsatmosphäre einfach unvergessen.

2. Pannen, Zweifel und erfinderische Not

"Mackie Messer", die erfolgreichste Nummer der "Dreigroschenoper" entstand in letzter Sekunde, kurz vor der Premiere am 24. August 1928. Der Premierentermin stand, die Musik nicht. Zudem lief damals noch so einiges schief: Der Regisseur Erich Engel sowie einer der Hauptdarsteller sprangen ab. Rosa Valetti, die die Frau des Jonathan Peachum darstellte, drückte mit den Worten: "Saustück! So was sing ich nicht!", ihren Widerwillen aus, und Harald Paulsen alias "Mackie Messer" verlangte nach einer angemessenen musikalischen Einführung seiner Rolle. Über Nacht schrieb Kurt Weill die Musik zur Moritat "Mackie Messer" mit der Anfangszeile "Und der Haifisch, der hat Zähne!" Für seine Musik zur "Dreigroschenoper", die sich zwischen zeitgenössischer Tanzmusik, Jazz und Neoklassizismus bewegt, wurde Weill zwar auch gerügt, erlangte damit aber letztlich Weltruhm.

3. Das Dreigroschenpaar

Es war sicherlich kein Zufall, dass Lotte Lenya bei der Premiere die Spelunken-Jenny spielen durfte. Zwei Jahre zuvor haben sie und Kurt Weill geheiratet. Die erste Begegnung zwischen den beiden war so unkonventionell wie ihre spätere Beziehung: Lenya sollte 1924 Weill für den Dramatiker Kaiser, bei dem sie als Dienstmädchen arbeitete, abholen. Dafür nahm sie ein Ruderboot und wählte die Route über den Peetzsee. Lenya, eine sinnliche Wienerin aus ärmlichen Verhältnissen, ruderte schließlich mit dem schüchtern-vergeistigten Weill zurück. Das war der Beginn einer aufregenden Beziehung mit Aufs und Abs, einer Scheidung und zwei Hochzeiten.

Sie hat mich geheiratet, weil sie gern das Gruseln lernen wollte, und sie behauptet, dieser Wunsch sei ihr in ausreichendem Maße in Erfüllung gegangen.
Kurt Weill

4. Welterfolg

Die Premiere der "Dreigroschenoper" stand unter keinem guten Stern. Man spekulierte darüber, wie dieses neuartige Stück Musiktheater beim Berliner Publikum ankommen würde. Anfangs war die Premierenstimmung eisig, ohne viele Reaktionen - selbst bei "Mackie Messer". Doch plötzlich änderte sich alles. Beim "Kanonenlied" gab es spontanen, entfesselten Beifall. Unverzüglich folgte eine Zugabe. Der Beginn einer Erfolgsgeschichte. Nach der Premiere wurde das Werk innerhalb von fünf Jahren über 10.000 Mal in Europa aufgeführt und in 18 verschiedene Sprachen übersetzt.Die "Dreigroschenoper" wurde zum erfolgreichsten deutschen Theaterstück des 20. Jahrhunderts.

5. Der Dreigroschenprozess

Auch die Filmindustrie interessierte sich bald für den Stoff, und Bertold Brecht wurde beauftragt, ein Film-Exposé zu schreiben. Weil die Geschichte aber eine antikapitalistische Richtung einschlug, überging man seine Entwürfe fast vollständig. Für Brecht und Weill ein Skandal: Sie zogen vor Gericht. Den Streit über geistiges Eigentum gibt es nun mit Starbesetzung in den deutschen Kinos zu sehen. Joachim Lang führt Regie, Lars Eidinger gibt den Bert Brecht.

Sendung: "Leporello" am 12. September 2018, 16:05 Uhr auf BR-KLASSIK

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