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Dirigent Simon Rattle mahnt "Der Exodus hat begonnen"

Britische Künstler wie die Geigerin Tasmin Little und der Pianist Stephen Hough erzählen im "Observer" von der Verzweiflung ihrer Kolleginnen und Kollegen. Der Dirigent Simon Rattle befürchtet sogar, dass viele Musikerinnen und Musiker ihren Beruf wechseln und nie mehr zurückkehren.

Sir Simon Rattle und das London Symphony Orchestra | Bildquelle: Mark Allan

Bildquelle: Mark Allan

In der Sonntagszeitung "Oberserver" vom 25. Oktober haben sich britische Künstler wie die Geigerin Tasmin Little, der Pianist Stephen Hough und der Dirigent Simon Rattle über die aktuelle Lage in der britischen Klassikszene geäußert. Sie erzählen, dass viele gut ausgebildete Orchestermusiker verzweifelt sind und die Musik aufgegeben haben, da sie diesen Herbst um ihre Existenz fürchten.

Sorge um freiberufliche Musiker

Anfang des Monats gab es zwar ein Rettungspaket für Orchester und Musikfestivals in Großbritiannien. Auch Rattle und "sein" Orchester, das London Symphony Orchestra, sind finanziell unterstützt worden, was der Dirigent als "Glück" bezeichnet. Dennoch sorgt er sich, dass die Mehrheit der freiberuflichen Musikerinnen und Musiker nicht abgesichert ist, auch weil aktuell nur wenige Konzert wegen der Corona-Auflagen möglich sind.

Die überwiegende Mehrheit der Freiberufler befindet sich in einer verzweifelten Situation.
Sir Simon Rattle

Konzerte finden statt, aber selten

Sir Simon Rattle und das London Symphony Orchestra | Bildquelle: Mark Allan Seit September 2017 Chefdirigent des London Symphony Orchestra: Sir Simon Rattle | Bildquelle: Mark Allan Institutionen und Orchester wie das London Symphony Orchestra, BBC Radio 3, die Wigmore Hall in London oder die Snape Maltings Concert Hall in Suffolk versuchen, seit dem Lockdown so viele Konzerte wie möglich vor einem reduzierten Publikum aufzuführen. Dennoch kann damit nur ein Bruchteil der Musikerinnen und Musiker aufgefangen werden. Simon Rattle spricht im Observer von einem Exodus unter den Künstlern und fürchtet, dass viele nicht mehr zurückkehren könnten.

Dieser Exodus findet gerade statt und wird erst bemerkt, wenn es zu spät ist.
Simon Rattle

Die Geigerin Tasmin Little hat sich schon vor der Pandemie dazu entschlossen, ihre Karriere zu beenden. Aber sie kämpft für ihre Kolleginnen und Kollegen. Im Observer sagt sie, dass viele Musikerinnen und Musiker aktuell arbeitslos sind, die Menschen aber trotzdem überall Musik erwarten – im Radio, im Fernsehen und im Kino. Musikerinnen und Musiker sind wertvoll, so Little – für die Kultur, aber auch für die Wirtschaft.

Sendung: "Leporello" am 26. Oktober 2020 ab 06:05 Uhr auf BR-KLASSIK

Kommentare (3)

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Freitag, 30.Oktober, 10:52 Uhr

Stefan Sack

Professionelle Konzerte und Unterricht

Kann nicht sein dass die Politik die Klassik zerstört LG Stefan Violine Viola Germany Professionelle Konzerte zusammenschliessen und gemeinsam professionell musizieren gerade jetzt

Donnerstag, 29.Oktober, 02:19 Uhr

Sylvia Kreye

Unlogisch, ungerecht und unverantwortlich

Wieder einmal wird die Krise auf dem Rücken der Kulturschaffenden sowie der Solo-Selbstständigen ausgetragen! Wieder einmal muss die Veranstaltungsbranche für Versäumnisse der Politik und für das Verhalten einiger uneinsichtiger Bürger herhalten! Dass ausgerechnet die Gastronomiebetriebe schließen müssen und sämtliche Veranstaltungen abgesagt werden, während in den Schulen über 30 Kinder in beengten Klassenräumen zusammengepfercht werden, erschließt sich mir beim besten Willen nicht! Warum müssen sich Arbeitnehmer*innen Tag für Tag in überfüllte Züge und Busse quetschen – nur um die Wirtschaft am Laufen zu halten? Warum werden sie stattdessen nicht ins Home-Office geschickt? Wenn man schon einen Lockdown beschließt, dann sollte man auch die anderen Branchen und Lebensbereiche stärker ins Visier nehmen! Dass immer nur die Kulturschaffenden und Solo-Selbstständigen die Zeche zahlen müssen, ist nicht länger hinzunehmen! Das ist unlogisch, ungerecht und unverantwortlich!

Montag, 26.Oktober, 16:19 Uhr

Olshausen, Wolfgang

Exodus

Bis heute (nach sieben Monaten "Pandemie") hat keine nachvollziebare, verfassungsrechtlich dringend verlangte Prüfung der Verhältnismäßigkeit zwischen dem Nutzen der Maßnahmen (bei einer von der WHO zwischenzeitlich bestätigtenSterblichkeitsquote von 0,2) und den uns jahrelang belastenden Folgen der Pandemie stattgefunden. Die Hilfspakete sind reine Symbolpolitik. Unsere Kinder schicken wir in ei dauerhaftes Trauma und dir Eltern lassen wir damut allein.
Der öffentliche Dienst vereinbart im Gegenzug eine Gehaltserhöhung! Gute Nacht Deutschland und Europa.

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