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Die Sopranistin Gabriele Schnaut wird 70 Jahre alt Hochdramatisch, aber keine Diva

Sie stammt aus Mannheim und lebt heute am Tegernsee. Vom Alt über den Mezzosopran bis zum hochdramatischen Sopran hat sich Gabriele Schnaut emporgesungen. Über ein Vierteljahrhundert schaffte sie es, sich in diesem Stimmfach auf allen großen Bühnen der Welt zu behaupten: Isolde in Hamburg, Elektra in Paris, Brünnhilde in New York, Turandot in Salzburg, Kundry in München, Ortrud in Bayreuth – alles Partien, die eine große Stimme und eine großartige Sängerdarstellerin erfordern. Das hat sie und das ist sie: Gabriele Schnaut, die am 24. Februar ihren 70. Geburtstag feiert.

Gabriele Schnaut | Bildquelle: © Anne Kirchbach

Bildquelle: © Anne Kirchbach

Das Porträt zum Anhören

Im Foyer des Münchner Nationaltheaters, 2. Rang links: Da steht eine blonde Dame im Halbprofil vor schroffer Bergkulisse – eine moderne Brünnhilde, die auf dem Walkürenfelsen nach Wotan Ausschau hält? Tatsächlich ist es die Sopranistin Gabriele Schnaut, die sich in Abendrobe auf einer Almwiese des Karwendelgebirges von Depeche Mode-Photograph Anton Corbijn ablichten ließ. Keinesfalls wollte sie als pompöses Ölgemälde ihr überzeitliches Dasein in der Porträtgalerie der Bayerischen Staatsoper fristen – hätte auch nicht zu ihr gepasst. Diese Künstlerin gehört zwar zu den weltweit führenden Brünnhilden, Elektras und Turandots der letzten 25 Jahre, aber eine Diva ist sie nicht. Nur eine Frau, die weiß, was sie kann; zum Beispiel vierstündige Wagner-Opern ohne Schaden überstehen. Und das sei nicht nur eine Frage der Technik, findet die Sängerin.

Das Instrument ist wichtig

Die Sopranistin Gabriele Schnaut als Euphrat in Jörg Widmanns "Babylon" an der Bayerischen Staatsoper | Bildquelle: picture alliance / dpa | Frank Leonhardt Die Sopranistin Gabriele Schnaut als Euphrat in Jörg Widmanns "Babylon" an der Bayerischen Staatsoper | Bildquelle: picture alliance / dpa | Frank Leonhardt "Es hängt natürlich auch damit zusammen, dass man das Instrument für diese Rollen hat", erklärt Gabriele Schnaut. "Ich sage immer: Sie können kein Stück, das für Posaune komponiert wurde, auf einer Querflöte blasen. Sie ruinieren das Instrument. Das ist mit der Stimme genauso."
Das pssende Instrument hat Gabriele Schnaut zweifellos. Außerdem war sie klug genug, ihrem kolossalen Stimme Zeit zur Entwicklung zu lassen. Während des Studiums an der Frankfurter Hochschule sang sie als Altistin in der Gächinger Kantorei, dann ging sie als Mezzosopran nach Stuttgart, Darmstadt und in ihre Geburtsstadt Mannheim. Erst 1985, mit knapp 35 Jahren, stieg sie mit Wagners Isolde die letzte Stufe hinauf zum hochdramatischen Sopran. Einige Jahre später folgte dann Strauss' Elektra, eine ihrer ganz großen Rollen. 

Keine Angst vor der Moderne

1997 wird sie von der Zeitschrift "Die Deutsche Bühne" als "einzige echte, hochdramatische Sängerdarstellerin unserer Zeit" gefeiert. Damals gehörte sie zu den wenigen Interpretinnen, die sich im schweren Wagnerfach in Bayreuth, Salzburg, Paris, Mailand und New York die Klinke in die Hand gaben. Außerdem hat Gabriele Schnaut weder Angst vor modernem Regietheater noch vor zeitgenössischer Musik: Mit Aribert Reimann, Jörg Widmann und Wolfgang Rihm kam sie genauso klar wie mit Ruth Berghaus, David Pountney oder David Alden.

Tote Helden herumzerren

Unangenehm wird Gabriele Schnaut nur, wenn ein Regisseur schlecht vorbereitet ist. Denn die Sängerin denkt und fühlt ihre Bühnenfiguren, sie identifiziert sich mit ihnen. Das kam auch Charakterrollen wie Klytämnestra, Herodias oder Janaceks Küsterin zugute, die sie sich in den letzten Jahren erschlossen hat. Auf der Bühne zerrt sie fachbedingt oft tote Helden herum, stellt mörderische Fragen oder schwingt die Axt, aber sie kann auch ein Kind in den Schlaf singen. Zu so viel künstlerischer Vielfalt gratulieren wir – und natürlich zum 70. Geburtstag!

Sendung: "Allegro" am 24. Februar 2021 ab 6:05 Uhr auf BR-KLASSIK

Kommentare (1)

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Donnerstag, 25.Februar, 14:55 Uhr

Kunzenbach

Gabi Schnaut

Gabi Schnaut
Tolle Sängerin, tolle Sendung am Montag 22. abends (eine Stunde).
Nur wer hat das getextet (BR-Klassik-Programm): "Aus Opern von Ludwig van Beethoven, Johann Sebastian Bach, Richard Strauss, Franz Schreker, Giacomo Puccini und Richard Wagner
Präsentiert von Alexandra-Maria Dielitz"
Habe ich was verpasst?? Wann und wo wurde eine Oper von Bach entdeckt?
Kunzenbach

BR-KLASSIK: Freut uns sehr, dass Ihnen die Sendung gefallen hat. Frau Schnaut ist eine tolle Künstlerpersönlichkeit. In die Sendungsankündigung hat sich wohl der "Opernwurm" eingeschlichen, sorry! Da werden wir demnächst besser aufpassen …

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