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Die Saison 2020/21 am Münchner Gärtnerplatztheater Raus aus der Versenkung

Der Gärtnerplatz brummt: Seit dem 15. Juni läuft der Spielbetrieb am Münchner Gärtnerplatztheater wieder auf Hochtouren. Am 8. Juli hat Josef E. Köpplinger seine Pläne für die neue Saison vorgestellt. Der Intendant weiß: Über ihren Erfolg entscheiden nicht nur die insgesamt elf Premieren, sondern auch, wie flexibel das Haus mit der Corona-Situation umgeht.

Das Gärtnerplatztheater in München. | Bildquelle: BR/Johanna Schlüter

Bildquelle: BR/Johanna Schlüter

Er sei ein Theatertier – einer, der für die Bühne brenne. Das habe er deutlich gemerkt, als sein Haus wegen Corona geschlossen war, erzählt Josef E. Köpplinger im Gespräch. Und tatsächlich: Der Intendant des Gärtnerplatztheaters ist einer, der von Beginn des Lockdowns an die Rückkehr auf die Bühne plante. Theater lebe eben von der Livesituation. Streaming sei dafür nur ein schaler Ersatz. Kein Wunder, dass der Spielbetrieb am Haus seit dem 15. Juni wieder so richtig läuft. "Bis zum 23. Juli spielen wir exakt 70 Vorstellungen. Bei so einem großen Haus ist das in München momentan ein Alleinstellungsmerkmal. Darauf sind wir sehr stolz. Das geht aber nur, weil wir unsere Leute wirklich schützen."

Kritik an strengen Regelungen im Kulturbereich

Und was für die eigenen Leute gilt, das gilt auch fürs Publikum. Bis zu 100 Zuschauer dürfen derzeit ins Große Haus. Köpplinger folgt damit den Vorgaben der Bayerischen Staatsregierung. Auch wenn er sie mittlerweile für überholt hält. "Am liebsten möchte ich natürlich alles haben! Da kommt wohl das Einzelkind in mir durch. Ich bin aber nicht unvernünftig. Ich sage nicht einfach: Macht auf! Aber wenn man durch die Stadt geht, die Menschen zu hunderten zusammensitzen sieht und nichts wird unternommen, dann verstehe ich nicht, wieso im Theaterbereich nicht weiter gelockert wird – obwohl die Menschen dort viel besser geschützt sind durch Masken und Abstandsregeln. Obwohl dort sogar die Toilettengänge kontrolliert werden. Ich bleibe dabei: Das ergibt keinen Sinn!"

Ich hoffe, dass wir bald ein Schachbrettmuster haben, also jeden zweiten Platz besetzen können.
Joseph E. Köpplinger

Elf Premieren

Regisseur Josef E. Köpplinger / Intendant am Gärtnerplatztheater | Bildquelle: © Sarah Rubensdörffer Josef E. Köpplinger, Intendant des Staatstheaters am Gärtnerplatz in München | Bildquelle: © Sarah Rubensdörffer Ob mit oder ohne Schachbrettmuster – das Staatstheater am Gärtnerplatz ist vorbereitet für die neue Saison. Köpplinger weiß: Angesichts der unwägbaren pandemischen Situation ist Flexibilität das A und O. Und dass sein Theater flexibel sei, habe man während der langen Umbauzeit ja hinreichend bewiesen. Insgesamt elf Premieren sind in der kommenden Saison geplant. Das Programm ist gewohnt divers. So reicht das Spektrum von klassischem Musiktheater wie Tschaikowskys "Eugen Onegin" über die Uraufführung einer zeitgenössischen Oper von Johanna Doderer, die sich auf die Spuren Franz Schuberts begibt, bis zu einem "komischen Oratorium", dessen Titel nicht zufällig an einen Kultfilm erinnert: "Das Leben des Brian".

Die neue Saison am Münchner Gärtnerplatztheater

Die Details zum Programm des Staatstheaters am Gärtnerplatz in der Saison 2020/21 finden Sie hier.

Im Notfall: Kammer- statt großer Oper

Große Oper, fette Besetzung – das ist in diesen Zeiten natürlich ein Wagnis. Deshalb habe man vorgesorgt, so Köpplinger: "Besondere Zeiten verlangen eben besondere Maßnahmen. Das steht auch ganz deutlich in unserem Spielzeitheft. Wir werden die angekündigten Premieren in jedem Fall durchführen. Wenn es sein muss, dann eben in kammermusikalischen Fassungen. Für manche Werke existieren die schon, für andere werden sie extra von uns hergestellt. Immer mit dem Ziel, dass sowohl auf der Bühne als auch im Graben ein möglichst originaler Klang entsteht."

Ob alles so kommt wie geplant, weiß derzeit niemand. Aber das Gärtnerplatztheater hat zumindest ein Programm entworfen, das sicherstellt, dass etwas kommt – in welcher Form auch immer. Und das, sagt Köpplinger, sei schlussendlich das Wichtigste.

Wir dürfen die Kunst auf keinen Fall in der Versenkung verschwinden lassen. Da war sie lange genug. Jetzt wird es Zeit, das man sie wiederbelebt!
Josef E. Köpplinger

Sendung: "Leporello" am 8 Juli 2020 auf BR-KLASSIK

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