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Gundula Janowitz zum 80. Geburtstag Ein schimmernder Sopran-Diamant

Eines war Gundula Janowitz immer: unverwechselbar. Für ihre Fans streifte ihr Sopran stets die Bezirke des Himmlischen. Die Makellosigkeit ihrer künstlerischen Erscheinung war stets mit einer gewissen Zurückhaltung gekoppelt. Um Repertoiregrenzen kümmerte sie sich nicht und schenkte der Oper und dem Kunstlied ebenso ihre Aufmerksamkeit wie der leichten Muse. Am 2. August wird die Sängerin 80 Jahre alt.

Opernsängerin Gundula Janowitz | Bildquelle: picture alliance / United Archives/Pilz

Bildquelle: picture alliance / United Archives/Pilz

Das Porträt zum Anhören

Ihre Stimme erkennt man sofort, ganz egal, welche ihrer Aufnahmen man sich vergegenwärtigt: Gundula Janowitz führt ihren silbrig schimmernden Sopran-Diamanten stets instrumental, umgeht gekonnt die Gefahr etwaiger Tonhöhenschwankungen. Eine ebenmäßige, in der Höhe leuchtkräftige Vokallinie ist ihr wichtiger als Textverständlichkeit. Die demütige Dienerin der Musik harmoniert im wahren Leben allerdings nicht mit jedem Kollegen. "Es gibt drei Dinge, die man sich gut aussuchen soll. Erstens, mit wem man zusammen isst. Zweitens, mit wem man Musik macht. Und drittens auch, mit wem man schläft", postuliert die Sängerin unverblümt. "Da alle drei Dinge mit Intimität zu tun haben, können Sie sich vorstellen: Man muss sich wirklich sehr, sehr gut verstehen."

Der Operngesang ist wahrscheinlich immer eine Effektsache.
Gundula Janowitz.

Unterkühlte Makellosigkeit

Für ihre manchmal unberührt, manchmal unnahbar wirkenden Bühnengestalten verdient Gundula Janowitz den größten Respekt. Mozarts Pamina und Gräfin Almaviva, Donna Anna und Fiordiligi - Frauenrollen, wie geschaffen für diese Sängerin, allein aufgrund ihres Markenzeichens: unterkühlte Makellosigkeit! Bei Richard Strauss kommen später jugendlich-dramatische Partien wie Ariadne oder Arabella hinzu. Auch Wagner-Partien wie Elisabeth oder Eva gelingen der Janowitz kaum weniger als Carl Maria von Webers Agathe, wie in der famosen Dresdner Referenzeinspielung des "Freischütz" durch Carlos Kleiber dokumentiert ist.

Glasklares Timbre

Opernsängerin Gundula Janowitz | Bildquelle: picture-alliance/dpa Gundula Janowitz | Bildquelle: picture-alliance/dpa "Der Operngesang ist wahrscheinlich doch immer eine Effektsache", sagt Gundula Janowitz. "Das Lied hingegen ist viel verinnerlichter. Wer mir zuhören will, sei mir besonders in diesem Genre herzlich willkommen." Zu dieser Aussage passt, dass die Janowitz nicht nur im Reich der Oper als große Sängerin gilt. Auch auf dem Konzertpodium, im Oratorien- und Liedrepertoire, findet sie dankbare Aufgaben für ihr glasklares Timbre, das bisweilen knabenhaft keusch anmutet, manchem Verehrer schlicht himmlisch erscheint. Karriere macht die junge Dame österreichisch-ungarischer Herkunft, die in Graz studiert, nicht nur an der Deutschen Oper ihrer Geburtsstadt Berlin, sondern relativ schnell auch an der Staatsoper Wien: Dem Haus am Ring bleibt sie wie keiner anderen renommierten Adresse der Szene über Jahrzehnte verbunden. Auch bei den Salzburger Festspielen reüssiert sie, während Bayreuth, Glyndebourne und Aix-en-Provence für sie ähnlichen Episodencharakter haben wie die MET in New York, die Pariser Opéra oder das Londoner Royal Opera House Covent Garden.

Frühzeitiger Abschied

Den Rückzug aus dem Rampenlicht startet die Janowitz lange, bevor ihrem Gesang Verschleißerscheinungen nachgesagt werden können: Abschied von den Fans zu nehmen, ist nicht für jede Diva ein Problem. Zumal die Janowitz im Nachhinein damit haderte, durch die Förderung Herbert von Karajans viel zu schnell ganz nach oben gekommen zu sein - statt Zeit und Ruhe für einen allmählichen Reifeprozess gehabt zu haben: "Wenn ich noch einmal anfangen müsste - und zwar ohne die Hilfe eines großen Dirigenten -, dann würde ich lieber in der Provinz anfangen."

Sendungen:
Allegro, 02. August 2017, 06.05 Uhr auf
BR-KLASSIK
Cantabile, 05. August 2017, 13.05 Uhr auf BR-KLASSIK - Zum 80. Geburtstag der Sopranistin Gundula Janowitz

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