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20 Jahre Gut Immling Eine Reithalle wird zum Opernhaus

Oper im Grünen - das gibt es auf Gut Immling im Chiemgau. Seit mittlerweile 20 Jahren tanzt Papageno über die Bühne der umgebauten Reithalle. Mozarts "Zauberflöte" gehört in Immling zu den meistgespielten Opern. Auch die Jubiläumssaison wird mit diesem Stück eröffnet.

Abendstimmung auf Gut Immling | Bildquelle: © Festspiele Immling / Walter Ulrich

Bildquelle: © Festspiele Immling / Walter Ulrich

20 Jahre Gut Immling

Eine Reithalle wird zum Opernhaus

Etwa 365 Mal hat Ludwig Baumann weltweit den Papageno in seinem Leben gesungen und einige Male selbst inszeniert. Die "Zauberflöte" ist seine Leib- und Magenoper. Ein Bühnenunfall in der Dresdner Semperoper beendete 1994 jäh seine Sängerkarriere. Ohne diesen Schicksalsschlag gäbe es das Opernfestival auf Gut Immling wahrscheinlich nicht. Mit Musik wollte Baumann unbedingt weiterarbeiten und organisierte drei Jahre später in seiner Chiemgauer Heimat mit Freunden eine "Zauberflöten"-Aufführung. "Wir wollten das auf einem Baggersee hier in der Nähe machen", beginnt Baumann zu erzählen. "Aber dann hat es geregnet und geregnet. Die Bühne ist uns abgesoffen, und wir mussten ausweichen." Er habe gerade die Reithalle neu gebaut gehabt, erzählt Baumann. Auf die Schnelle hätten sie dort aus ein paar Brettern eine Bühne zusammengenagelt und Plastikstühle in den Sand gestellt. Das war's.

Wir haben aus Brettern eine Bühne gezimmert - so fing alles an.
Ludwig Baumann, Intendant

Mix aus Barockoper und Heavy Metal

Von außen sieht die Reithalle heute immer noch gleich aus. Aber innen wurde sie isoliert und ein fester Boden eingezogen. Mittlerweile ist sie voll klimatisiert und mit 740 unvergleichlich komfortablen Ledersesseln bestuhlt, bei Konzerten sind es sogar 860. "Ich bin selbst verwundert über diese geniale Akustik", sagt Ludwig Baumann. "Wir sitzen im letzten Platz und Sie hören jedes Piano eines Sängers." Bei der Auswahl der Stücke greift Baumann auf die Hitparade der 20 beliebtesten Opern zurück - wie "Der Barbier von Sevilla", "Don Giovanni", "Otello", "Fidelio" oder "Hoffmanns Erzählungen". An den Stücken komme man nicht vorbei, meint Baumann. "Aber wir haben uns in den letzten Jahren schon an Dinge gewagt, die nicht alltäglich auf den Opernbühnen sind", fügt er hinzu. Als wichtigste Veränderung sieht Baumann den Mut zu modernen Inszenierungen. So wird unter dem Motto "Ba-Rock" auf Gut Immling seit einigen Jahren auch Techno oder Jazz mit Klassik gemischt. Nach Händels "Xerxes" im vergangenen Jahr trifft nun "Rinaldo" mit Heavy Metal und Hard Rock zusammen.

Von Zauberflöte bis Orff

Cornelia von Kerssenbrock, die musikalische Leiterin des Festivals, dirigiert auch heuer fast alle Produktionen. Außerdem gibt es mit "Carmina Burana" und "Der Mond" auch erstmals Werke von Carl Orff auf Gut Immling. Das Bühnenbild dazu hat Claus Hipp entwickelt. Bizets "Carmen" in der Inszenierung von Stefan Tilch, dem Intendanten des Landestheaters Niederbayern, und als Eröffnungspremiere die "Zauberflöte", die die aktuelle Flüchtlingsthematik aufgreift. "Wir haben unser eigenes Festivalorchester mit jungen Leuten aus 20 Nationen", sagt Cornelia von Kerssenbrock. "Es ist ein Stamm, der jedes Jahr immer wieder ein bisschen anders zusammengestellt wird und ich hab das Gefühl, auch jedes Jahr mehr zusammenwächst."

Es hat jetzt eine Größenordnung erreicht, wo man fast Angst bekommt.
Ludwig Baumann, Intendant

Für viele Sänger war und ist das Opernfestival Gut Immling ein Sprungbrett zur internationalen Karriere - darunter Bariton Wolfgang Koch oder die schwedische Sopranistin Maria Bengtsson. Weltweit geht Intendant Ludwig Baumann auf Entdeckungsreise nach guten Sängern. Und er bringt seine fertigen Produktionen mittlerweile sogar bis nach China mit. Nie hätte er sich träumen lassen, dass aus Immling mal das wird, was es heute ist. "Es ist passiert und hat jetzt eine Größenordnung erreicht, wo man fast Angst bekommt", sagt Baumann.

Tiere nach Opernfiguren benannt

Auf dem Pferdeschutzhof Gut Immling gibt es auch noch über 100 Tiere, die Namen wie Don Giovanni, Papagena oder Otello tragen. Lama-Nachwuchs wird es in diesem Jahr wieder geben, vielleicht sogar pünktlich zur Premiere am Freitag. "Wir haben das neugeborene Tier immer nach der Oper oder Hauptfigur benannt, die wir hier haben", erzählt Baumann. "Es könnte eine Carmen werden oder eine Pamina, aber auch ein Sarastro oder Tamino." Das Festival im Chiemgau wurde zwar immer größer, hat aber von seinem so besonderen Flair nichts verloren. 18.000 Besucher kommen jedes Jahr hierher. Den Vergleich mit Glyndebourne lässt sich Intendant Ludwig Baumann gerne gefallen. Allerdings sitzen die Leute in Immling noch nicht zum Picknick auf der Wiese. "Aber wer weiß, vielleicht kommt das auch noch", so Baumann.

Eröffnung des Opernfestivals

Freitag, 10. Juni 2016, 19.30 Uhr

Mozart: "Die Zauberflöte"
Musikalische Leitung: Cornelia von Kerssenbrock
Inszenierung: Verena von Kerssenbrock

Alle Informationen sowie weitere Termine finden Sie hier.

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