BR-KLASSIK

Inhalt

Herbert Blomstedt zum 90. Geburtstag Maestro in Topform

Herbert Blomstedt ist ein echtes Phänomen. Das klassisch-romantische Standardrepertoire entdeckt er immer wieder neu, und zudem engagiert er sich für Musik außerhalb des symphonischen Mainstreams. Mittlerweile ist er wohl der dienstälteste Dirigent weltweit - am 11. Juli feierte der Maestro seinen 90. Geburtstag.

Der Dirigent Herbert Blomstedt | Bildquelle: Martin U.K. Lengemann

Bildquelle: Martin U.K. Lengemann

Zum Anhören

Bernhard Neuhoff porträtiert Herbert Blomstedt

Herbert Blomstedt, 1927 als Sohn eines schwedischen Pastors in den USA geboren, hatte in seiner Karriere nur wenige Chefpositionen inne. Lieber blieb er, wie es seinem uneitlen Naturell entspricht, einem Orchester ein ganzes Jahrzehnt lang treu. Nur zwischen 1985 und 1995 kehrte er Europa den Rücken und arbeitete in San Francisco; davor war Blomstedt Chefdirigent der Sächsischen Staatskapelle in Dresden, danach beim Leipziger Gewandhausorchester. Auf diese Weise erlebte er den deutsch-deutschen Systemwechsel hautnah mit.

Enthusiasmus, Humor und Liebenswürdigkeit

Seine umfassende Ausbildung erhielt Herbert Blomstedt in seiner schwedischen Heimat und an der New Yorker Juilliard School, Anregungen in Sachen Neuer und Alter Musik bei den Darmstädter Ferienkursen sowie an der Basler Schola Cantorum. Er lernte bei Leonard Bernstein in Tanglewood und bei Igor Markevitch in Salzburg. Nach Stationen bei bedeutenden skandinavischen Orchestern begann Blomstedts internationale Karriere, die ihn nach Bamberg, Berlin, Amsterdam, in die USA oder nach Israel führte - seit 2005 auch regelmäßig zum Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, wo er neben Bernard Haitink die Rolle des Grandseigneurs mit souveräner Könnerschaft ausfüllt, mit Enthusiasmus, Humor und Liebenswürdigkeit. Der lebendige Kontakt mit den Musikern hat bewirkt, dass Herbert Blomstedt wie einst Günter Wand im Alter noch einmal zu ganz großer Form aufgelaufen ist.

BR-KLASSIK-Redakteur Bernhard Neuhoff über Herbert Blomstedt:

"Schon als er zum ersten Mal als Gast zum Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks kam, sprach Blomstedt die Bläsersolisten mit Namen an. Jeder Musiker fühlt sich von ihm als Partner ernst genommen. Wenn er kleine Besetzungen dirigiert, verzichtet er gern aufs Pult, groß genug ist er auch so. Auf einer Ebene mit den Musikern arbeitet er auch im übertragenen Sinn. Deshalb wird Blomstedt nicht nur vom Publikum geliebt, sondern auch von den Orchestern. Und wer erlebt hat, wie wach, humorvoll und geistesgegenwärtig er spricht, in Interviews oder Konzerteinführungen - dass er alle Themen mit lauter, klarer Stimme dem Publikum vorsingt, ist Ehrensache - der freut sich mit ihm zusammen auf noch viele wundervolle Konzerte."

Bach statt Mahler

Das Pathos der Oper und die Extrovertiertheit Gustav Mahlers sind Herbert Blomstedts Sache eher weniger. Vor allem in den letzten Jahrzehnten ist dem gläubigen Humanisten Blomstedt, für den Musik eine ethische Dimension hat, die Geisteswelt Anton Bruckners immer näher gerückt. Und neben den Werken der großen skandinavischen Symphoniker Sibelius und Nielsen, die er immer wieder aufs Programm setzt, beschäftigt er sich eingehend mit der Musik Beethovens.

Eine ganz besondere Stellung in Blomstedts Kosmos nimmt jedoch die Musik Johann Sebastian Bachs ein. Und das aus mehreren Gründen. Zum einen begann Blomstedt seine professionelle Musikerlaufbahn zunächst als Organist, und von daher hat er sich natürlich viel mit Bachs Musik beschäftigt. Dann war er sieben Jahre lang Gewandhauskapellmeister in Leipzig, in jener Stadt also, in der Bach Thomaskantor war. Erst im März dieses Jahres war er für zwei Konzerte mit Bachs Johannes-Passion zu Gast bei Chor und Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks.

Anlässlich des 90. Geburtstags von Herbert Blomstedt am 11. Juli widmen BR-KLASSIK und BR Fernsehen dem Maestro zahlreiche Sondersendungen.

Blomstedt in Radio und TV

Blomstedt bei der Probe

    AV-Player