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ICMA 2017 für CD "Duo Sessions" Preis für Julia Fischer und Daniel Müller-Schott

Für ihr Album "Duo Sessions" wagten sich Geigerin Julia Fischer und Cellist Daniel Müller-Schott mit Musik von Schulhoff, Kodály und Ravel an eher ungewohntes Repertoire. Nun wurde diese Koproduktion mit BR-KLASSIK mit dem unabhängigen Klassikpreis ICMA 2017 ausgezeichnet. Dass zwischen den beiden musikalisch nicht nur pure Harmonie herrscht, verrät der Cellist im BR-KLASSIK-Interview.

BR-KLASSIK: Als wir im September 2014 die CD aufgenommen haben, die jetzt den ICMA (International Classical Music Award) gewonnen hat, da haben wir uns wahrscheinlich alle nicht träumen lassen, dass sie einen solchen Erfolg haben würde. Worin liegt das Geheimnis dieser CD?

Daniel Müller-Schott: Es ist immer schwierig, das so aus der Innenperspektive zu betrachten. Ein Aspekt ist sicher die wirklich sehr lange Zusammenarbeit mit Julia Fischer. Weil wir uns so lange kennen und auch das Repertoire, das wir jetzt auf CD aufgenommen haben, wirklich oft im Konzert gespielt und uns über Jahre immer wieder mit der Gefühlswelt der Komponisten beschäftigt haben. Ich glaube, das ist einer der Punkte, warum das Ergebnis so gut geworden ist.

BR-KLASSIK: Nun seid Ihr zwei so unterschiedliche Künstler. Wie funktioniert das musikalisch dennoch so harmonisch miteinander?

Cellist Daniel Müller-Schott mit Geigerin Julia Fischer | Bildquelle: © Christine Schneider Bildquelle: © Christine Schneider Daniel Müller-Schott: Vielleicht ziehen sich Gegensätze an. Wobei - es gibt auch viele Übereinstimmungen bei Julia und mir. Man muss schon sagen, die Durchsetzungskraft, die wir beide mitbringen, führt auch das eine oder andere Mal dazu, dass es kracht. Aber das ist musikalisch natürlich auch interessant: Es darf nicht nur pure Harmonie sein. Es sind zwei Pole, an denen wir uns immer wieder bewegen und uns gegenseitig beim Musizieren befeuern.

ICMA-Award

Der International Classical Music Award (ICMA) wird jährlich für CD- und DVD-Produktionen in Kategorien wie Alte Musik, Chormusik, Oper, Solo, Konzert und Symphonik vergeben - 2017 zum siebten Mal. Die Preisträger des Klassikpreises werden von einer 19-köpfigen Jury ausgewählt. Zu den Gewinnern der vergangenen Jahren zählen unter anderem Charles Dutoit, Menahem Pressler, Esa-Pekka Salonen, Christian Tetzlaff, Joyce DiDonato, Krzysztof Penderecki und Claudio Abbado.

Die 2017 in der Kategorie Kammermusik ausgezeichnete CD "Duo Sessions" mit Julia Fischer und Daniel Müller-Schott erschien beim Label ORFEO und wurde von BR-KLASSIK koproduziert.

Ravels Sonate wurde einst als musikalisches Massaker abgetan.
Daniel Müller-Schott

BR-KLASSIK: Wenn eine Geige und ein Cello miteinander spielen, dann ist das schon mal per se eher ungewöhnlich: zwei Streicher allein ohne ein Klavier, also ohne einen "Begleit-Apparat". Aber dann auch noch Werke von Kodály und Schulhoff ... Ravels Sonate ist vielleicht ein bisschen bekannter.

Daniel Müller-Schott: Wobei auch diese Sonate in ihrer Zeit als musikalisches Massaker abgetan wurde. Und es gibt ja diese schöne Anekdote über jemanden, der bei der Uraufführung saß und der dann zu Ravel gegangen ist und scherzhaft meinte, man müsse doch eine reduzierte Orchester-Fassung des Werks anfertigen. Das zeigt, dass diese Überfrachtung der Musik überhaupt nicht verstanden wurde, das ist einfach keine musikalische "Wohlfühl-Welt". Und das ist auch ganz gut so.

Cellist Daniel Müller Schott | Bildquelle: Christine Scheider

Bildquelle: Christine Scheider

Video - Leben mit dem Instrument

Auf der Suche nach dem optimalen Klang

BR-KLASSIK: Wo liegen denn aus der Innensicht gesehen die Klippen, wenn Cellist und Geigerin miteinander harmonieren müssen?

Daniel Müller-Schott: Sie haben das mit der Reduktion auf zwei Instrumente ja schon angesprochen. Darin liegt natürlich auch die Gefahr, dass man sich so sehr offenbart, Dinge so bloßgelegt werden, dass man eben keine Sicherheit mehr hat. Anders als wenn man mit Klavier spielt - da hat man das Gefühl, dass da noch jemand ist, der einen trägt. In unserem Fall ist es wirklich so, dass man sich auf den anderen verlassen muss und vor allem auch Julia an der Geige auf sich selbst zurückgeworfen wird. So würde ich das beschreiben. Und dieser Extremzustand ist es auch, der die Musik vielleicht so spannend macht. Das ist sonst im normalen Konzertbetrieb nicht so oft zu erleben.

Es ist spannend, das Publikum herauszufordern - und vielleicht auch zu erziehen.
Daniel Müller-Schott

BR-KLASSIK: Sie beide haben diese Werke schon oft im Konzert gespielt. Wie reagiert denn das Publikum auf dieses Repertoire?

Daniel Müller-Schott: Unterschiedlich. Man erlebt eigentlich jede Form der Reaktion. Vielleicht muss man auch das Risiko eingehen, dass es erst einmal nicht verstanden wird und dass Leute mit großen Fragezeichen aus dem Konzert gehen. Aber warum nicht. Es ist ja auch spannend, das Publikum herzauszufordern - und vielleicht auch zu erziehen. In gewisser Weise ist das auch ganz wichtig.

BR-KLASSIK: Und was bedeutet ein solcher Preis, wenn man eine CD aufgenommen hat, in die man wirklich viel Herzblut und viel Zeit investiert hat?

Daniel Müller-Schott: Es bedeutet einem irrsinnig viel, gerade wenn man es nicht erwartet hat und das Ganze dann von allen Seiten so euphorisch aufgenommen und besprochen wird! Das ist natürlich umso schöner, weil man auch dafür einsteht - für diese Ernsthaftigkeit des Repertoires und auch für die sehr persönliche Aussagekraft der Komponisten, die ja auch ihr Herzblut in die Kompositionen reingesteckt haben.

Das Gespräch führte Falk Häfner für BR-KLASSIK.

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