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Bariton Andrè Schuen im Interview "In der Oper ist manches grober"

Als Südtiroler spricht (und singt) Andrè Schuen drei Sprachen: italienisch, deutsch und ladinisch. Und natürlich ist er auch gerne in den Bergen unterwegs: "Man merkt schon, dass man etwas erreicht hat, wenn man auf dem Gipfel steht". Am Samstag, den 19. Januar ist er zu Gast in "Meine Musik", am 23. Januar gibt er in der Münchner Allerheiligenhofkirche einen Liederabend.

Bariton Andrè Schuen | Bildquelle: © Guido Werner

Bildquelle: © Guido Werner

BR-KLASSIK: Sie stammen aus dem ladinischen La Val und leben im Gadertal, als Kind waren Sie oft mit Ihren Eltern in den Bergen unterwegs. Was lernt man dadurch, dass man sich überwindet und einen Berg hinaufgeht?

Andrè Schuen: Wenn man dann wirklich auf dem Gipfel ist, dann merkt man, dass man einfach etwas erreicht hat, indem man diesen langen Weg teilweise stundenlang hinaufgegangen ist und dass es sich schon lohnt, wenn man dann oben ist und ins Tal hinunter schaut.

BR-KLASSIK: Sie singen ja immer wieder gemeinsam mit ihren Schwestern, dann auch gerne auf Ladinisch. War das schon so, als Sie noch Kinder waren oder kam das erst im fortgeschrittenen Alter?

Andrè Schuen: Das war wirklich in der Kindheit auch schon so. Ich bin ja ein bisschen jünger als meine Schwestern und dadurch habe ich am Anfang auch eine Zeit lang eher zugehört, wie Papa und Mama mit meinen Schwestern gesungen und musiziert haben. Und irgendwann bin ich dann auch eingestiegen. Damit sind wir wirklich aufgewachsen, dass wir einfach zusammen Musik machen.

Ich kann auf der Opernbühne nicht immer so ein Pianissimo singen wie im Lied-Bereich.
Andrè Schuen

BR-KLASSIK: Sie changieren zwischen verschiedenen Bereichen. Sie singen Oper, Sie singen Lied. Wie funktioniert das denn, dass Sie da aus dem einen etwas für das andere mitnehmen. Oder sind das Parallelwelten, in denen Sie leben?

Andrè Schuen: Nein, da nehme ich natürlich schon ziemlich viel mit. Aber das passiert automatisch, würde ich sagen. Da braucht man gar nicht so viel darüber nachzudenken. Die Feinheiten, die man im Lied bringen kann, die nimmt man dann halt auch in die Oper mit. Wobei es da natürlich nur relativ begrenzten passieren kann. Ich kann auf der Opernbühne nicht immer so ein Pianissimo singen wie im intimen Lied-Bereich, was ja eigentlich klar ist. Trotzdem: Allein die Tatsache, dass ich versuche, das im Lied so hinzubekommen, hilft in der Oper auch schon die Farben zu finden.

BR-KLASSIK: Ich könnte mir vorstellen, dass man zwischen diesen unterschiedlichen Bereichen auch ein bisschen Abstriche im Hören machen muss. Wenn Sie nur auf einen Pianisten hören, ist es überschaubarer, als wenn Sie eine 100 Mann starke Kapelle im Graben vor sich sitzen haben, wo Sie dann mit Ihrem Klang zusammen auch wieder so ein Gesamtklang erzeugen müssen.

Andrè Schuen: Das ist dann wirklich eine völlig andere Sache. Das klingt jetzt vielleicht negativ, ich meine es aber nicht negativ: In der Oper ist manches grober. Auf der Bühne hört man zum Beispiel manchmal das Orchester kaum, wenn man selbst singt. Dabei ist es aber oft ziemlich laut. Deshalb ist in der Oper oft einfach das rhythmische Zusammensein eine viel größere Herausforderung, als im Lied, wo ich einfach mit einem Menschen zusammen musiziere.

Ich lege mich sehr wenig fest, wie ein Stück vor Publikum werden soll.
Andrè Schuen

BR-KLASSIK: Sind Sie denn ein sehr penibler Typ, wenn Sie sich vorbereiten? Wieviel Spontaneität ist in so einer Opern-Interpretation überhaupt möglich?

Bariton Andrè Schuen | Bildquelle: © Guido Werner Andrè Schuen | Bildquelle: © Guido Werner Andrè Schuen: Ich würde schon sagen, dass ich gewissenhaft bin, aber ich lege für mich eigentlich sehr wenig fest, wie ein Stück dann vor Publikum werden soll. Ich spreche jetzt vom Lied-Bereich, denn in der Oper ist es sowieso anders, da geben so viele andere Menschen die Interpretation vor, dass man im Prinzip viel mehr nur reproduziert. Aber im Lied kann ich ja wirklich mit meinem Pianisten selbst entscheiden, wie wir unsere Stücke anlegen. Ich finde, die Probenzeit ist dann dafür da, alle Möglichkeiten auszuloten, die dann vor Publikum spontan entstehen können. Wenn man sich dann wirklich vor dem Publikum darauf einlässt, kann das sehr magisch sein.

Infos zum Konzert:

Mittwoch, 23. Januar 2019
München, Allerheiligenhofkirche in der Residenz

Liederabend mit Andrè Schuen und Daniel Heide:
Schubert, Liszt, Tosti und Ladinische Volkslieder

Sendung: "Meine Musik" am Samstag, den 19. Januar 2019 ab 11:05 Uhr auf BR-KLASSIK

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