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Basil H. E. Coleman im Interview Die Passauer "Aida" spielt im Nahen Osten

Die vermeintlich antiken "Aida"-Trompeten dürfen dann doch nicht fehlen - obwohl diese Verdi-Inszenierung den Zuschauer mit in die Jetzt-Zeit nimmt und im Nahen Osten angesiedelt ist. Was den Zuschauer sonst noch erwartet in der Passauer "Aida", die heute Abend Premiere feiert, verrät Dirigent Basil H. E. Coleman im Interview mit Bernhard Neuhoff.

Impressionen aus Verdis "Aida" am Landestheater Niederbayern in Passau | Bildquelle: © Landestheater Niederbayern/Peter Litvai

Bildquelle: © Landestheater Niederbayern/Peter Litvai

Basil H. E. Coleman

Zur "Aida" in Passau

BR-KLASSIK: Herr Coleman, die Aida ist eine der beliebtesten Opern überhaupt. Wann haben Sie sie zum ersten Mal gesehen?

Basil H. E. Coleman: In der Wiener Staatsoper mit Luciano Pavarotti. Das war in den 80er-Jahren. Ich bin frisch aus Oxford nach Europa gereist, habe mein Studium in England abgeschlossen - und bin dann nach Europa ausgewandert, quasi. Und dann habe ich in der Wiener Staatsoper viele Vorstellungen gesehen. Pavarotti in einem wunderschönen Goldkostüm übrigens.

BR-KLASSIK: Bekommen wir jetzt derart tolle Kostüme in Passau auch zu sehen?

Basil H. E. Coleman: Ja. Schon tolle Kostüme, aber nicht diese klassischen Kostüme aus der Zeit, wie damals. Wir transportieren unsere Ideen in unsere Zeit.

BR-KLASSIK: Was für ein Konzept erwartet uns jetzt bei "Aida"?

Basil H. E. Coleman: Die Regie bringt - wie gesagt - das Stück in die Gegenwart, in den Nahen Osten, einen Raum und eine Region, die uns bekannt ist. Ich möchte nicht alles verraten. Aber es ist eine nachvollziehbare Geschichte aus Liebe, Krieg, Tod und Kampf. Es hat insofern Auswirkung auf das Dirigat, weil die Sänger in einem bestimmten Tempo agieren, es eine gewisse Energie in der Regie gibt. Sprich: Unsere Amneris ist eine junge Amneris, sehr leidenschaftlich. Sie singt schneller als eine Frau Simionato in den 1950er-Jahren an der Scala.

BR-KLASSIK: Und auch das Bühnenbild hat ja ganz handfeste akustische Auswirkungen?

Basil H. E. Coleman: Richtig. Wir haben im Bühnenbild Säulen, klassische Elemente aus der Wüste von einer Wüstenstadt. Da spiegelt sich der Klang sehr gut.

BR-KLASSIK: Und zu einer richtigen Aida - so wie man sie sich als Kind erträumt -, gehören ja eigentlich auch noch Tiere, oder?

Basil H. E. Coleman: Das habe ich auch überlegt. Am Anfang der Spielzeit habe ich das Thema Elefanten durchgearbeitet: Erstmal habe ich nach einem großen Elefanten gefragt. Nach einem lebenden! Und das ging nicht auf unserer Bühne, die vom Gewicht her nicht ausgelegt ist für einen großen Elefanten. Da hätten wir Baumaßnahmen ergreifen müssen - das konnten wir nicht ... Dann habe ich gedacht: kleinere Bühne, kleinerer Elefant. Dann nehme ich einen kleinen Elefant. 300 Kilo würde die Belastung zulassen - aber nicht der Tierschutz. Aber auf die langen, bekannten Aida-Trompeten habe ich nicht verzichtet. Wir haben sechs Stück ausgeliehen für Passau - und die Landshuter Aufführung.

"Aida" am Landestheater Niederbayern

Premieren: in Passau - 14. Mai 2016, Landshut - 3. Juni 2016 und Straubing - 7. Juni 2016

Weitere Infos finden Sie auf den Seiten vom Landestheater Niederbayern.

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