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Corona und 2G in Bayern - Konzertveranstalter Andreas Schessl zu Auswirkungen Bis zum Frühjahr überwintern

Seit heute gilt in Bayern für Kulturveranstaltungen landesweit die 2G-Regel. Nach den starken Einschnitten im letzten Jahr, ein weiterer Dämpfer für die Kultur. Wie es den Konzertveranstaltenden damit geht und wie sie mit dieser Regelung umgehen, verrät Andreas Schessl, Veranstalter von MünchenMusik, im Gespräch.

Schild mit 2G-Regel | Bildquelle: dpa-Bildfunk/Marcus Brandt

Bildquelle: dpa-Bildfunk/Marcus Brandt

BR KLASSIK: Herr Schessl, ab heute gilt bayernweit die 2G-Regel, das heißt in Kinos, Theater, auch Konzerte und Veranstaltungen dürfen nur noch geimpfte oder genesene Personen hinein. Wie finden Sie diese Entscheidung?

Andreas Schessl: Sie ist natürlich verständlich bei der Infektionslage, die wir haben. Interessanterweise haben wir beobachtet, dass das Publikum das eigentlich schon in den letzten Tagen selbst so für sich geregelt hat. Obwohl es noch keine Maskenpflicht gab, sind schätzungsweise sicher 80 – 90 Prozent der Besucher bereits mit Maske erschienen. Insofern glaube ich, dass es viele auch schon ein bisschen gewohnt sind und gar keine so große Umstellung ist.

Starke Auswirkungen auf den Verlauf der Saison

BR-KLASSIK: Was befürchten Sie jetzt für Ihre Branche? Mit welchen Auswirkungen rechnen Sie?

Andreas Schessl: Es ist klar, dass die Verkäufe, die sich eigentlich schon wieder sehr gut entwickelt hatten, wieder rückgängig sind. Das bedeutet, dass für uns das, was für unsere Branche extrem wichtig ist, nämlich das sogenannte Weihnachtsgeschäft, natürlich jetzt ganz stark rückläufig ist. Das hat natürlich auch Auswirkungen auf den weiteren Verlauf der Saison. Das kann man jetzt schon absehen.

BR-KLASSIK: Wie ist denn die neue Saison überhaupt nach der Öffnung im September angelaufen. Waren Sie schon ganz zufrieden, so wie das Publikum wieder in die Konzerte gegangen ist?

Andreas Schessl: Ja, das würde ich schon sagen. Natürlich hatten wir mit der Eröffnung der Isarphilharmonie eine Sonderkonjunktur, aber insgesamt haben die Leute schon Schritt für Schritt wieder in den Konzertsaal zurückgefunden. Das jetzt wieder komplett unterbrochen zu haben, ist natürlich schon ziemlich bitter.

Reduzierte Publikumszahlen dank Finanz-Hilfen möglich

BR-KLASSIK: Im letzten Winter haben Sie ja schon mit einem deutlich eingeschränkten Kulturbetrieb Erfahrungen gemacht. Was nehmen Sie davon für diesen Winter mit? Haben Sie etwas, worauf Sie schon bauen können und sagen können: "Okay, wenn Plan A nicht geht, dann können wir auf Streamen ausweichen." Haben Sie da einen Plan B?

Andreas Schessl: Der große Unterschied für uns als nicht subventionierten Veranstalter, ist, dass wir letztes Jahr im Grunde gar nicht gespielt haben, weil wir uns das einfach nicht leisten konnten. Wir konnten nicht mit 200, 300 Menschen im Saal spielen. Der Unterschied jetzt ist, dass es die Wirtschaftlichkeitshilfe gibt, die uns auch ermöglicht, unter bestimmten Konstellationen zumindest mit reduzierten Publikumszahlen zu spielen. Das heißt nicht unbedingt bei 200, aber je nach Saalgröße eben auch bei 50 Prozent Belegeung. Das macht dann zwar in mehrerlei Hinsicht keinen Spaß, aber es ist zumindest eine Möglichkeit, dass wir weiter spielen können und dass wir vor allem auch Künstlern eine Konzertmöglichkeit bieten und dadurch auch Gagen zahlen können. Insofern ist es ein großer Unterschied. Der zweite große Unterschied ist natürlich trotzdem auch die Perspektive. Auch wenn das jetzt nochmal so ein Aufbäumen der Pandemie ist, denke ich, dass es für Deutschland oder den europäischen Raum doch relativ wahrscheinlich ist, dass es im Frühjahr irgendwann besser wird und dass wir dann mit Sache weitgehend durch sind.

BR-KLASSIK: Das heißt, Sie können mit dieser 2G-Regel mit einem reduzierten Publikum aus Geimpften und Genesenen überwintern bis zum Frühjahr?

Andreas Schessl: Überwintern ist ein guter Ausdruck, das ist genau der Punkt. Ich denke, wir können jetzt unter wenig idealen Bedingungen zwar spielen und damit durchkommen. Das ist mir allemal lieber, als 18 Monate, die wir hatten, gar nicht zu spielen.

Studien belegen: Konzertsäle sind keine Pandemietreiber

BR-KLASSIK: Und es ist ja auch eine Frage der politischen Perspektive, die Ihnen geboten wird. Was sind aktuell Ihre Forderungen an die Politikerinnen und Politiker? Was brauchen Sie?

Andreas Schessl: Manches, was wir gebraucht hätten, liegt leider schon in der Vergangenheit. Ich denke, manche Maßnahmen sind zu spät ergriffen worden, aber das ist jetzt nichts mehr wirklich, was man besprechen muss. Nach vorne gerichtet ist für uns ganz wichtig, dass nicht sofort wieder komplett zu gesperrt wird, und vor allen Dingen auch eines: Es gibt ausreichend wissenschaftliche Studien und Untersuchungen aus den Pilotprojekten im letzten Jahr, die ganz klar gesagt haben, dass jedenfalls die Konzertsäle mit gesetzten Plätzen das Gegenteil eines Pandemietreibers waren. Da sollte man jetzt nicht sagen, dass die allerschärfsten immer nur auf Konzertsäle angewendet werden, sondern schon auch die Kirche im Dorf lassen. Ich denke bei 2G mit Maske sollte es dann jetzt auch bleiben.

Sendung: "Leporello" am 16. November 2021 ab 16:05 Uhr auf BR-KLASSIK

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