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Der Oboist François Leleux im Interview Wenn man Musik spielt, bleibt die Zeit stehen

In der Küche hat seine Frau die Hosen an, sagt François Leleux. Er habe zwar durchaus Kochtalent, aber Lisa Batiashvili die besseren Zutaten. Wie sieht es aus, wenn beide zusammen auf der Bühne stehen?

Francois Leleux | Bildquelle: Uwe Arens

Bildquelle: Uwe Arens

Interview mit Francois Leleux

"Wenn man Musik spielt, bleibt die Zeit stehen"

BR-KLASSIK: Sie musizieren gelegentlich gemeinsam mit Ihrer Frau, der Geigerin Lisa Batiashvili. Kennen Sie den Klang ihrer Geige so gut wie den Ihrer Oboe?

François Leleux: Ja, und Lisas Klang ist ganz besonders, weil sie mit einer unglaublich passenden Intonation spielt. Intonation ist sehr wichtig: Durch sie kann man den Ton formen. Wenn man mit einem Klavier zusammen spielt, mit einem Kammermusik-Ensemble oder mit einem Orchester, kann man nur einen schönen Ton haben, wenn man den anderen gut zuhört und den Ton perfekt anpasst. Es ist also immer eine Freude, sie zu hören weil eigentlich alles perfekt passt.

Der Chef ist die Musik.
François Leleux

BR-KLASSIK: Sie sind Oboist, aber auch mehr und mehr Dirigent. Wenn Sie in die Situation kommen, dass Sie auch Ihre Frau dirigieren – sind Sie dann auch der Chef auf der Bühne?

François Leleux: Wenn man einen Solisten begleitet, gibt es keinen Chef. Der Chef ist die Musik. Natürlich werden wir Lisa, die ja die Hauptstimme hat, so gut wie möglich mit dem Orchester begleiten und unterstützen. Auf sie müssen wir alle hören, um der Musik auf höchstem Niveau gerecht zu werden.

Kein Davor und Danach

BR-KLASSIK: Wenn Sie, wie hier in München, nacheinander spielen – also zuerst Ihre Frau mit Mendelssohn und danach Sie mit einem Oboen-Konzert – hören Sie ihr denn dann zu oder sind Sie ganz mit der Vorbereitung für Ihren eigenen Auftritt beschäftigt?

Lisa Batiashvili bei SWEET SPOT TV | Bildquelle: Alescha Birkenholz Bildquelle: Alescha Birkenholz François Leleux: Ich werde ihr bestimmt zuhören, es ist eine Inspiration und eine Bereicherung, sie zu hören. Dadurch, dass ich sie auch als Dirigent begleite, muss ich sehr aufmerksam sein. Ich werde also auf keinen Fall über mein Stück nachdenken, wenn sie spielt. Ich werde voll bei ihr sein. Nach der Pause bin ich dran, das ist dann eine andere Zeit. Wissen Sie, wenn man Musik spielt, bleibt die Zeit stehen. Wenn man sich voll der Musik hingibt, dann gibt es kein Davor und Danach. Das ist ein tolles Gefühl, wenn man bei einem Konzert ein Stück durchspielt, und die Zeit steht still.

Glücklich in Bayern

BR-KLASSIK: Sie haben ja zuhause einen tri-kulturellen Haushalt: Frankreich, Georgien und eben auch Deutschland. Rempeln Sie da manchmal aneinander?

François Leleux: Nein, auf keinen Fall. Meine Frau ist deutsche Staatsbürgerin, und ich bin Franzose. Das heißt, die Kinder sind Französisch-Deutsch – oder Deutsch-Französisch. Wir sind sehr glücklich, hier in München zu leben. Wir haben sehr viel Respekt für diese Gesellschaft, die so viel geschafft hat und auch weiterhin schaffen wird, trotz der ganzen europäischen Unruhe, die uns sehr traurig macht: diese ganzen nationalistischen, anti-europäischen Bewegungen in Frankreich und Italien. Wir glauben, dass Europa wichtig ist für die Menschen. Wir sprechen sehr bilingual: Es wird sehr viel Georgisch zu Hause gesprochen – besonders zwischen Lisa und unseren Kindern. Wir sprechen gemeinsam Französisch und Deutsch, da gibt es keine Grenze. Wir fangen auf Französisch an und am Ende sprechen wir Deutsch oder umgekehrt. Das ist sehr schön. Es ist eine Bereicherung, so viele Sprachen zu sprechen und so international zu sein. Und ich wünsche mir, dass es so bleibt.

Lisa Batiashvili & François Leleux

Konzert mit der Camerata Salzburg

Am 16. März 2019 ab 20.00 Uhr im Herkulessaal der Münchner Residenz

Mendelssohn Bartholdy: Konzert-Ouvertüre Nr. 2 op. 26 "Die Hebriden"
Mendelssohn Bartholdy: Konzert für Violine und Streicher d-moll
Kancheli: '"Chiaroscuro" für Violine und Streichorchester
Lebrun: Konzert für Oboe und Orchester Nr. 1 d-moll op. 2
Mozart: Symphonie Nr. 31 D-Dur KV 297 "Pariser Symphonie"

Sendung: "Leporello" am 14. März 2019 ab 16.05 auf BR-KLASSIK

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