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Gardiner dirigiert Beethovens Missa Solemnis beim BRSO "Fast unmöglich zu singen und zu spielen!"

Beethovens Missa Solemnis ist eine der berühmtesten Messen schlechthin. Dabei ist sie eigentlich gar keine richtige Messvertonung – zumindest keine, die in den Gottesdienst passt: zu lang, zu groß besetzt, zu monumental. Überhaupt: Was ist das eigentlich für ein Stück? Meinte Beethoven das religiös oder philosophisch? Und ist das Ding überhaupt spielbar? Der Dirigent John Eliot Gardiner hat die Missa schon 27 mal dirigiert – für ihn bleibt das Werk eine Grenzüberschreitung. Umso mehr freut er sich auf sein 28. Dirigat von Beethovens Messe mit dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks.

John Eliot Gardiner | Bildquelle: © Chris Christodoulou

Bildquelle: © Chris Christodoulou

Beethovens "Missa solemnis"

Gespräch mit John Eliot Gardiner

Eines steht fest: John Eliot Gardiner liebt die "Missa Solemnis". Sie überwältigt ihn jedes Mal aufs Neue. Denn für ihn kommen wir hier Beethoven näher als in allen anderen seiner Werke. Beethoven wollte zwar anfangs eine Messe komponieren – doch das, was am Ende herauskam, ist viel mehr als eine liturgische Vertonung. So gilt für den englischen Dirigenten, egal ob aus Sicht des Hörers oder des Interpreten: Nachdem man dieses Stück gehört hat, ist man ein anderer Mensch. Allein die Widmung auf der handschriftlichen Partitur zeige schon, wie wichtig das Stück für Beethoven war: "Von Herzen — Möge es wieder — Zu Herzen gehn".

Es ist so persönlich gemeint und so persönlich komponiert!
John Eliot Gardiner über die Missa Solemnis

Der Dirigent bei einer Aufführung von Beethovens "Missa Solemnis" 2012 in Budapest mit dem von ihm gegründeten Orchestre Révolutionnaire et Romantique und dem Monteverdi Choir | Bildquelle: picture-alliance/dpa Ist ein Fan der Missa solemnis von Beethoven: Der englische Dirigent John Eliot Gardiner | Bildquelle: picture-alliance/dpa Die Missa ist auch Zeugnis eines Konflikts – Beethoven haderte durchaus mit seinem Glauben. Weniger mit Gott als mit der Christus-Geschichte. Auch das spiegele sich in der Missa: "Für Beethoven war Gott absolut realistisch und glaubwürdig", so der englische Dirigent. Doch der Glaube an Christus, das war für den Komponisten schwierig. Deswegen gebe es im Credo so viele schnelle Versionen des Glaubensbekenntnisses – ein Kraftakt, extrem schwierig zu singen und zu spielen. Hier lotet Beethoven alles aus, was geht. Am Schluss des "Credos" kommt der Satz auf einmal zum Stehen, um sich danach noch einmal triumphal zu steigern. Ausgerechnet an der Stelle „et vitam venturi saeculi“, zu deutsch "und das Leben der kommenden Welt" - ein Schlüsselmoment für Gardiner.

Was wird passieren nach unserem Tod? Das war für ihn das Allerwichtigste.
John Eliot Gardiner über Beethoven

Dabei sei es egal, ob man die Missa Solemnis mit einem "normalen", modernen Symphonieorchester aufführe oder mit einem historisch informierten Klangkörper – Gardiner hat alles ausprobiert. Diese außergewöhnlich lange Messe fordert von jedem Musiker viel Kraft und Konzentration. Klar: Transparenz, Artikulation und Rhetorik, das sei einfacher mit einem schlankeren, nach historischer Spielweise musizierendem Orchesterapparat. Dafür sei das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks ein "virtuoses Tier, ein Mechanismus". Gardiner war erstaunt, dass selbst in diesem Orchester einige der Musiker die Missa noch nie zuvor oder nur selten gespielt hatten, besonders in den Holzbläsern. Doch auch das ist für den Dirgenten im Grunde nebensächlich: Herausfordernd sei die Missa Solemnis immer, dazu sei sie einfach zu absurd und aberwitzig komponiert – und schlichtweg wunderbar, jedes Mal aufs Neue.

Ramón, der erste Oboist, hatte die Missa noch nie gespielt – er ist total begeistert davon!
John Eliot Gardiner über die Missa Solemnis mit dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks

Sendung: "Allegro" am 23. September 2021 ab 6:05 Uhr auf BR-KLASSIK

Kommentare (1)

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Freitag, 24.September, 22:13 Uhr

Beate Schwärzler

MISSA SOLEMNIS von LUDWIG VAN BEETHOVEN

DANKE !!!
Sir John Eliot Gardiner,
DANK dem Symphonieorchester und dem Chor des Bayerischen Rundfunks und allen Solisten
Lucy Crowe, Gerhild Romberger, Julian Prégardien und Tareq Nazmi,
DANK für diese wunderbare Aufführung, die ich im LIVE-Stream atemlos verfolgte.

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